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Logistik auf höchstem Niveau

Den Corona-Impfstart mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer, das bei minus 70 Grad Celsius transportiert und gelagert werden muss, verfolgen die Logistikexperten bei Gebrüder Weiss im Kanton St. Gallen interessiert. Dort verfügt ein achtköpfiges Team über jahrelange Erfahrung mit bis auf minus 80 Grad Celsius gekühlten automatisierten Lagersystemen für biologische Proben.

Seit 2015 liefert Gebrüder Weiss (GW) unter anderem die Produkte Verso und Bios des Herstellers Hamilton Storage europaweit in Krankenhäuser, Labore oder Universitäten und lagert die bis zu 30 Meter langen, fünf Meter breiten und vier Meter hohen Hightech-Geräte nötigenfalls vorübergehend. «Die Bestellung ist Chefsache, aber eine medizinische oder wissenschaftliche Koryphäe kennt sich nicht unbedingt in der Projektlogistik aus», sagt Michael Trommer, Leiter Logistik und Europaverkehre bei GW in Altenrhein, augenzwinkernd.

Mehr als nur Full-Service
Nicht nur für die Anwender, auch für Laborsysteme-Hersteller bedeutet es eine enorme Entlastung, wenn versierte Logistiker für ein Verkaufsprojekt das Transport- und Logistikkonzept ganzheitlich planen und umsetzen. Hamilton Storage bezieht die Einzelteile für seine Hightech-Grossgeräte von Lieferanten in der Schweiz, Europa oder Übersee. Im Werk in Domat/Ems (Graubünden) werden alle Module zusammengebaut, getestet und für den Transport zum Endkunden verpackt, zwischengelagert und in Tranchen zugestellt.

«Als Full-Service-Logistiker unterstützt uns Gebrüder Weiss über ihr internationales Netzwerk zuverlässig und ganz individuell bei der Materialbeschaffung, bei Transporten, Zollabwicklung und Geräteeinbringung. Wir können uns auch auf die Unterstützung bei Verpackungsmaterial, Personal und Lagerhaltung verlassen», sagt Sunthar Thillainadarajah, Head of Supply Chain and Internal Sales bei Hamilton Storage. Projekte im medizintechnischen Bereich können Monate dauern. Zunächst analysiert GW genau alle Anforderungen und plant bei der Konzepterstellung weitere Dienstleister ein, die dann Transporte oder Verzollung, Zwischenlagerung und Distribution übernehmen. Weil viele verschiedene Partner Hand in Hand arbeiten müssen, ist es enorm wichtig, dass der Ablauf gemeinsam festgelegt wird.

Der operative Startschuss fällt, sobald Hamilton Storage das Gerät fertiggestellt hat. Dann beauftragt GW die diversen Dienstleister. Hilfe erhält der Hersteller auch bei Rechnungslegung, Zolldokumenten sowie steuerlicher Abwicklung. Trommer weiss, wie wichtig diese Beratung ist: «Vor allem kleine und mittlere Unternehmen verfügen nicht immer über das erforderliche Know-how in Bezug auf Einfuhr-Umsatzsteuer und Co.»

Jederzeit den Überblick behalten
Damit alles rund läuft, muss ganz viel gleichzeitig passieren. Während Teile beim Empfänger angeliefert werden, steuert GW das Projekt bei Hamilton, setzt Experten effizient ein und denkt dabei immer an Verbrauchs- und Schutzmaterial. In Corona-Zeiten ist das doppelt wichtig. Alle Fäden laufen bei den Logistikprofis zusammen, die in jeder noch so stressigen Situation den Überblick behalten. «Wir schauen konstant in unser digitales Portal myGW und prüfen zum Beispiel, ob die projektierte Ankunftszeit des Lkw noch realistisch ist oder ob er im Stau feststeckt», sagt Trommer. Wenn etwas hakt, greift GW sofort korrigierend ein, damit das Projekt auf Kurs bleibt, notfalls mit Sonderfahrten.

Das Rundum-Sorglos-Paket umfasst auch Spezialausrüstung für erforderliche Baumassnahmen – und damit die wichtige Ware nicht kurz vor dem Ziel draussen vor dem Gebäude stehen bleibt. Oft sind in kritischen Momenten spontane Lösungen gefragt, wie bei einer Universität in München: Dorthin gelieferte Seiten- und Bodenplatten waren schwerer als geplant und konnten nicht durch das enge Treppenhaus gebracht werden. «Wir haben einen Kran von einer benachbarten Baustelle ausgeliehen und konnten die Platten durchs Fenster einbringen», berichtet Trommer, immer noch begeistert.

Die Logistikexperten müssen nicht nur pünktlich und einwandfrei gemäss geltenden Qualitätsstandards liefern. «Wir dürfen an der Verwendungsstelle beim Endkunden auch nicht auffallen», beschreibt Trommer die Aufgabe. Monteure bringen die hochkomplexen Projekte in einem sensiblen Umfeld zum Abschluss. Die Nähe zu den Patienten erfordert ausser Fachkompetenz sehr viel Einfühlungsvermögen, Logistiker sprechen deshalb von «White-Glove-Service». Zwar tragen die GW-Mitarbeitenden keine Handschuhe in weisser Farbe, wenn sie Grossgeräte im medizinischen Live-Betrieb installieren, jedoch höchste Verantwortung gegenüber Menschen und Gesundheit – in Corona-Zeiten umso mehr.

Kerstin Kloss

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