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Mehr Sicherheit: Verkehrssignale mit digitaler Signatur

Das Verwalten von Strassenverkehrsschildern basierte bislang auf manuellen Prozessen. Eine Digitalisierung im Bestandsmanagement auf der Basis von standardisierten und serialisierten Kennzeichnungen bietet den Anwendern neue Möglichkeiten.

«Das Geld liegt auf der Strasse» besagt eine halbwegs zutreffende Redensart. Sicher stimmt, dass staatliche Körperschaften erhebliche Vermögenswerte in Form von Strassenschildern, Sitzbänken, Wartehäuschen, Mülleimern, öffentlichen WC-Anlagen oder Fahrradständern auf öffentlichem Grund aufgestellt haben. Schätzungen zufolge stehen in Deutschland 20 Millionen Verkehrsschilder an Strassenrändern, wovon eine Million pro Jahr ersetzt werden müssen. Für die Schweiz ist es eine sechsstellige Zahl im Bestand.

Zahlreiche Verkehrszeichen, eine Norm
Wie in der Bauwirtschaft allgemein üblich, gibt es auch für ortsfeste, vertikale Strassenverkehrszeichen eine europäische Norm. Sie ist auch in der Schweiz gültig und eingeführt, da sich unser Land zur Anwendung europäischer Normen verpflichtet hat. Geregelt sind darin Eigenschaften wie die Farbe bei Tag, die Rückstrahlungsfähigkeit bei Nacht, die Standsicherheit oder die Dauerhaftigkeit des eingesetzten Materials. Für die Gestaltungsvorschriften bezüglich der Symbole ist die jeweilige nationale Strassenverkehrsordnung massgeblich. Weniger streng geregelt ist das Bestandsmanagement solcher Verkehrssignale. «Ein festes Verfallsdatum für einmal aufgestellte Verkehrszeichen gibt es nicht, wohl aber Richtlinien, welche auf die Wartung und die Bestandspflege anzuwenden sind», erklärt Christian Bargen, Geschäftsführer der GVZ, der deutschen Güteschutzgemeinschaft Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen. Die empfohlene Nutzungsdauer richtet sich nach dem Reflexionsvermögen bei Nacht und variiert zwischen sieben und zehn Jahren.

Bestandsmanagement – die Praxis
Hinsichtlich der grossen Masse an Verkehrssignalen stellt sich die Frage, wie und in welcher Qualität dieses Inventar verwaltet wird. Dabei ist zu beachten, dass in föderal strukturierten Staaten die Zuständigkeit für die Verkehrssignale bei der Kommune oder dem Landkreis respektive der Gemeinde oder dem Kanton liegt. Gemäss dem GVZ-Experten fehlt vielen kommunalen Verwaltungen die Übersicht über ihre Verkehrsschilder. Mangelnde Kenntnis über beschädigte, vermooste, mit Grünbewuchs verdeckte oder vergilbte Schilder ist nicht belanglos: Im Übertretungsfall führen mangelhaft gepflegte Verkehrssignale zu Konflikten zwischen Behörden und Bürgern. Bislang ist die Inventarisierung als Kernaufgabe bei der Pflege und Verwaltung des Bestands in der Strassenausstattung zeitaufwendig und fehleranfällig. Mitarbeitende der Strassenämter sind da und dort mit dem Klemmbrett unterwegs und übertragen anschliessend manuelle Notizen in die EDV der Gemeinde. Geht das auch anders oder sogar besser? Ein Projekt der GVZ hat zum Ziel, eine digitalisierte Inventarverwaltung zu etablieren, sodass die Strassenämter einerseits über die Menge, die Aufstellungsorte und die Qualität der Schilder jederzeit einen aktuellen Überblick haben und andererseits geeignetere Kontrollintervalle planen können.

Standardisierte Kennzeichnung
Mit der digitalen Umsetzung des Projekts wurde oneIDentity+ GmbH beauftragt, ein für diverse Branchen tätiges IT-Service-Unternehmen zur standardisierten Identifikation und Rückverfolgbarkeit von Bauteilen und Produkten jeglicher Art. Die vom Unternehmen entwickelte Lösung für kommunale Werkhöfe basiert auf einer standardisierten Kennzeichnung der Produkte durch einen eindeutigen, jederzeit über ein Mobilgerät scanbaren QR-Code. Dieser enthält eine eindeutige Artikelnummer nach dem weltweit gültigen GS1 System. Die Ortsangaben und das Verfallsdatum der Objekte werden im KIV-Cloud System abgespeichert. Bei neuen Verkehrsschildern wird das Label mit dem serialisierten QR-Code bereits während der Produktion durch den Hersteller aufgebracht; so wird der QR- Code mit den Schilderdaten verknüpft. Ältere Schilder im Bestand einer Gemeinde können mit einem QRCode als Aufkleber auf der Rückseite ausgestattet werden, was ermöglicht, die Daten nachträglich zu erfassen. Dr. Daniel Dünnebacke, Geschäftsführer von oneIDentity+ GmbH, sieht in der digitalen kommunalen Inventarverwaltung (KIV) Vorteile für alle involvierten Akteure: «Digital inventarisierte Schilder haben verschiedene Vorteile. Durch den direkten Zugriff auf die definierte Nutzungsdauer kann die Verwaltung die Fristen besser einhalten und rechtzeitig Prüfungen anordnen oder Ersatzschilder nachbestellen. Darüber hinaus kann auf einfachstem Weg eine Kommunikation zwischen Bürgern und den Verwaltungsstellen etabliert werden. Schadensfälle an Strassentafeln können via Scan des QR-Codes dem Bauamt gemeldet werden und im Notfall finden Rettungsdienste den Ort des Geschehens schneller.» In einem lokal begrenzten Versuchsvorhaben in einer Kleinstadt des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen konnte die tadellose Funktionsweise der digitalen kommunalen Inventarverwaltung (KIV) bereits aufgezeigt werden.

Vorstufe zum digitalen Zwilling
Die Digitalisierung und Inventarisierung der Verkehrssignale sind ein Thema, das auch schweizerische Tiefbauämter beschäftigt. Denn auch in der Schweiz basiert bislang die Verwaltung der Verkehrssignale primär auf der optischen Prüfung. Doch es scheint an der Zeit, diese Praxis zu überprüfen. Die Abteilung Tiefbau des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) des Kantons Aargau hat den Auftrag erhalten, einen Signalisationskataster für die Kantonsstrassen zu schaffen. Nicht nur die eigentlichen Blechtafeln sollen darin erfasst, sondern auch die zugehörigen amtlichen Verfügungen sowie die Details zur Montagevorrichtung daraus abrufbar werden. Dazu sagt Daniel Schwerzmann, Unterabteilungsleiter Verkehrsmanagement beim BVU: «Es ist angedacht, Bestellprozesse auf dieses Inventar abzustützen. Ferner zeichnet sich ab, dass eine gesamtkantonale Lösung zweckmässig ist, da auch Signale auf Gemeindestrassen in einem Kataster erfasst werden müssen.» Ein solches Inventar sei – so Schwerzmanns Blick in die Zukunft – ein Baustein eines künftigen «digitalen Zwillings der Kantonsstrassen- Infrastruktur». Gemäss Dr. Daniel Dünnebacke von oneIDentity+ zeigen sich zahlreiche mittelgrosse Kommunen in Deutschland an einer digitalen Inventarverwaltung interessiert: «Kommunale Verwaltungen sparen Geld, wenn sie mithilfe digitaler Instrumente mehr wissen über den qualitativen Zustand ihres vielfältigen urbanen Mobiliars.»

Manuel Fischer

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