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«Manchmal verstand ich nur Bahnhof»

Marco Suppa ist als Gruppenleiter des Patientenbegleitdienstes am Universitätsspital Zürich dafür verantwortlich, dass die Patienten zur richtigen Zeit an den richtigen Ort transportiert werden. Das dazu nötige logistische Wissen erwarb er sich im Lehrgang von GS1 Switzerland zum Logistikfachmann.

Sie sind die guten Seelen im Universitätsspital Zürich: Die Mitarbeitenden des Patientenbegleitdienstes. Im 24-Stunden-Betrieb verlegen sie Patienten in ihren Betten von einem Stockwerk auf ein anderes, schieben sie im Rollstuhl zu Untersuchungen oder sind darum besorgt, dass auf allen Stationen genügend Leerbetten zur Verfügung stehen. Bei 800 Transporten pro Tag legen die 32 Männer und Frauen so durchschnittlich 20 Kilometer zurück.

Besondere Ware
Als Gruppenleiter des Patientenbegleitdienstes ist Marco Suppa dafür zuständig, dass die Logistik für diesen Service reibungslos läuft. Dabei hat er es mit einer besonderen «Ware» zu tun – mit Menschen: «Das ist eine grosse Herausforderung. Die Disposition verläuft zwar gleich wie in der Warenlogistik. Doch der Umgang mit den Patienten erfordert natürlich besonderes Feingefühl», erklärt Suppa. Der 30-Jährige weiss genau, wovon er spricht, denn er war selbst mehrere Jahre Mitarbeiter beim Patientenbegleitdienst.

Ursprünglich absolvierte der Zürcher eine vierjährige Autospengler-Lehre. Die Ausbildung zog er zwar erfolgreich durch, aber ihm war klar, dass er sich nach dem Abschluss anders orientieren würde. «Über meinen Vater, der auch am Unispital arbeitete, kam ich 2011 zum Patientenbegleitdienst, wo ich während fünf Jahren im Schichtdienst Patienten transportierte.»

Eine umfassende Weiterbildung Der gebürtige Stadtzürcher mit italienischen Wurzeln entdeckte bei dieser Arbeit sein Faible für die Logistik: «Ich koordiniere, plane und organisiere gerne und gut.» Dieses Talent blieb seinem Arbeitgeber nicht verborgen, weshalb man ihm 2016 einen Stellenwechsel als stellvertretender Gruppenleiter in der Versorgungslogistik anbot. «Dieser Bereich lag mir jedoch nicht. Mir fehlte der menschliche, lebendige Aspekt. Ich empfand die Abläufe bei der Logistik mit Waren als schematisch, während beim Patientenbegleitdienst auch unvorhergesehene Situationen wie etwa Notfälle auftreten», erklärt Suppa.

Als er nach neun Monaten die Möglichkeit hatte, als Teamleiter der Disponenten zurück in den Patientenbegleitdienst zu wechseln, ergriff er deshalb diese Chance. «Das war auch der Zeitpunkt, an dem meine Vorgesetzten mir empfahlen, die Weiterbildung zum Logistikfachmann zu absolvieren.» Suppa entschloss sich, den Lehrgang in Angriff zu nehmen: «Dieser Schritt war folgerichtig, denn ich hatte bis dahin kein logistisches Fachwissen. Ausserdem enthält die Ausbildung auch Elemente des Projektmanagements und der Personalführung. Damit bot sich mir ein Weg, mich umfassend weiterzubilden.»

Hilfreiche Betriebsbesichtigungen
Die Weiterbildung zum Logistikfachmann bei GS1 Switzerland, die Suppa 2017 begann, übertraf seine Erwartungen bei weitem: «Zuvor dachte ich, Logistik bedeute, Waren von A nach B zu transportieren. Während der Ausbildung realisierte ich jedoch, dass logistische Grundsätze in nahezu allen Abläufen eines Betriebs eine Rolle spielen.» Positiv, aber auch als anspruchsvoll in Erinnerung hat Suppa vor allem das Lehrgangsmodul zu Projektmanagement, Qualitätsprüfung und Mitarbeiterführung. «Ich erlebte den Unterricht auf sehr hohem Niveau und erhielt wertvolle Inputs, etwa wie ich auf Mitarbeitende und Arbeitskollegen zugehen kann.»

Aus fachlicher Sicht war Suppa mit seinem speziellen Aufgabengebiet ein Exot in seiner Lehrgangsklasse: «Im Patientenbegleitdienst sind vor allem Kenntnisse der Distributionslogistik gefragt. Wenn es aber etwa um Beschaffungs- oder Lagerlogistik ging, verstand ich nur Bahnhof», erinnert er sich lachend. Eine grosse Hilfe seien ihm deshalb die Betriebsbesichtigungen gewesen, die den Bezug zwischen Theorie und Praxis herstellten, und der Austausch in der Lerngruppe. «Wir erstellten Zusammenfassungen der Lerninhalte und lösten gemeinsam Fallstudien. » Vor den Prüfungen nahm Suppa zwei Wochen Ferien, um intensiv zu lernen. «Das ist meine Art des Lernens. Während des Semesters war ich eher nachlässig.»

Das Ziel erreicht
Im Herbst 2018 schloss Suppa die Weiterbildung erfolgreich ab. Beruflich brachte sie ihn jedoch schon während des Lehrgangs weiter: Seit Januar 2018 hat der Logistikfachmann die Funktion als Gruppenleiter des Patientenbegleitdienstes inne. Damit ging Suppas Plan auf: «Diese Position war mein Ziel, das ich mithilfe der Weiterbildung erreichen wollte.» Das Wissen, das er sich aneignete, wendet er auch heute noch im Berufsalltag und für spezielle Projekte an. So führte er das «Patientenarmband- Scanning» ein, das es ihm ermöglicht, Art und Zeitpunkt der Transporte nachzuverfolgen. «Ausserdem arbeite ich derzeit gemeinsam mit der ICT-Abteilung an einer Sendungsverfolgung der Warenlogistik im gesamten Spital.»

Suppa hat sich mit der Weiterbildung zum Logistikfachmann ein gutes Fundament für seine weitere berufliche Laufbahn erarbeitet – und ist bereit für weitere Fortbildungen. «Ich habe den Flow genutzt und nach dem Lehrgang erfolgreich ein CAS in Projektmanagement absolviert.»

Julia Konstantinidis  

Zur Person
Marco Suppa ist 1989 in Zürich geboren. Er absolvierte eine vierjährige Lehre zum Autospengler. Anschliessend begann er im Universitätsspital Zürich im Patientenbegleitdienst zu arbeiten. 2016 wechselte er intern als stellvertretender Gruppenleiter in die Versorgungslogistik, kehrte jedoch nach neun Monaten wieder zurück und übernahm die Funktion als Teamleiter der Disponenten. Von 2017 bis 2018 absolvierte er bei GS1 Switzerland den Lehrgang zum Logistikfachmann. Seit Anfang 2018 hat er die Funktion als Gruppenleiter Patientenbegleitdienst inne. Suppa lebt mit seiner langjährigen Partnerin in Zürich. In seiner Freizeit engagiert er sich als Fussballtrainer beim FC Unterstrass.

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