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Zukunft des Gesundheitswesens

68 Milliarden Franken kostet das Gesundheitswesen. Laut der bundesrätlichen Reformagenda «Gesundheit2020» können die heutigen Leistungen ohne Qualitätseinbussen rund 20 Prozent günstiger erbracht werden. Auch die Studie und die Umsetzungsempfehlungen «Spital der Zukunft» von GS1 Schweiz zeigen Massnahmen zur Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung.

Ein Drittel der Gesundheitsausgaben fällt in Spitälern an. Zu den Hauptaufgaben eines Spitals zählt die ärztliche und pflegerische Hilfeleistung bei Krankheiten, Leiden oder körperlichen Schäden. Zahlreiche Abläufe, Strukturen sowie verschiedenste Bereiche und Funktionsabteilungen, wie Orthopädie, Unfallchirurgie, Dermatologie, Verwaltung, Apotheke, Labor, Wäscherei, Küche usw., stehen rund um die Uhr im Dienst der Patienten.

Logistikprozesse im Fokus
Um die optimale Patientenversorgung zu gewährleisten, stellt die Krankenhauslogistik sämtliche benötigten Ressourcen sicher. Egal ob Personal, Operationssäle, Betten, Medikamente, Lieferanten oder Dienstleister: die Aufgaben sind vielfältig und unerlässlich. Ein Thema mit viel Potenzial und hohen Einsparungsmöglichkeiten, aber geringer Dynamik. Die Studie «Spital der Zukunft» hat die Logistikprozesse in Spitälern unter die Lupe genommen.
Was wann und wo abgegeben, verbraucht oder angeschafft wird, bleibt oft verborgen. Neben effizienten Abläufen und optimaler Logistik tragen die medizinischen Leistungen des gesamten Personals entscheidend zur Qualität im Krankenhaus bei. Im Oktober 2012 gelangte das internationale Beratungsunternehmen McKinsey in seiner Studie «Strength in unity: The promise of global standards in healthcare» zum Schluss, dass Standards fürs Gesundheitswesen in dieser von einem enormen Strukturwandel geprägten Branche entscheidende Vorteile liefern. Standards unterstützen viele digitale Prozesse im Supply Chain Management, erhöhen die Patientensicherheit und die Patienten-Compliance.
Die Erkenntnis ist klar: Es braucht eine internationale Strategie auf allen Stufen der Wertschöpfung. Dadurch kann es den Regulatoren gelingen, eine gemeinsame Vision und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. «Die grösste Schwäche des Gesundheitssystems liegt darin, dass man sich zu sehr auf die Preise anstatt auf die Prozesse fokussiert», so Nicolas Florin, CEO von GS1 Schweiz und Initiator der Studie «Spital der Zukunft». Vor diesem Hintergrund haben economiesuisse und GS1 Schweiz mit der Studie «Spital der Zukunft» die Wertschöpfungskette untersucht mit dem Ziel, Prozessqualität und Patientensicherheit zu erhöhen. Als Projektpartner wurde die Forschungsgruppe Gesundheitsinformatik des Institute for ICT Based Management der Berner Fachhochschule Technik und Informatik ausgewählt.

IXPRA zeigt Informationsbrüche
«Mit dem Projekt wollen wir einen konkreten Beitrag zur Verbesserung der Leistungs- und Wertschöpfungskette im Gesundheitswesen leisten», erklärt Valentin Wepfer, Mitinitiator der Studie. «Die ganzheitliche Betrachtung ist der Schlüssel.» Um die Ursachen der heutigen Situation zu verstehen, wurde im Rahmen der Studie in einem ersten Schritt der Medikationsprozess aus Patientensicht inklusive technischer und personeller Schnittstellen festgehalten.
Das Projektteam hat eigens dafür das Prozessanalyse-Werkzeug IXPRA entwickelt. IXPRA steht für «Interface Crossculture Process Analysis Tool». Die zu untersuchenden Prozesse werden in einer Matrix dargestellt, die es erlaubt, jeden Teilschritt und die damit verbundene und erbrachte Anwendung sowie die involvierten Parteien abzubilden. Egal ob es sich dabei um das Bereitstellen der Medikamente, die Kontrolle, die Abgabe oder die Medikamentendokumentation handelt – jeder einzelne Arbeitsschritt wird im IXPRA erfasst. Das Prozessanalyse-Werkzeug ermöglicht, es, einzelne Spitalprozesse im Kontext ihrer technischen, personellen und kulturellen Schnittstellen zu identifizieren.

Von Bruchstellen zu Schnittstellen
Die eigentliche Innovation an IXPRA ist die Interaktionsschicht. Hier werden zu jedem Prozessschritt die verwendeten Dokumentationssysteme und involvierten Personengruppen beschrieben und nach klinischer und administrativer Sichtweise dargestellt. So werden jeder Arbeitsschritt, alle beteiligten Softwaresysteme und die einzelnen Berufsgruppen detailliert erfasst. Der damit gewonnene Überblick über alle Teilarbeitsschritte mit der beteiligten Informatik und den Mitarbeitenden wird auf technische und kulturelle Brüche hin analysiert. Identifizierte Bruchstellen werden mit den beteiligten Berufsgruppen und mit Personen aus der Informatik besprochen.
Im Ergebnis lassen sich die Interaktionen aufzeigen, und nicht vorhandene Schnittstellen technischer oder kultureller Natur werden aufgedeckt. Die Synthese und die Interpretation der Ergebnisse zeigen auf, dass sich bestimmte Schwerpunkte bilden lassen, welche die häufigen Unterbrüche oder das fehlende Funktionieren der Supply Chain im Spital bedingen. Bruchstellen werden zu Schnittstellen, indem beispielsweise der Barcode auf der Medikamentenpackung beim Verlassen des Lagers gescannt wird. So kann der physische Weg der Packung nachverfolgt werden. Daraus entsteht – so die Studie «Spital der Zukunft» – ein durchgängiger Informationsfluss, was letztlich auch die Patientensicherheit erhöht.
Erste Testläufe im Spitalzentrum Biel waren erfolgreich und haben gezeigt, dass das Werkzeug über alle Berufsgruppen hinweg gut verstanden wird und eingesetzt werden kann. In den kommenden Wochen wird IXPRA weiter getestet und verbessert, um das Werkzeug für die Vermarktung fit zu machen.

Joachim Heldt

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