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Tolle Themenvielfalt

Die Themen an der 2. GS1 Systemtagung Healthcare vom 14. September 2016 in Bern sind zahlreich. Eines ist aber sicher: Es braucht Standards im Gesundheitswesen, weil die dort eingesetzten IT-Systeme komplex und heterogen sind. Die Vernetzung der verschiedenen Anwendungen und lange Release-Zyklen bedingen eine vorausschauende und gründliche Vorbereitung. Auch die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen wie das elektronische Patientendossier (EPDG), oder aus internationaler Sicht die Unique Device Identification (UDI) und die Falsified Medicines Directive erfordern ein zeitnahes Handeln.

Bedingt durch den Kostendruck und der Forderung nach mehr Patientensicherheit erhalten globale Standards auch vermehrt Einzug in das Gesundheitswesen. Egal ob effizientes Tracking und Tracing, Fälschungssicherheit oder Stammdatenaustausch – die GS1 Standards stellen die notwendigen Bausteine zur Verfügung und sorgen für eine transparente Versorgungskette vom Hersteller bis zum Patienten. Am 14.9. führt GS1 Schweiz deshalb die 2. Systemtagung Healthcare in Bern durch. – Wir befragten dazu Nicolas Florin, CEO von GS1 Schweiz.

GS1 ist international in vielen Branchen mit Barcodes vertreten und hat wesentlich zur Standardisierung der Warenkennzeichnung wie auch zur Optimierung von Warenfluss und Logistik beigetragen. Wie sieht das im Gesundheitswesen aus?
Nicolas Florin: Die GS1 Standards kommen in allen Branchen zum Einsatz, deren Produkte bis zum Endverbraucher gelangen. Wenn richtig eingesetzt, das heisst unternehmensübergreifend, dient der Barcode nicht nur als Beschleuniger an der Kasse, sondern auch als Garant für zeitgerechten Nachschub und mehr Sicherheit bei der Rückverfolgbarkeit. Bei Letzterem liegt denn auch das grosse Potenzial im Gesundheitswesen. Dass die GS1 Standards bei der Optimierung des Waren-, Geld- und Informationsflusses eine wichtige Rolle spielt, ist bei den Akteuren im Gesundheitswesen angekommen. An vielen Orten befindet man sich in der Umsetzung. Ich kenne z.B. nicht mehr viele Apotheken, die Produkte, die sie verkaufen, nicht scannen. Wo wir noch einen sehr grossen Handlungsbedarf sehen, ist z.B. in Spitälern oder Arztpraxen. Hier fehlt oftmals eine geeignete Infrastruktur bzw. es sind IT-Systeme im Einsatz, die moderne Prozesse nicht unterstützen.

Wie bedeutungsvoll sind die oben erwähnten Vorteile im Gesundheitswesen?
N.F.: Sie sind gross und wirken nachhaltig. Das Bewusstsein ist wie gesagt bei den Akteuren da, jetzt geht es ums Umsetzen, was bekanntlich etwas Zeit braucht. Damit absolvieren die Akteure aber lediglich das „Pflichtprogramm“. Die „Kür“ geht wesentlich weiter und dient ultimativ vor allem der Verbesserung der Patientensicherheit. Da geht es um eine intelligente Vernetzung der Informationen und die bedarfsgerechte Bereitstellung derselben. Hier spielen die GS1 Standards eine essentielle Rolle. Ich gebe Ihnen ein paar Schlagworte, bei denen GS1 Standards besonders wichtig sind und kurz vor der Einführung stehen:

  • FMD, Falcifide Medecine Directive im Umfeld der pharmazeutischen Produkten (Bekämpfung von Medikamentenfälschungen)
  • UDI, Unique Device Identification im Umfeld der Medizinprodukten (eindeutige Identifikation)
  • Bedside Scanning, Verknüpfung aller relevanten Informationen vor der Verabreichung oder Verwendung von Gesundheitsprodukten beim Patienten
  • Elektronisches Patientendossier


Wo steht unser Schweizer Gesundheitswesen im internationalen Vergleich?
N.F.: Zwar ist unser Gesundheitswesen teuer, aber vermutlich in seiner Gesamtbetrachtung eines der besten der Welt. Damit es das Beste bleibt, aber dank mehr Effizienz und Effektivität günstiger wird, müssen alle Akteure gemeinsam diverse Massnahmen treffen. In der Schweiz haben wir mit der Stiftung Refdata eine, aus meiner Sicht, weltweit einzigartige Organisation, die sämtliche Partner im Gesundheitswesen an einem Tisch versammelt. Vertreten sind sowohl die Hersteller, die Leistungserbringer wie auch die Leistungszahler.

Dank Refdata gibt es in der Schweiz ein vollumfassendes Register aller im Gesundheitswesen tätigen Personen und Organisationen. Dieses Register liefert grundlegende Bausteine für die vollständige Automatisierung von Prozessen, wie zum Beispiel die Rechnungstellung der Leistungserbringer an die Leistungszahler. Gleiches gilt für das vollständige Register der in der Schweiz erhältlichen pharmazeutischen Produkte. Über das Ganze gesehen, braucht das Gesundheitswesen in der Schweiz keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Im Einzelnen, wie z.B. beim Bedside Scanning, gibt es im Ausland gewiss bessere Beispiele.

Wie sieht der Beitrag von GS1 aus, den die noch bestehenden Lücken zu schliessen?
N.F.: Eine wichtige Rolle von GS1 besteht darin, Organisationen wie Refdata zu unterstützen, weil dadurch alle Partner im Gesundheitswesen angesprochen werden können und Projekte die gemeinsam angegangen werden müssen, dort auch wirkungsvoll umgesetzt werden können. Eine weitere wichtige Rolle, die GS1 in der Schweiz wahrnimmt, ist die Information und Aufklärung der Partner über die weltweiten Entwicklungen in diesem Bereich, die entweder über den Gesetzgeber (FMD, UDI) oder Initiativen der Wirtschaft (Bedside Scanning, Harmonisierung der Beschaffungsprozessen) getrieben werden. In all diesen Themen beraten wir auch ganz konkret Unternehmen und Organisationen.

Dann gibt es noch das Projekt „Spital der Zukunft Live“, das mit über 20 Wirtschaftspartnern, ehealthSuisse und IHE als Patronatspartner sowie dem Institute for Medical Informatics der Berner Fachhochschule als wissenschaftlichen Partner, Anfang dieses Jahres lanciert wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden vielversprechende Teilprojekte initiiert mit dem Ziel, den Waren- und vor allem den Informationsfluss im Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern. Das Gesundheitswesen in der Schweiz fängt langsam an, oftmals unbewusst, die Früchte zu ernten, die GS1 Schweiz vor über 20 Jahren gesät hat.

Die Fragen stellte Hans Balmer

GS1 Systemtagung Healthcare: www.gs1.ch/sth

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