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Zusammenarbeiten, Kräfte sparen und Mehrnutzen erzielen

Im Gesundheitswesen besteht ein klares Ziel, mehr Effektivität und Effizienz in der täglichen Arbeit zu erreichen. Die Chancen dazu stehen aufgrund der neuen digitalen Optionen günstiger denn je. So geht es heute darum, einheitliche und international anerkannte Standards im Rahmen des Supply Chain Managements optimal zu nutzen. Die GS1 Systemtagung Healthcare vom 14. September in Bern bietet dazu jede Menge aktuelle Informationen.

„clinicum“ stellte einem Umsetzungs-Experten Fragen. Roland Weibel, Senior Consultant GS1 System Healthcare, beschreibt, weshalb ein koordiniertes Vorgehen und Kooperationen unter den Health-Stakeholdern entscheidend sind.

Wie wichtig sind gute Stammdaten und ein reibungsloser Stammdatenaustausch bei der Optimierung von Warenfluss und Logistik? - Stichwort Rückverfolgbarkeit: Weshalb ist das von so grosser Bedeutung?
Roland Weibel: Auch im Gesundheitswesen bestätigt sich die alte Weisheit, dass korrekte Stammdaten die Basis eines jeden Prozesses sind. Die Umstellung auf elektronische Geschäftsprozesse wie z.B. GS1 EDI, sind nur basierend auf korrekten Stammdaten umsetzbar. Solange Lieferant und Leistungserbringer nicht über die gleichen Stammdaten verfügen, sind Optimierungen in der Logistik, dem Informations- und Warenfluss nur marginal möglich. Als Beispiel seien hier nur die Mengeneinheiten genannt.

Für Gesundheitsprodukte besteht die regulatorische Pflicht, dass ein Hersteller jederzeit in der Lage sein muss, Produkte zurückzurufen. Nur, solange Hersteller und Leistungserbringer, wie z.B. die Spitäler, unterschiedliche Stammdaten haben, ist ein Rückruf für alle involvierten Parteien mit einem kostspieligen Aufwand und einen unsicheren Ausgang verbunden. Stammdaten tragen auch einen wichtigen Teil zur Patienten- und Therapiesicherheit bei.

Bei der Industrie findet zurzeit ein Umdenken statt. Es ist mittlerweile erkannt, dass korrekte Stammdaten im Zeitalter der Digitalisierung, ein absolutes Muss ist. Zu dieser Erkenntnis haben nicht zuletzt die regulatorische Anforderungen (z.B. Unique Device Identifier, Falsifide Medicine Directive) sondern auch die steigenden Anforderungen der Marktpartner (standardisierte GS1 Geschäftsprozesse, elektronisches Patientendossier, DRG) geführt. Dadurch wird die Priorisierung des Stammdatenmanagements plötzlich anders gewichtet und rückt in den Fokus des Managements.

eProcurement und Supply Chain Management: Wo stehen die Schweizer Spitäler?
R.W.: Einzelne Marktteilnehmer haben bereits Lösungen umgesetzt und einen grossen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Trotzdem ist hier noch Verbesserungspotential vorhanden. Was mich immer wieder anspornt, ist die grosse Aufbruchsstimmung, welche von den Marktteilnehmern ausgestrahlt wird. Es herrscht grosse Einigkeit in der gemeinsamen Zielvorstellung und der Wille zur Umsetzung ist vorhanden. Die grosse Herausforderung besteht darin, dass diesem Punkt genügend auch die nötige Aufmerksamkeit seitens des Spitalmanagements gewidmet und Verbindlichkeiten zur Umsetzung geschaffen werden.

Eine Schlüsselrolle obliegt den Softwareanbietern, welche bedingt durch Unkenntnis oder langen Release-Zyklen, nicht von heute auf morgen die Systeme mit neuen Funktionalitäten erweitern können.

Wo steht das Schweizer Gesundheitswesen bezüglich Stammdatenqualität und Rückverfolgbarkeit?
R.W.: Jeder Hersteller und jedes Spital nimmt zwar für sich selbst seine Verantwortung wahr, betreibt aber über das Ganze gesehen einen riesigen, unwirtschaftlichen Aufwand. Sicher hat innerhalb der letzten Jahre ein grosses Umdenken stattgefunden und alle Marktpartner bemühen sich am gleichen Strang zu ziehen, wenn es um die Verbesserungen der Stammdatenqualität geht. Bevor aber das Ziel erreicht werden kann, müssen alle Gesundheitsprodukte eindeutig identifiziert sein und mit maschinenlesbaren Barcodesymbolen auf der Packung versehen sein. Der Barcodes ist die Brücke zu den Stammdaten bzw. zur digitalen Welt. Anschliessend müssen die Stammdaten, entsprechend dem neuen Verständnis, angepasst und aktualisiert werden. Im Markt gibt es nur einen Partner, welcher korrekte und vollständige Stammdaten liefern kann – der Hersteller. Als letzten Schritt nehmen die Marktteilnehmer eine Schnittstelle zu GDSN zertifizierten Datenpools in Betrieb, welche einen uneingeschränkten Austausch von Stammdaten ermöglichen.

Wo stehen die Arbeiten der Arbeitsgruppe BiG – Beschaffung im Gesundheitswese? Gibt es Highlights? Wie sehen die nächsten Schritte aus?
R.W.: An der GS1 Systemtagung Healthcare vom 14. September in Bern wird die Fachgruppe BiG einen kompletten Satz an standardisierten Geschäftsnachrichten für den elektronischen Stammdatenaustausch und den automatisierten Geschäftsverkehr veröffentlicht. Desweitern präsentieren wir auch die „Anwendungsempfehlung Supply Chain-Prozesse im Schweizer Gesundheitswesen“. Dieses Dokument richtet sich gleichermassen an die Industrie wie auch an die Leistungserbringer, insbesondere die Spitäler. Es wird Schritt für Schritt erklärt, was gemacht werden muss, damit die Prozesse effizienter, effektiver und sicherer gestaltet werden können.

Ebenfalls zu diesem Termin, wird das Video „GS1-Standards im Gesundheitswesen“ erstmals öffentlich gezeigt. In diesem Video begleiten wir (die in „clinicum“-Artikeln über die Berner Fachhochschule Biel schon vorgestellte berühmte virtuelle) Frau Brönimann für eine Hüftoperation von Ihrem Zuhause ins Spital und wieder zurück. Dabei wird die Rolle des GS1-Systems im Gesundheitswesen auf eine einfache aber ganzheitliche Art und Weise dargestellt.

Die Devise heisst Umsetzung, Umsetzung, Umsetzung! – Das Bewusstsein ist da, die Instrumente sind da und wir sind da um zu unterstützen. Unsere Hauptrolle ist es jetzt die im Rahmen von BIG erarbeiteten Empfehlungen bei den Partnern umzusetzen.

Die Fragen stellte Hans Balmer

GS1 Systemtagung Healthcare: www.gs1.ch/sth

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