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Die Käsetheke liegt nicht lange, aber weit zurück

Aline IoscaWenn es so etwas wie eine klassische Käsetheke-Karriere gibt, hat Aline Iosca sie gemacht. Die gelernte Detailhandelsangestellte befasst sich heute mit Logistiklösungen für die namhaften Kunden der Lagerhäuser Aarau AG.

(sp) Irgendwann wird Aline Iosca (30) sagen, sie sei eine Powerfrau. Das ist mitunter der einzige überflüssige Satz in der überaus ansprechenden, temporeichen Begegnung. Dass sie heute als Projektleiterin und Assistentin Leiter Logistik der Lagerhäuser Aarau AG vielschichtige Anliegen der Kunden zu einer Lösung führt, die den Kunden eine massgeschneiderte Logistik und den Lagerhäusern Aarau AG Umsatz bringt, ist das Verdienst einer jugendlichen Bauchlandung.

Damals reiste sie lieber quer durch Europa, pfiff auf die Schule und bekam, als die Zeit der Bewerbungen für eine Lehrstelle gekommen war, lauter Absagen. «Die beinahe hundert Absagen öffneten mir die Augen.» An einer Käsetheke in einer Coop-Verkaufsstelle trat sie schliesslich eine Ausbildung im Detailhandel an. Aline Iosca zog die Lehre aus der Lehre und schloss als beste Detailhandelsangestellte ab. Bei Coop entdeckte sie zwei Jahre spä- ter ihre Freude an der Logistik: Die damals 21-Jährige prägte den Aufbau des Coop-Online-Supermarktes coop@ home, leitete logistische Projekte und später die Logistik Westschweiz sowie das Logistikcenter Spreitenbach. Diese Stationen sind von Belang für ihr heutiges, verantwortungsreiches Aktionsfeld. «Mein Wesen wurde geprägt von coop@home. Am meisten lernte ich bei zwischenmenschlich schwierigen Situationen, sei es mit Vorgesetzten, Mitarbeitern oder Kollegen», sagt sie unverblümt. Sie habe realisiert, was Fehlverhalten in einem auslösen könne. Und sie schaue herausfordernde Aufgaben von mehreren Seiten an.

Logistik trifft Informatik
Aline Iosca entwirft Logistiklösungen für Kunden, die aus einem Dutzend verschiedener Branchen stammen. Der Überzeugung, dass in der Logistik viel Potenzial stecke, war sie schon immer. Die Ausbildung zur IT-Logistikleiterin schloss für sie jene Lücke, die sie in der Praxis bemängelt hatte. «Ein klassischer Logistiker hat wenig Affinität zur Informatik. Dafür kennt er den Prozess. Umgekehrt jongliert ein SAP-Programmierer mit Finessen eines Programms. Er versteht jedoch nicht immer, wie der Prozess des Logistikers funktioniert. Diese Nische dazwischen hat mich fasziniert», erklärt sie. Die Ausbildung sei sehr praxistauglich gewesen. «Mit vielen Themen des Lehrgangs wurde ich bereits in der Praxis konfrontiert. Es brachte mir viele Vorteile, die entsprechende Theorie zu lernen.» Zum einen das Vokabular, damit sie Gehör finde, wie sie bestimmt sagt. Zum andern profitiert sie nun von einem exzellenten Branchennetzwerk. «Die Zusammengehörigkeit unserer ehemaligen Schulklasse ist enorm. Seit dem Abschluss haben wir uns regelmässig wieder getroffen. Unter dem Jahr diskutieren wir Problemstellungen quer durch die Branchen», erzählt sie. Normalerweise halte eine Zweckgemeinschaft so lange, bis der gemeinsame Zweck wegfalle. Bei ihrer Klasse gehe es weiter. Sie sagt solche Sätze so leichtfüssig, wie sie über Logistikdienstleistungen sinniert. Der Druck der Kunden auf die Logistikdienstleister sei zwar gestiegen. Dennoch habe die Finanzkrise die Positionierung der Logistikbranche begünstigt. Die Logistik bietet noch sehr viel Potenzial und die Finanzkrise zwingt Unternehmen dazu, eben diese Wirkungsfähigkeit zu durchleuchten.

Quer denken und geradeheraus handeln
«Die Disziplin Logistik erhält einen wichtigeren Stand im Unternehmen. Man erkennt, welchen enormen Beitrag die Logistik zur Kundenzufriedenheit und finanziellen Sicherheit leistet oder eben leisten könnte.» Die Aufgabe des Logistikdienstleisters sei es, ein ideales Dienstleistungspaket für den Kunden zu schnüren und eine stabile Qualität zu garantieren. Der Kunde suche aufgrund des Kostendrucks den Benchmark. Er sei sich bewusst, dass jeder Wechsel zu einem anderen Dienstleister mit Qualitätseinbussen verbunden sein könne; allein schon, bis dessen Mitarbeitende, die Prozesse und die Systeme eingespielt sind. Für Aline Iosca ist klar: «Welches Unternehmen kann es sich in der von der Finanzkrise geprägten Zeit leisten, etwas zu verkaufen, das dann zu spät, defekt oder gar nicht ausgeliefert wird? Keines. Gerade deshalb ist die heutige Zeit in der Logistik so spannend. Aufgrund des Kostendrucks müssen neue Lösungen und schlankere Prozesse gefunden werden, die kostendeckend eine gute Qualität garantieren.» Neue Konzepte entwirft sie auf grossen Papierbogen – bevorzugt im Homeoffice. Diesen Rückzug mag die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin genauso wie den Kundenkontakt. «Ich rede gerne, höre aber auch aufmerksam zu.» Letzteres bei den Kunden oder wenn beispielsweise in einem der Lagerhäuser ein Basisproblem vorliegt. Die betroffenen Mitarbeitenden wüssten die Lösung eigentlich selber. Man müsse ihnen nur die richtigen Fragen stellen, meint sie. Auf der anderen Seite stehen Kunden, die ein unterschiedliches Verständnis für logistische Möglichkeiten mitbringen und mannigfache Anforderungen stellen. Es geht schnell um viel Geld. Daher entspricht der kreative Teil, jener, ein massgeschneidertes Angebot zu finden, sehr ihren Wesenszügen: zielstrebig und aktiv analysiert sie vielschichtige Dinge, macht sie fassbar, konkret und messbar. Auch darum gehe es in der Logistik. Dass sie eine Querdenkerin ist, besagt allein der Unwille – oder ist es das Temperament? –, mit dem sie Routinearbeiten erledigt. «Repetitive Arbeiten liegen mir gar nicht. Aber sie gehören zum Alltag. Ich versuche diese möglichst speditiv und spielerisch zu erledigen, damit ich mich den Herausforderungen widmen kann.» Auch zu Hause in ihrer Loft in Lenzburg verliert sie nicht unnötig Zeit für den Haushalt. Online einkaufen ist bei ihrer Biografie ohnehin ein Muss. Den Vorrat steuert sie mit dem Kanban-System: Das Post-it am letzten Duschgel wandert direkt auf den Einkaufszettel, der am Kühlschrank hängt. Entsorgt wird sporadisch, dafür alles auf einmal und in kürzester Zeit. «Ich mache wenig, aber was ich tue, mache ich extrem», bringt sie die Essenz auf den Punkt.

Susanne Perren

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