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«Logistik ist die wichtigste Dienstleistung am Kunden.»

Kreativität, Strategie und Logistik – ein Dreiklang, der beim ersten Hören nicht sofort harmonisch tönt. Dissonant ist er deshalb jedoch noch lange nicht. Logistikleiter und GS1 Dozent Daniel Priore beweist es.

Ein Händedruck, ein verschmitztes Grinsen. «Daniel Priore.» Pause. «Auch GS1 Schweiz.» Eine leicht irritierende Begrüssung zum Interview, denn Daniel Priore arbeitet gar nicht bei GS1 Schweiz. Und doch ist es nicht ganz falsch: Er steht heute dort, wo er immer hinwollte: vor der Klasse im Lehrgang «Logistikfachmann/-frau».

Globalisierung zum Anfassen
Seit 2008 unterrichtet Daniel Priore bei GS1 Schweiz das Fach Beschaffungslogistik. Von Beschaffungsorganisation und -portfolio über Lieferantenmanagement und -strategien bis hin zu E-Markets und E-Plattformen: In den vier Kurstagen macht er die Teilnehmer fit für Beschaffungslogistik. Wobei «fit» durchaus wörtlich zu verstehen ist. Der Kursleiter nennt seinen Kurs «polysportiv». «Ich möchte die Teilnehmer einbeziehen und sie dazu animieren, ihr Wissen mit den anderen zu teilen. Im Gespräch ergeben sich oft spannende Ansatzpunkte, und ich bitte sie dann, eine Kurzpräsentation für den Kurs zu halten», meint Daniel Priore. «Ich will keinen Frontalunterricht. » Deshalb bleiben bei ihm auch Begriffe wie «Globalisierung» und «EMarket » keine leeren Worthülsen. Er macht sie greifbar. «Wir holen im Kurs beispielsweise Offerten in China ein. Die Teilnehmer sind dann immer begeistert, wenn sie merken, dass in China auch abends noch auf eine Offertenanfrage beziehungsweise auf einen Chat reagiert wird. Sie erleben E-Markets.»

Wie in einer Familie
Nicht nur in seiner Funktion als Logistikleiter bei der Tobler Haustechnik AG legt Daniel Priore Wert auf das Dienstleistungsdenken. Auch als Dozent versteht er sich als Dienstleister. «Den Schülern steht ein guter Unterricht zu. Sie opfern ihre Freizeit und müssen die Weiterbildung zum Teil selbst finanzieren. Sie haben ein Recht auf Dozenten, die ihnen den Stoff gut vermitteln und nicht nur ablesen.»
Auch nach rund sechs Jahren Tätigkeit als Dozent kann er nur Positives berichten. Besonders gefreut hat ihn einmal die Rückmeldung einer Teilnehmerin: «Sie hat im Feedbackformular geschrieben, dass es im Kurs wie in einer Familie sei. Das fand ich einfach nur … wow!» Daniel Priore strahlt. «Ich freue mich bei jedem Lehrgang darauf, neue Menschen kennenzulernen. Jede Klasse hat ihren eigenen Charakter, und es wird nie langweilig.» Er überlegt noch einmal kurz und fasst sich nachdenklich ans Kinn. «Nein, ich kann wirklich nichts Schlechtes berichten.»

 

«Ich habe die beste Weiterbildung, wenn ich unterrichte.»

Zu den Teilnehmern habe er einen guten Zugang. «Ich sage ihnen immer: Ich bin einer von euch. Ich weiss, was ihr durchmacht.» Das öffne ihm viele Türen. «Ich glaube, dass vielen ein Stein vom Herzen fällt: Endlich einer, der mich versteht und meine Sprache spricht.» Und er versteht sie wirklich.
Seit 2002 darf er sich selbst Logistikfachmann mit eidgenössischem Fachausweis nennen, seit 2004 auch Logistikleiter mit eidgenössischem Diplom. «Ich habe die zwei Lehrgänge von Anfang an als Gesamtpaket betrachtet und wollte möglichst wenig Zeit verlieren », meint Daniel Priore. Das habe sich gelohnt: «Hätte ich nur einen gemacht, würde mir jetzt etwas fehlen.» Beim Logistikfachmann sei mehr Fachwissen im Vordergrund gestanden, während der Fokus beim Logistikleiter eher auf Sozialkompetenz und Strategien lag. «Ich finde übrigens, dass der Logistikfachmann schwieriger ist als der Logistikleiter.»

Das Ziel vor Augen
Lehrgangsstart 2002. Administratives abwickeln, Unterlagen durchblättern, Räumlichkeiten erkunden … Während Daniel Priores Mitstreiter sich noch orientierten, wusste er bereits genau, warum er hier sass. Noch bevor der Lehrgang richtig angefangen hatte, fragte ihn Hans Bossard (damaliger Leiter des Geschäftsbereichs Bildung) in der ersten Pause nach seinen Zielen. «Ich habe ihm geantwortet: Da vorne als Dozent zu stehen.» Hans Bossard habe geschmunzelt und ihn darauf hingewiesen, dass er dafür ein paar Ausbildungen machen müsste. «Ja, die mache ich gerne, habe ich ihm geantwortet. »
Sieben Jahre später war es so weit. Er hatte sein Ziel emsig verfolgt, «mit allen Zwischenschritten, die nötig waren. » Einer davon war die Tätigkeit als Prüfungsexperte. Im Gegensatz zu den Dozenten bewerten diese die Prüfungsaufgaben und unterrichten nicht. Für Daniel Priore war es ein taktisch guter Zug auf seinem Weg zum Dozenten. «Ich habe viel darüber gelernt, wie man mit den Kandidaten umgeht. Das Ziel war immer, zu sehen, wie viel sie wissen, und nicht, wie viel sie nicht wissen.» Heute steht er jedenfalls lieber auf der Dozenten- als auf der Teilnehmerseite. «Ich habe die beste Weiterbildung, wenn ich unterrichte. Ich kann so meine eigene Weiterbildung fortführen.»
In jeder Klasse sei ein gewaltiges Wissen vorhanden. «Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Branchen und bringen unterschiedliche Erfahrungen mit.» Davon profitiere auch er als Dozent. «Mich interessieren ganz besonders Abläufe, Strukturen, Problematiken und Lösungsansätze. Ich frage gerne bei den Teilnehmern nach, wie sie bestimmte Dinge bei sich im Betrieb machen.» So habe er für seine Stelle bei der Tobler Haustechnik AG bereits viele Ideen sammeln und Anpassungen auf Anwenderebene vornehmen können.

In der Logistik angekommen
Bei der Tobler Haustechnik AG leitet Daniel Priore den Bereich Logistik und Supply Chain und entwickelt Projekte. Drei Wörter prägen dabei seine Arbeit: Dienstleistung, Sozialkompetenz und Sicherheit. «Logistik ist die wichtigste Dienstleistung am Kunden. Mir ist sehr wichtig, dass alle Mitarbeitenden verstehen, dass sie Dienstleister sind.» Sozialkompetenz sei wichtig, um die Mitarbeitenden abholen und eine gute Arbeitskultur pflegen zu können. «Jeder Mitarbeiter hat ganz andere Erwartungen, zum Beispiel in Bezug auf Arbeitszeiten und Führungsstil.» Der Logistikleiter sieht seine Rolle vor allem darin, die Mitarbeiter dazu zu animieren, neue Vorschläge einzubringen und sich für neue Ideen zu öffnen. «Ich gebe nicht alle Entscheidungen vor. Ich verlange, dass mein Team selbst Entscheidungen trifft.» Sicherheit ist das dritte grosse Anliegen von Daniel Priore. «Ich lege sehr viel Wert auf Arbeitssicherheit. Mein Ziel ist es, Unfälle zu vermeiden.»
In die Logistik sei er «über die Zeit reingewachsen». Als er seine Stelle als Einkaufsleiter von Mars angetreten habe, sei er in der Logistik angekommen. Zuvor war er im Verkauf tätig. 2008 wechselte er dann zur Tobler Haustechnik AG, wo er zunächst als Inventory Manager und Leiter der Beschaffungslogistik arbeitete, bevor er letztes Jahr die Leitung des Bereichs Logistik und Supply Chain übernahm. In der Zukunft möchte Daniel Priore weiterhin auf den Pfaden der Logistik wandeln. «Die Herausforderung liegt für mich darin, zu sehen, was man noch bewegen kann.» Faszinierend findet er, dass man in der Logistik die Gelegenheit habe, sich beweisen zu können. «Man hat die Chance, zu zeigen, ob man fähig ist oder nicht.»

«Ich mag das Out-of-the-box-Denken.»

Strategischer Ideenreichtum
Auch in seiner Freizeit befasst sich Daniel Priore mit strategischen Fragestellungen. So spielte er jahrelang Schach im Verein. «Das Spannende ist, dass man immer zwei Schritte voraus sein muss.» Polysportiv ist er also nicht nur bei GS1 Schweiz. In der Zwischenzeit hat er zwar die Sportart gewechselt, doch ganz ohne Strategie kommt er auch hier nicht aus: Er trainiert eine Junioren-Mannschaft beim FC Sins. «Es gibt viele Parallelen zu meinem Job. Sowohl im Fussball als auch bei Tobler muss ich eine Mannschaft führen und Sozialkompetenz beweisen. Bei Tobler Haustechnik ist die Mannschaft einfach zehnmal grösser.»
Und die strategischen Brettspiele scheinen ihm besonders zu liegen. 2010 erreichte er mit seiner «Migrospoly»-Idee den ersten Platz beim Migipedia-Wettbewerb. «Ich habe mit Migipedia sonst eigentlich nichts zu tun. Aber ich habe von dem Wettbewerb erfahren und meiner Fantasie freien Lauf gelassen.» Die Idee dafür kam ihm im Keller. «Ich habe das Monopoly gesehen und hatte die Idee mit der Migros-Version. Dann habe ich das Konzept entwickelt.» Nicht nur beim «Migrospoly» zeigt er Erfindergeist. «Ich mag das Out-of-thebox- Denken und arbeite gerne an kreativen Projekten.»
Kreativität und Strategie gehören eben doch zusammen.

Katharina Birk

 

Über die Tobler Haustechnik AG
Die Tobler Haustechnik AG gehört zur schweizweit tätigen Tobler-Gruppe. Der Grosshändler für Haustechnik berät und beliefert Installateure, unterstützt Planer und Architekten und steht auch privaten Bauherren zur Verfügung. Die Tobler- Gruppe hat 800 Mitarbeitende und führt über 60 000 Produkte, davon 20 000 lagerhaltig. 2012/13 erzielte sie einen Umsatz von 370 Millionen Franken. Neben einem lückenlosen Sortiment für den täglichen Installationsbedarf bietet sie diverse Produkte im Bereich Heizung, Lüftung und Sanitär an. Das 35 000 Quadratmeter Lagerfläche umfassende Logistikzentrum ist in Däniken.

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