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«In der Logistik sagt man eben, was man denkt.»

Angela Klüe, LogistikleiterinWer sich morgens ein ofenfrisches Gipfeli an der Tankstelle holt, ahnt nicht, dass Angela Klüe hier ihre Finger im Spiel haben könnte. Die Logistikleiterin sorgt dafür, dass die Backwaren der Hiestand Schweiz AG pünktlich ihr Ziel erreichen. Ihr Interesse an der Logistik hat sie bereits früh entdeckt.

Mitreissend. Einnehmend. Geradezu ansteckend. Angela Klüe betritt den Raum. Sonnig, unbeschwert, herzlich. In Sekundenbruchteilen flutet sie das Sitzungszimmer der Hiestand Schweiz AG mit guter Laune. Ob sie knapp eine Woche vorher bei der Diplomfeier das Berner Casino ebenso schnell mit Fröhlichkeit erfüllt hat? Grund dazu hätte sie: Sie hat die eidgenössische Prüfung zur Logistikleiterin als Beste abgeschlossen.

Erst mal Luft holen
Trotz aller Begeisterung freut sich Angela Klüe jetzt erst einmal auf ein bisschen Ruhe. «Wir sind alle froh, dass wir fertig sind.» Allein für ihre Diplomarbeit habe sie rund 200 Stunden aufgewendet. Schreibzeit: zwei Monate. «Die Prüfungskommission hat mein Thema ‹Palettenmanagement› zwar Ende Dezember akzeptiert, aber da ich im Januar sehr auf Arbeit beschäftigt war, blieben nur noch Februar und März. Meine Kollegen haben mich kaum mehr gesehen.»
In der Klasse hat sich die einzige Frau übrigens sehr wohlgefühlt, obwohl sie erst ein Semester später einstieg: Sie war vom Modul SSC (Swiss Supply Chain) dispensiert. «Die anderen kannten sich schon sehr gut. Sie haben mich aber mit offenen Armen empfangen.»

Jeden Tag was Neues
Den ersten Kontakt mit der Branche hatte Angela Klüe in den Schulferien, als sie bei einer Unternehmensberatung arbeitete. «Es war spannend. Jeden Tag galt es neue Herausforderungen zu bewältigen.» Nach der Schule zog es sie dann zur Schenker Deutschland AG, wo sie den praktischen Teil ihres dualen Studiums absolvierte. «Es war eine sehr gute Zeit», meint sie. «Aber die Spedition ist absolut keine Frauendomäne», fügt sie lachend hinzu. Ihre Weggefährtin strich nach drei Wochen die Segel: zu stark der Wind, der ihr in der hemdsärmeligen Branche entgegenblies. «Manche Sprüche sind unter der Gürtellinie. Da muss man ein dickes Fell haben.» Angela Klüe hat sich an den rauen Umgangston gewöhnt. «Auf der anderen Seite ist es eine ehrliche Kommunikation. Da wird gesagt, was man denkt.»

«Transport ist sehr abstrakt.»


Es kommt immer anders …
2009 nahm Angela Klües Leben eine Wendung: Schenker «transportierte» sie in die Schweiz. Ein Kollege der Schenker Schweiz AG wollte die Fachkraft unbedingt in sein Team holen. Für den «Import» musste er jedoch fast ein Jahr lang Überzeugungsarbeit leisten. «Ein Auslandsaufenthalt hat mich schon interessiert. Allerdings habe ich eher an englischsprachige Länder gedacht. Die Schweiz hatte ich nicht auf der Rechnung.» Erst als er Angela Klüe eine attraktive Stelle im Key Account Management anbot, konnte er sie für sich gewinnen. «Für den gleichen Job wäre ich nicht umgezogen.»
Der Umzug brachte nicht nur neue Aufgaben, sondern auch andere Arbeitsweisen. «Hier pflegt man eine andere Gesprächs- und Meetingkultur», meint sie. «Böse gesagt: In Deutschland hat der Recht, der am lautesten schreit. Das ist hier anders.» Sie lacht wieder. «Besonders in den ersten Monaten ist mir aufgefallen, wie unhöflich die Deutschen sind, ohne das überhaupt so zu empfinden.» Mittlerweile hat sie viele Kollegen gefunden, auch wenn sie es zunächst nicht leicht hatte, Kontakte zu knüpfen. «Der Anfang war schwer», sagt sie ganz ohne Bitterkeit. «Aber wenn man sich anpasst und integriert, hat man keine Probleme», meint sie. Dabei betont sie ganz unbewusst auf der ersten Silbe, die typisch alemannische Satzmelodie ist nicht zu überhören.
In der Zwischenzeit hat sie ihre Zelte fest verankert. «Mein Partner ist Schweizer, und wir haben uns vor Kurzem eine Wohnung gekauft. Ich werde in absehbarer Zeit nicht nach Deutschland zurückgehen.»

Jeder hilft jedem
Mittlerweile hat Angela Klüe ihre zweite Stelle in der Schweiz angetreten. Zur TK-Center Birrfeld AG kam sie noch während der Weiterbildung. «Das war vielleicht nicht so intelligent, den Job zu wechseln, wenn man ohnehin schon sehr beschäftigt ist», sagt sie scherzhaft. «Aber es war die richtige Entscheidung, und mein neuer Arbeitgeber hat mich bei der Weiterbildung sehr unterstützt.»
Angela Klüe hat gut lachen: Sie hat das eidgenössische Diplom als Logistikleiterin in der Tasche und viel Freude an ihrem Job.An der TK-Center Birrfeld AG schätzt sie die Unternehmenskultur – und das Geschäftsfeld. «Die Produkte sind greifbar. Die Backwaren kann man riechen, anfassen und schmecken.» Das merkt sie auch an den Reaktionen auf ihre Tätigkeit. «Mein Umfeld reagiert ganz anders als früher. Transport war eben sehr abstrakt.»
Als stellvertretende Leiterin Warenwirtschaft leitet sie ein dreiköpfiges Team. Es ist ihre erste Stelle mit Führungsverantwortung. «Ich hatte erst Bedenken, ob ich bei den Frauen akzeptiert würde. Damals war ich die Jüngste.» Ihre Zweifel wurden schnell ausgeräumt. «Wir arbeiten hier Hand in Hand.» Das hat sie in besonderem Masse gespürt, als sie ihre Diplomarbeit schrieb. «Das Team hat mir den Rücken freigehalten.» Dementsprechend fällt ihre Bilanz positiv aus. «Es macht mir sehr viel Spass.» Allerdings musste sie sich bereits einer unangenehmen Herausforderung der Personalführung stellen: der Kündigung. Angela Klües Miene wird für einen Moment ernst. «Der Job hat einfach nicht zu der Person gepasst.» Der Fall hat sie nicht kaltgelassen. Sie spricht mit fester Stimme. «Ich habe Gespräche geführt und versucht, die Person aufzubauen.» Für sie sei schlimm gewesen, an ihre Grenzen zu stossen. «Ich hatte immer die Vorstellung, dass man als gute Führungskraft die Mitarbeiter dazu bringen muss, ihren Job gut zu machen und dabei auch Spass zu haben.» In dem Fall hat es nicht gereicht. «Das war eine harte Erkenntnis.»

Den Kopf freibekommen
Probleme wie diese haben sie bisher auch daheim beschäftigt. Seit zwei Monaten jedoch sorgt ihr Goldschopf dafür, dass Angela Klüe zuhause keine Zeit mehr zum Grübeln hat. «Wenn man den Kopf frei hat, ist man wieder aufnahmebereiter.» Golden Retriever Bella hat jedenfalls sicher Freude daran, ihr Frauchen auf andere Gedanken zu bringen.
Momentan ist Angela Klüe ohnehin ausgelastet. Sie bereitet ihren Umzug vor. Die Kisten seien zwar noch nicht gepackt, aber sie habe so weit alles aufgegleist. «Die Logistik steht.» Und wieder lacht sie. Im Gegensatz zu vielen anderen löst das Wort «Zügeln» bei der Logistikleiterin keine Panikattacken aus. «Mir macht so was Spass. Ich organisiere gerne.» Es sei aber alles ziemlich straff getaktet. «Das wird ein Just-in-time-Umzug.» Sie kichert. «Hoffentlich klappt alles.» Das theoretische Rüstzeug für ein erfolgreiches Just-in-time besitzt sie jedenfalls. Ebenso die nötige Portion Humor und gute Laune, falls doch etwas schiefgehen sollte.

Katharina Birk
 

TK-Center Birrfeld AG
Die TK-Center Birrfeld AG ist ein Lager- und Transportlogistikdienstleister für tiefgekühlte Lebensmittel. Fach- und sachgerechte Transport-, Lager-, Lagerhandling- und Distributionslogistik bis hin zur Entwicklung von komplexen Supply-Chain-Lösungen für Tiefkühlwaren sind die Standardleistungen. Die TK-Center Birrfeld AG ist 100-prozentige Tochter der Hiestand Schweiz AG.




 

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