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«Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt.»

Er landete per Zufall in der Logistik und merkte schnell, dass hier sein berufliches Zuhause ist. Domenico Busceti hat sich bei GS1 Schweiz zum Logistikfachmann und Logistikleiter weitergebildet und leitet heute bei der Interregionalen Blutspende SRK den Bereich Logistik und Transporte.

«Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich falsch entschieden habe», kommentiert Domenico Busceti seine Berufswahl. Denn gelernt hat er Elektromonteur. Obwohl er früh eingesehen hat, dass ihm dieses Metier nicht liegt, machte er die Lehre zu Ende. Im Anschluss stieg er über eine temporäre Stelle in die Logistik ein. Zunächst arbeitete er bei Coop in der Kommissionierung. Rasch erkannte er, wie viele Möglichkeiten die Logistik bietet. Auch für ihn: Aus seiner temporären Anstellung wurden fünf Jahre. Zuletzt war er bei Coop als Schichtleiter Kommissionierung tätig.

«Was mich fasziniert, ist das ganze Zusammenspiel, das nötig ist, damit die Regale in der Filiale immer voll sind.» Domenico Busceti war im richtigen Beruf angekommen und entschloss sich, eine Weiterbildung zum Logistikfachmann in Angriff zu nehmen. «Die Praxis hatte ich, aber mir fehlte das Hintergrundwissen. »

Die Logistik von Grund auf aufbauen
Bald lernte er weitere Facetten der Logistik kennen. Nach Coop arbeitete Domenico Busceti für einen Produktionsbetrieb, wo er als stellvertretender Logistikleiter «viele Erfahrungen sammeln » konnte. Dort betrat er ein ihm bisher unbekanntes Gebiet: den Export. «Ich hatte dort die gesamte Logistikkette im Überblick.» Die Stelle erweiterte sein Logistikwissen. «Natürlich hatte die Produktionslogistik ganz andere Schwerpunkte als die Handelslogistik.»

2012 machte er den nächsten Schritt zum Logistikleiter. Und zwar in zweifacher Hinsicht: in der Weiterbildung und auf der Arbeit. Bei seinem neuen Arbeitgeber war er dafür verantwortlich, die gesamte Logistik aufzubauen. «Das war die berühmte grüne Wiese. Ich konnte das Team selbst zusammenstellen und die Prozesse definieren. » Die Tage seien lang gewesen, aber angesichts der Arbeit seien sie wie im Flug vergangen. «Es war eine tolle Zeit. Man hat nicht oft die Chance, die Logistik eines Betriebs von Anfang an aufzubauen.»

Dranbleiben und profitieren
Gleichzeitig bildete sich Domenico Busceti bei GS1 Schweiz zum Logistikleiter weiter. Die Idee zur Weiterbildung hatte er schon länger; umgesetzt hat er sie dann während dieser Zeit. «Dafür braucht es zwei Parteien: den Arbeitgeber, der das unterstützt, und die Familie, die einem daheim den Rücken stärkt.» Beides war damals der Fall. Wie auch schon die Weiterbildung zum Logistikfachmann absolvierte er den Lehrgang zum Logistikleiter bei GS1 Schweiz. Dort schätzt er die Dozenten. «Das sind Experten, die Fragen so beantworten, dass man die Antwort versteht.» Besonders viel hält er auch von der Lerngruppe. «Wir kamen aus verschiedenen Bereichen. Das war sehr wertvoll für alle.» Die unterschiedlichen Hintergründe ermöglichen neue Sichtweisen. «Logistiker sind Querdenker. Sie müssen durch den ganzen Betrieb hindurch- und über alle Prozesse hinwegsehen.»
Die Lerngruppe sei ausserdem für die Motivation gut gewesen. Denn die Doppelbelastung von Beruf und Schule war anstrengend. «Seien wir ehrlich: gewisse Hobbys bleiben auf der Strecke.» Domenico Buscetis Durchhaltestrategie bestand darin, sein klares Ziel, das Diplom, das neue Wege eröffnen würde, nie aus den Augen zu verlieren. «Zwei Jahre sind absehbar. Aber man muss am Ball bleiben und darf nie nachlassen.» Zu Beginn hatte er 22 Mitstreiter, am Ende nur noch sieben. «Jemand aus meiner Lerngruppe hat kurz vor Schluss aufgegeben. Das finde ich sehr schade. Aber Durchhaltevermögen ist eben schon nötig.» Auch zwei Jahre nach dem Abschluss bleibt er der Weiterbildung verbunden. Die Schulungsunterlagen nutze er für seine Arbeit. «Gewisse Konzepte bleiben gleich, da wird das Rad nicht jedes Mal neu erfunden.» Den Kontakt zur Lerngruppe pflege er weiterhin. «Der Austausch ist sehr fruchtbar.»

Die Logistik leistet ihren Beitrag
Heute ist Domenico Busceti für das Schweizerische Rote Kreuz, genauer gesagt für die Interregionale Blutspende, als Leiter Logistik und Transporte tätig. «Der Job hat es mir angetan.» Er lächelt. «Es geht um etwas Sinnvolles: Blut rettet Leben.» Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, die Belieferung der Blutspendezentren mit Materialien wie Blutbeutel oder Blutentnahmeröhrchen zu organisieren. Er muss ausserdem den Transport vom Blutspendezentrum zurück ins Labor und von dort in die Spitäler in die Wege leiten. Denn das Blut, das den Spendern in den Zentren oder bei den mobilen Blutspendeaktionen entnommen wird, geht nicht direkt ins Spital, sondern wird zuerst verarbeitet, im Labor getestet und freigegeben. Aus dem Vollblut werden das Erythrozyten-Konzentrat, das Thrombozyten-Konzentrat und das Blutplasma gewonnen. Die Herausforderung: sehr strenge Auflagen. «Das Spenderblut muss innerhalb von 24 Stunden verarbeitet werden. Dann gilt es die Transport- und Lagertemperaturen einzuhalten und alles sauber zu rapportieren.» Von der Spende bis zur Abgabe an die Spitäler ist alles minutiös zu dokumentieren. Die Daten müssen dann 30 Jahre lang aufbewahrt werden.

Neben diesen Vorgaben betreffend Temperatur und Dokumentation muss Domenico Busceti bei der Planung saisonale Schwankungen berücksichtigen. «In den Sommermonaten ist weniger los.» Manche Spender sorgen sich bei Hitze um ihren Kreislauf, andere sind auf Reisen. «Je nach Destination sind die Spender eine Zeit lang gesperrt. » Das Ziel sei es, die Vorräte vor den Ferien aufzustocken. Auch vor der Winterzeit sollten die Lagerbestände gesichert werden: Spender, die an Grippe erkranken, werden ebenfalls eine Zeit gesperrt. Für den Transport setzt die Interregionale Blutspende SRK sowohl auf eigene Fahrer als auch auf externe Dienstleister. «Die Belieferung der Zentren und das Abholen des Blutes übernehmen unsere Chauffeure. Für die Belieferung der Spitäler setzen wir auch auf Kuriere und Taxis, da es manchmal sehr schnell gehen muss.» Ob Chauffeur oder Kurier: Sie haben eine grosse Verantwortung für die Ware, die sie transportieren.

Zusammen rudern
Als Domenico Busceti bei der Interregionalen Blutspende anfing, fand er keine grüne Wiese vor. Von der Weiterbildung zum Logistikleiter profitiert er dennoch: Die nächsten Monate bringen strukturelle Änderungen. Nachdem im letzten Jahr der Kanton Waadt zum Einzugsgebiet hinzukam, wird es 2017 um das Wallis erweitert. Für Domenico Busceti ist das eine neue kulturelle und logistische Herausforderung. «Zu Beginn hat es sprachlich schon geharzt, aber mittlerweile klappt das.» Die Mentalität sei durchaus anders. Er schmunzelt. «Es ist kein Klischee, wenn ich sage: In Lausanne sehen die Kollegen nicht alles ganz so streng wie wir in Bern.»
Die Erweiterung des Einzugsgebiets bringt auch logistische Änderungen. Derzeit arbeitet Domenico Busceti in Projekten zur Prozessharmonisierung und legt dabei Wert auf einen kollaborativen Ansatz: «Es ist mir wichtig, alle ins Boot zu holen. Ich möchte Prozesse nicht vorschreiben, sondern zusammen mit den Anwendern schreiben.» Das habe zwei Vorteile: Die Akzeptanz des neuen Prozesses sei höher und die Anwender können ihr Fachwissen und ihre Sicht der Dinge einbringen. Es ist genau diese Arbeit mit verschiedenen Charakteren und deren verschiedenen Interessen, die ihm an der Logistik gefällt. «Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt.» Er ist überzeugt: «Ohne den Menschen würde in der Logistik nicht viel gehen. Man kann noch so viel automatisieren: den Menschen braucht es immer.» Umgekehrt gebe es nichts, was weniger Spass macht, sagt er. Und überlegt kurz. «Nun ja, das Budget erstellen ist etwas mühsamer. Das liegt nicht daran, dass ich Zahlen nicht mag. Aber es ist abhängig von vielen Faktoren. So wird es schwer, eine Aussage zu treffen, hinter der ich wirklich stehen kann.»

Was die Zukunft der Logistik betrifft, ist er optimistisch. «Die Logistik wird sicher nie wegfallen. Im Gegenteil: Ihre Bedeutung nimmt immer mehr zu.» Langweilig werde es dort niemandem, der Vielfalt sei Dank. Er sieht seine Zukunft deshalb in der Logistik. Er lächelt. «Logistik erfüllt mich.»

Katharina Balande

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