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Nachhaltige Logistiklösung

EinlagerungsvorbereitungDen ersten dm-drogerie markt eröffnete der Firmengründer Götz W. Werner 1973 in Karlsruhe. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 36 224 Mitarbeitende und führt 2403 Filialen in Deutschland und in weiteren europäischen Ländern.


(mc)Der Drogeriemarktfilialist dm-drogerie markt hat in Weilerswist bei Köln eine der modernsten Logistikanlagen Europas in Betrieb genommen: Das neue Kombi-Verteilzentrum löst zwei bestehende Verteilzentren für Kartonware und Kleinteile ab und versorgt die dm-Märkte effizient und zuverlässig mit Ware auf Mischpaletten.

 

Mit der 50 000 Quadratmeter grossen Anlage, die von Swisslog geplant und realisiert wurde, setzt dm nicht nur im technischen Bereich neue Massstäbe, sondern auch in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Die neue Anlage sollte die Funktionen der beiden bestehenden Verteilzentren für Kartonware in Weilerswist und für Kleinteile in Meckenheim übernehmen und als zweites Zentrallager neben dem dm-Logistikzentrum in Waghäusel bei Karlsruhe fungieren. Durch die Zusammenlegung der Standorte und den Ausbau der Kapazitäten wollte dm die logistischen Voraussetzungen für die weitere Expansion des Filialnetzes schaffen. Insgesamt inves-tierte das Unternehmen dafür 140 Millionen Euro und tätigte damit die grösste Einzelinvestition der Firmengeschichte.

Erfahrung und Branchen-Know-how
Mit der Planung und Umsetzung des Grossprojekts wurde die weltweit tätige Swisslog beauftragt. Die Leistungen des Generalunternehmers beim Neubau umfassten neben der Planung und schlüsselfertigen Ausführung der Logistikanlage auch die gesamte Anlagenautomation, die Bereitstellung der Materialfluss-Software und die Anlagenvisualisierung. «Wir haben mit Swisslog einen kompetenten und leistungsstarken Partner, der die Anforderungen des Einzelhandels genau kennt und langjährige Erfahrungen bei der Konzeption und Implementierung komplexer Logistiklösungen mitbringt », betont Christian Bodi, der als dm-Geschäftsführer für die Logistik verantwortlich ist. «Natürlich spielte für unsere Entscheidung auch die sehr gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Vergangenheit eine wichtige Rolle.» Von 2003 bis 2004 hatte Swisslog für dm bereits das vollständig automatisierte Verteilzentrum im badischen Waghäusel realisiert. Einige der damals entwickelten und in der Praxis bewährten Lösungsansätze konnten nun auch für die neue Anlage genutzt werden.

Das Kombi-Verteilzentrum gliedert sich in zwei unterschiedliche Funktionsbereiche: ein Verteilzentrum für Kartonware und ein Verteilzentrum für Kleinteile (KTVZ), zu dem eine Einlagervorbereitung und ein Hochregallager gehören. Das 33 Meter hohe Hochregallager (HRL) hält den Bestand des Kleinteilebereichs und verfügt über 14 000 Palettenplätze, die von sieben Regalbediengeräten (RBG) bewirtschaftet werden. Sobald der Minimalbestand eines Artikels im Kommissionierbereich des KTVZ unterschritten wird, lagert das System die entsprechende Palette aus dem HRL aus und transportiert sie zunächst in den Bereich der Einlagervorbereitung (ELAV).

Täglich bis zu eine Million Auftragszeilen
Die ELAV besteht aus neun Vereinzelungslinien, die sich durch den Automatisierungsgrad unterscheiden. Am Beginn jeder Linie werden die Kartons manuell oder automatisch durch Industrieroboter von der Palette genommen. Die Depalettierroboter arbeiten dabei ohne Stammdaten und sind in der Lage, Zwischenlagen automatisch zu erkennen. Im zweiten Schritt werden die Deckel der Kartons von einem Schneideautomaten oder von Hand durch einen Mitarbeiter abgeschnitten. Je nach Grösse und Artikeltyp werden dann einer oder mehrere geöffnete Kartons auf ein Kunststoff-Tray gestellt oder in einen Behälter gelegt. Dieser Prozess erfolgt entweder manuell oder aber automatisch mithilfe von Trayloadern, die die Kartons vermessen und so selbstständig das richtige Belademuster ermitteln. Für sehr kleine Artikel aus dem Bereich Kosmetik, wie zum Beispiel Lippenstifte, gibt es einen eigenen Bereich in der Einlagervorbereitung: Hier werden die Artikel manuell vereinzelt und in spezielle flache Behälter gelegt, die über einen Staubschutz verfügen.

Die Trays oder Behälter gelangen über Förderstrecken in den Kommissionierbereich des KTVZ. Dort werden sie in der über 100 000 Stellplätze umfassenden Reserve zwischengelagert und dann in leer gewordene Picklokationen nachgeschoben. Im KTVZ erfolgt die Kommissionierung nach dem bekannten Prinzip «Zone zu Zone». Die Kommissionierbehälter werden dabei auf einem Fördersystem entlang der Artikellokationen gefahren und an entsprechenden Kommissionierbahnhöfen ausgeschleust. An insgesamt 222 Bahnhöfen bekommen die Mitarbeitenden über Pick-by-Light-Displays angezeigt, aus welchen Lokationen sie wie viele Artikel in den Kommissionierbehälter legen sollen. So wird der Auftragsbehälter automatisch durch die Gänge der Anlage geführt, bis er komplett befüllt ist. An Spitzentagen kann dm auf diese Weise im Kleinteile-bereich über eine Million Auftragszeilen kommissionieren.

Der volle Kommissionierbehälter wird daraufhin automatisch in ein unter den Kommissioniergängen befindliches Puffermodul gefördert und bleibt dort so lange, bis die 20 Behälter angekommen sind, die gemeinsam eine Palette bilden. Die Kommissionierbehälter werden dann aus dem Puffer ausgelagert, automatisch in vier Türme à fünf Behälter aufgestapelt und auf eine Europalette gesetzt. Anschliessend wird die Palette durch vier Bänder gesichert und auf eine Bereitstellbahn im Warenausgang befördert. Von dort werden die Paletten manuell mittels Elektrohubwagen in eine bereitstehende Wechselbrücke verladen.

Effiziente Kommissionierung
Der zweite grosse Funktionsbereich des Kombi-Verteilzentrums in Weilerswist, der Gebäudeteil für Kartonware, bietet Platz für 20 000 Paletten und ist mit 13 RBG ausgestattet. Ebenso wie im dm-Verteilzentrum in Waghäusel kommt im Kommissionierbereich des Kartonlagers das CaddyPick™-System von Swisslog zum Einsatz. Diese Lösung ist ein weiteres technisches Highlight der Anlage: Ein elektrisches Monorail- System mit einer Gesamtlängevon rund 5,5 Kilometern verbindet hier die rund 5000 Kommissionierplätze. Die Mitarbeitenden kommissionieren direkt auf die Versandpaletten, die schwebend von speziell konstruierten Hängebahnfahrzeugen transportiert werden. Das CaddyPick-System kombiniert Elemente von Mann-zu-Wareund Zone-zu-Zone-Verfahren und ermöglicht somit einen sehr effizienten Workflow mit hoher Pickgenauigkeit. Der Hängebahnwagen wird zunächst automatisch mit einer leeren Palette beladen, erhält dann von der Lagerverwaltungssoftware einen Kommissionierauftrag und fährt zur ersten Pickstation. Mit einem Lichtkegel zeigt das System an, von welcher Palette Waren aufgenommen werden sollen. Der Mitarbeiter kann die benötigte Mengenangabe am Display des «Caddys» ablesen und legt die Ware auf das Fahrzeug. Die Farbe des Lichtpunkts zeigt ihm dabei an, wie viele Einheiten er zu kommissionieren hat, ohne dass er dabei noch die Menge auf dem Bildschirm überprüfen muss.

Jeder CaddyPick verfügt zudem über zwei Transportfächer, in denen leere Paletten verstaut werden können. Sobald ein Mitarbeiter die letzte Einheit von einer Palette genommen hat, wird er über das Display aufgefordert, diePalette auf den Wagen zu laden. Auch Kartonage und Folien können in entsprechende Behälter am Wagen gepackt werden. Kommissionierung und Entsorgung lassen sich somit über denselben Weg abwickeln. Wenn der Hängebahnwagen komplett beladen ist, verlässt er die Kommissionierzone. An unterschiedlichen Stationen werden dann die Leerpaletten entnommen, Karton und Folie ausgestossen und die Versandpalette entladen. Das Fahrzeug wird schliesslich wieder mit einer leeren Versandpalette bestückt und kann einen neuen Transportauftrag übernehmen

Alle Systeme immer im Blick
Der Materialfluss im gesamten Logistikzentrum wird über den Swisslog AutomationManager ™ gesteuert. Das Materialflusssystem managt sämtliche Lager-, Transport- und Hilfsgeräte und bildet gleichzeitig die Schnittstelle zu den firmeneigenen Lagerhaus- und Zentralrechnersystemen von dm-drogerie markt. Zusätzlich implementierte Swisslog auch das Visualisierungssystem SPOC (Single Point of Control): Das Überwachungswerkzeug gibt den Mitarbeitenden von dm in Echtzeit einen grafischen Überblick über den aktuellen Zustandsämtlicher Förderanlagen und Regalbediengeräte. Die Visualisierung vereinfacht die Fehlersuche bei technischen Störungen erheblich und trägt damit zur hohen Verfügbarkeit der Gesamtanlage bei.

Nach dem Start des Kartonlagers im Herbst 2009 hat im Sommer 2010 auch das Verteilzentrum für Kleinteile plangemäss den Betrieb aufgenommen. Das Logistikzentrum Weilerswist liefert seitdem täglich rund 3000 Mischpaletten an die dm-Märkte aus. «Mit der neuen Anlage konnten wir unsere logistische Leistungsfähigkeit erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit durch effiziente und termingerechte Filialversorgung weiter steigern», unterstreicht Projektleiter Joachim Lück. «Die anfangs gesteckten Ziele wurden von Swisslog in vollem Umfang verwirklicht: Wir profitieren heute von schnellen und präzisen Kommissionierprozessen, niedrigeren Transportkosten und einer zukunftsfähigen technischen Basis, die weiteres Wachstum möglich macht.»

Nachhaltiges Energie- und Ressourcenmanagement
Das neue Logistikzentrum ist für dm nicht nur aus wirtschaftlicher und technischer Perspektive ein Erfolg, sondern auch unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes: Die ökologische Nachhaltigkeit, die in der Unternehmenskultur von dm fest verankert ist, wurde bei dem Projekt konsequent umgesetzt. So minimiert dm beispielsweise das Abfallaufkommen der Anlage und verarbeitet anfallendes Verpackungsmaterial sofort zu Kunststofftragtaschen weiter. Zudem spielen erneuerbare Energien eine zentrale Rolle: Die Gebäude des Logistikzentrums werden mit Holzhackschnitzeln beheizt, und auf dem Dach ist eine der grössten priva-ten Fotovoltaikanlagen Deutschlands montiert. Hohe Energieeinsparungen konnten durch besonders effiziente Motoren in der Fördertechnik, durch optimierte Ladungsträgerauslastung und die Bündelung von Transporten erzielt werden. Insgesamt hat dm ihren CO2-Ausstoss damit um mehr als 5000 Tonnen pro Jahr reduziert. Für die umweltbewusste Bauplanung wurde das Unternehmen im Jahr 2008 mit dem Hanse Globe für nachhaltige Logistik ausgezeichnet.

Monica Caruso, Swisslog AG

Logistikdaten

Allgemein
Auftragspositionen/Tag (max.) 1 100 000
Versandte Paletten pro Tag 4 500
Gebäudeteil Verteilzentrum (Kartonwaren)
Anzahl Palettenplätze 24 000
Anzahl Regalbedienplätze 13
Anzahl CaddyPick 215
Schienensystem CaddyPick in m 5 500
Anzahl Kommissionierplätze 5 000
Gebäudeteil Kleinteileverteilzentrum
Hochregallager
– Höhe in m 33
– Anzahl Palettenplätze 18 000
– Anzahl Regalbedienplätze 7
Einlagerungsvorbereitungshalle Kommissionierbereich
Zone-zu-Zone
– Anzahl Kommissionier-Bahnhöfe 222
– Anzahl Stellplätze 126 000
– Fördertechnik für Wertstoffe in m 2 000

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