gs1-neton-header-10.jpg

Gut gerüstet für die Zukunft der Logistik

Unter dem Eindruck der Coronavirus-Krise fand die Verleihung der Fachausweise und Diplome an die frischgebackenen Logistikfachmänner und -frauen, Logistikleiterinnen und -leiter sowie Supply Chain Manager unter erschwerten Bedingungen statt. Nichtsdestotrotz überwogen unter den Gästen der Diplomfeier von GS1 Switzerland die Freude und der Stolz auf das Erreichte.

Die erste der beiden Diplomfeiern 2020 für die Prüfungen Logistikfachmann/- frau mit eidgenössischem Fachausweis und eidgenössisch diplomierte/ r Logistikleiter/-in respektive Supply Chain Manager fand Ende Februar in einem Ausnahmezustand statt, den besonders die Logistikbranche zu spüren bekommt: Das Coronavirus legt die Warenproduktion und die Supply Chains rund um die Welt lahm.

«Vor sechs Jahren war ich beim Ausbruch des Ebolavirus in Liberia als Notfalllogistiker im Einsatz. Vieles an der aktuellen Situation erinnert mich an diese Zeit», erklärte Thomas Bögli bei der Begrüssung der Gäste. Doch der stilvolle Anlass im Hotel Schweizerhof war nicht in Gefahr, wie das Geschäftsleitungsmitglied von GS1 Switzerland froh berichtete: «Die Diplomfeier wurde von den kantonalen Behörden bewilligt.» So konnten sich die rund 200 Gäste zu den kraftvoll präsentierten Songs des Trios Take This getrost in festliche Stimmung versetzen lassen.

Getimte Nervosität
Als Gastrednerin blickte die Logistikfachfrau Dominique Sieber auf ihre Ausbildungszeit zurück und beschwor vor allem den guten Klassengeist, der sie auch in schwierigen Zeiten durch den Lehrgang getragen habe. Nebst Job und Familie sei das Lernen zuhause für sie eine besonders grosse Herausforderung gewesen. «Vor den eidgenössischen Prüfungen zog ich mich deshalb mit meinen Kollegen für eine Woche zum Lernen in eine Ferienwohnung ins Wallis zurück. Das war eine wertvolle Erfahrung.» Eine Überraschung – mit Happy End – gab es für Sieber ganz am Ende ihrer Ausbildungszeit. Sie erwartete das Couvert mit dem Prüfungsresultat an einem Montag, erhielt es jedoch bereits am Freitag davor. «Dabei war ich für den Montag nervös, nicht für den Freitag», erinnert sie sich schmunzelnd.

Beliebte Logistik
Die 163 Männer und Frauen, die in Bern ihren Fachausweis entgegennahmen, gehören zu den rund 15 000 Personen, die jährlich in der Schweiz in verschiedenen Berufsausbildungen ein solches Zertifikat erwerben. «Im Beliebtheitsranking steht die Logistik auf Rang sieben », verkündete Thomas Bögli stolz. Ob man jedoch der kaufmännischen Ausbildung den ersten Rang dereinst ablaufen kann, ist ungewiss.

Jörg Hodel vom Beratungsunternehmen Staufen Inova gewährte in seinem Gastreferat aber schon mal einen Einblick in die Zukunft des Supply Chain Managements. «Man wird wegkommen von der klassischen Logistik. In Zukunft gewinnt die kollaborative Logistik im Netzwerk an Bedeutung», so der Experte. Bei dieser neuen Form stünden nicht mehr einzelne Unternehmen miteinander im Wettbewerb, sondern ganze Netzwerke. Denn nur durch eine Verflechtung verschiedener Partner seien die immer komplexer werdenden Warenflüsse für ein Unternehmen konkurrenzfähig zu bewirtschaften. Hodel gratulierte allen Absolventinnen und Absolventen zu ihrer Entscheidung, sich in einer so zukunftsträchtigen Branche aus- und weitergebildet zu haben: «Es braucht Leader, um diese Netzwerke zu führen.»

Hohe Erfolgsquote
Das nötige Personal dafür war im Publikum vorhanden. So freute sich Stephan Mathys, Präsident der Prüfungskommission für die Logistikfachmänner und -frauen, bei der Übergabe der Fachausweise über eine Erfolgsquote von 73 Prozent oder insgesamt 163 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen. Bei den Logistikleiterinnen und -leitern, die ihre Diplome von Thomas Bögli entgegennehmen konnten, waren von 15 Kandidatinnen und Kandidaten sieben erfolgreich – das zeigt, wie anspruchsvoll diese Weiterbildung ist. George Burkhardt, Präsident der Prüfungskommission der Höheren Fachprüfung zum Supply Chain Manager, konnte 14 von 17 zur Prüfung angetretenen Männern ihr Diplom überreichen. Logistikfachmann Yannick Humbel, Logistikleiter Manuel Gerber und Supply Chain Manager Alfred Lozza erhielten zusätzlich zu ihren Zertifikaten eine Omega Speedmaster. Mit dieser Uhr wurden sie für ihre Bestleistung in iden jeweiligen Prüfungen ausgezeichnet.

Wertvoller Austausch
Neid kam bei ihren Kolleginnen und Kollegen nicht auf, denn an diesem Abend waren sie alle Gewinnerinnen und Gewinner. Darauf stiess man beim anschliessenden Apéro an und liess die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren: «Es war eine spannende, herausfordernde und auch nervenaufreibende Zeit», zog Michel Konrad Fazit. Um die Weiterbildung zum Supply Chain Manager erfolgreich zu absolvieren, habe es die Unterstützung seines Arbeitgebers und der Familie gebraucht. «Ausserdem war der Austausch mit den Kollegen sehr hilfreich.» Diesen schätzte auch Tobias Baggenstos in der Weiterbildung zum Logistikfachmann. Denn das Volumen an Lernstoff sei umfangreich gewesen, so der Fachmann, der als Erstausbildung eine Berufslehre als Logistiker absolviert hat. «Im Weiterbildungslehrgang kam sehr viel Neues dazu.» Trotz der Fülle an Lernstoff erkannte Baggenstos’ Lehrgangskollege Daniel Özdemir aber immer einen roten Faden. «GS1 Switzerland hat uns sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet», lobte er. Das Wissen nützte ihm nicht nur für die theoretische Weiterbildung: «Ich durfte an meinem Arbeitsort in einem Projekt mitarbeiten, bei dem ich das Gelernte in die Praxis umsetzen konnte.» Beide sind stolz auf das Erreichte, ihr Wissensdurst ist aber noch nicht gelöscht. Özdemir liebäugelt mit der Weiterbildung zum diplomierten Techniker Unternehmensprozesse mit Schwerpunkt Logistik. Und Baggenstos könnte sich vorstellen, auch noch die Weiterbildung zum Logistikleiter zu absolvieren. Dieses Diplom hat Yussef Salah bereits im Sack. «Ich konnte meine Kenntnisse der Logistik vertiefen und dadurch ein besseres Prozess- und Organisationsverständnis erlangen», resümiert er im Kreise seiner Kollegen. Der Austausch zwischen ihnen war für Ferhat Helvaci während des Lehrgangs besonders wichtig, denn: «Die Weiterbildung verlangte viel Selbstdisziplin.» Damit sprach er wohl allen erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen aus dem Herzen – sie liessen den feierlichen Abend umso entspannter ausklingen.

Julia Konstantinidis

Nach oben