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Bausteine für eHealth

In vielen Ländern steht das Gesundheitswesen unter Druck: steigende Nachfrage, wachsende Kosten, unterschiedliche Qualität und sinkendes Vertrauen. Die Zeichen deuten darauf hin, dass in einzelnen Ländern die Gesundheitssysteme in 15 Jahren kollabieren. Es ist höchste Zeit, Reformen einzuleiten und zu handeln.

(nf) Gesundheitsunternehmen und -organisationen suchen händeringend nach Lösungen, wie die Kosten im Gesundheitswesen unter Kontrolle gehalten werden und dabei gleichzeitig ein sicherer Zugang zur Gesundheitsversorgung gewährleistet wird.

Zudem sind auch die Behörden gefordert, denn die Arzneimittelfälschungen haben stark zugenommen. Laut EU-Statistik wurden im Jahr 2007 51 Prozent mehr Medikamente am Zoll sichergestellt als noch ein Jahr zuvor. Die Ansicht, dass die Gesundheitsversorgung nur eine nationale Angelegenheit sei, ist gefährlich und provinziell. Die Zeit, in der die verschiedenen Sektoren im Gesundheitswesen isoliert handelten, ist vorbei. Globale Lösungen gehen über Sektoren- und Landesgrenzen hinaus und bieten die Möglichkeit, innovative Geschäftsmodelle basierend auf globalen Standards zu entwickeln.

Im Fokus von GS1
Vor diesem Hintergrund hat GS1 global an der Generalversammlung im Jahr 2006 beschlossen, das GS1 System auch auf das Gesundheitswesen auszudehnen und die Akteure bei all den steigenden Anforderungen für globale Standards zu sensibilisieren. Trotz der komplexen Aufgaben, vor denen das Gesundheitswesen steht, konnte auf internationaler Ebene die Arbeitsgruppe GS1 Healthcare bereits bemerkenswerte Fortschritte erzielen, um die Standardisierung mit allen beteiligten Partnern voranzutreiben und umzusetzen.

GS1 Schweiz beteiligt sich in der internationalen Arbeitsgruppe, um den Einsatz der GS1 Standards weltweit voranzutreiben. Viele Länder haben die Bedeutung von globalen Standards erkannt und die GS1 Empfehlungen für die Branche aufgenommen und umgesetzt. Sie sind Lösungstreiber und zeigen die breite Palette der GS1 Standards auf. Siehe dazu auch den Artikel «GS1 auf der Überholspur» auf Seite 26.

Lösungen für die Branche
1984 konnte GS1 Schweiz zusammen mit dem damaligen Branchenverband erreichen, dass die Pharmaprodukte für den schweizerischen Markt mit einer Global Trade Item Number (GTIN) ausgezeichnet werden. Zehn Jahre später erkannte auch die Zulassungsbehörde für Betäubungsmittel die Vorteile einer eindeutigen Identifikation von Produkten und Partnern. Die Verwendung des GS1 Systems ist seither im Schweizer Betäubungsmittelgesetz verankert. Das Schweizer Modell dient auch als Vorlage für den heutigen Kontrollprozess der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Einen weiteren Anstoss, um die Prozesse im Gesundheitswesen zu optimieren, lieferte GS1 Schweiz mit dem Projekt SmartLOG. Dabei wurde der Fokus auf die Rückverfolgung von Medikamenten gelegt. Durch Serialisierung der Medikamentenverpackungen konnte die lückenlose Rückverfolgbarkeit von ausgewählten Arzneimitteln umgesetzt werden. Das Projekt ist abgeschlossen. Die Schweizer Erkenntnisse kommen dem Europäischen Verband der Pharmazeutischen Industrie (EFPIA) zugute. Dort wird an der Harmonisierung der unterschiedlichen Auszeichnung von pharmazeutischen Produkten gearbeitet. Dabei setzt der Verband auf das GS1 System. Das Projekt SmartLOG findet seine Fortsetzung in der neu gegründeten Arbeitsgruppe von GS1 Schweiz «Lieferprozesse im Gesundheitswesen». In diesem Teilprojekt werden die technischen und organisatorischen Grund lagen für eine firmen- und länder übergreifende Supply Chain im Gesundheitswesen geschaffen.

Kernelement der Strategie von GS1 Schweiz für das Gesundheitswesen ist, zusammen mit allen am Prozess beteiligten Partnern, das heisst Behörden, Herstellern, Logistikdienstleistern und Leistungserbringern, die im Rahmen von GS1 Healthcare verabschiedeten globalen Standards in der Schweiz zu implementieren. Mit dem Einsatz der GS1 Standards wird die Patienten sicherheit verbessert und die organisatorischen Grundlagen für die Optimierung der Wertschöpfungskette im Gesundheitswesen werden gelegt; dies dient gleichzeitig dazu, dem Kostendruck in der Branche standzuhalten.

Nicolas Florin

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