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Veränderungen in Sicht

Veränderungen in SichtDie Pharmaindustrie steht vor einem tief greifenden Wandel, betrachtet man die aktuellen und künftigen Erfordernisse an die Supply Chain. Diese Auffassung vertritt das Beratungsunternehmen J & M Management Consulting, welches im Rahmen einer Studie das SCM von mehr als 100 Pharmaunternehmen durchleuchtet hat.

(as) Gemäss dem «Pharmaceutical Industry Report: Status and Trends of Supply Chain Management within the Pharmaceutical Industry» werden in den kommenden zehn Jahren mehrere Rahmenbedingungen der Branche ändern, was grosse Auswirkungen auf das Supply Chain Management der Firmen haben wird.

So dürfte sich die Branche zunehmend von den hochvolumigen Blockbustern und der «One-size-fi ts-all»-Philosophie abwenden. Der Fortschritt der Biotechnologie erlaubt immer mehr die Entwicklung massgeschneiderter Medikamente für individuelle Therapieansätze. Dies zieht aber auch kleinere Losgrössen bei steigender Losanzahl mit sich. Dadurch gestalten sich künftig sowohl die Produktions- wie auch Verpackungsprozesse der Supply Chain komplexer.

Rasche Reaktionszeiten und viel Flexibilität erfordern zudem die steigende Zahl der Produktvarianten, Pandemien und die Gefahr von Bio-Terrorismus. Ausserdem müssen sich neue Locations problemlos in ein bestehendes SCM integrieren lassen. Bisher sind die Supply Chains noch stark von den zahlreichen Unternehmensübernahmen der letzten Jahre geprägt und damit unfl exibel organisiert.

Die Besten sparen bis zu 46 Prozent
Im Vergleich mit der Automobilbranche fällt auf, dass die Rüstzeiten der Pharmafirmen oft um den Faktor 10 höher liegen. Dennoch ist es einigen Unternehmen gelungen, etablierte Standardprozeduren zu übernehmen und sich damit vom Gros der Pharmafirmen abzusetzen.

Laut der Studie liegen die Logistik- und Herstellkosten – bezogen auf die Verkaufserlöse – bei den Besten der Branche um bis zu 46 Prozent niedriger als beim Durchschnitt. Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass die mittlere Durchlaufzeit in der Medikamentenproduktion acht Wochen beträgt und die meisten Produzenten dennoch zuverlässig innerhalb von 48 Stunden liefern können. Das schaffen die Unternehmen nur, indem sie hohe Lagerbestände vorhalten. Pharmaunternehmen haben laut den Experten nun gleich mehrere Ansatzpunkte, wenn sie ihre Supply Chain optimieren möchten. Strategisch betrachtet könnte man das SCM noch besser auf die Bedürfnisse verschiedener Märkte und Kunden hin ausrichten. Dazu sei es notwendig, eine exakte Segmentierung vorzunehmen. Auf welche Geschäftsmodelle, Anwendungen und Märkte will sich das Unternehmen künftig orientieren? Grob gesehen könnte man sich hier auf volumenstarke Produkte (Generika) oder Hightech-Produkte mit rasch wechselnden Zyklen ausrichten.

Potenzial bei internen Prozessen
Mit Blick auf interne Prozesse gibt es Potenzial nicht nur zwischen Bestellungseingang und Lieferung, sondern auch bei Nachfrage- und Produktionsplanung. Um hier an Flexibilität zu gewinnen, müssten Losgrössen und Zykluszeiten reduziert werden. Vor allem mit Lean-Management-Methoden könne man hier erfolgreich sein. Grundlegend erscheint auch die Einführung einer prozessorientierten SCM-Organisation als wünschenswert. Diese wird nicht automatisch zu Prozessverbesserungen führen, doch könnte darauf aufbauend die Wertschöpfungskette optimiert werden.

Weitere Punkte für Verbesserungen sind schliesslich das Supplier Management und Szenarien für Collaboration und Integration. Derzeit wird das Auftragsmanagement zwischen Herstellern und Zulieferern noch vorwiegend papierbasiert abgewickelt. Hier können moderne Lieferantenmanagementsysteme und die Einbindung der Zulieferer in eine durchgängige Prozessunterstützung erhebliche Kostenvorteile bieten. Die Liste möglicher ECR-Prozessmodelle reicht von Vendor-Managed Inventories und Collaborative Forecasting bis hin zu Planning and Replenishment.

Für die Mitte 2007 vorgelegte Studie hat J & M mehr als 100 Firmen, darunter auch Schweizer Exponenten, befragt. 31 Prozent gehören zum Kreis internationaler Pharmaproduzenten, 33 Prozent sind spezialisierte Pharmahersteller und 20 Prozent produzieren Generika. Weitere 10 Prozent liefern Medical Devices und 6 Prozent Verpackungskomponenten.

Alexander Saheb

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