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Es begann mit einer Vision

Es begann mit einer VisionTetra Pak hat das Aussehen der Palettenetiketten in allen Produktionsstätten weltweit harmonisiert. So können für alle Beteiligten erhebliche Einsparungen erzielt werden. Als Nächstes sollen RFID-Tags auf den Paletten eingeführt werden.

(mw) Der Firmengründer Dr. Ruben Rausing hatte 1943 eine Vision: Eine Verpackung sollte mehr sparen, als sie kostet. Rausing entwickelte eine völlig neuartige Beschichtung von Papier und Kunststoff und eine spezielle Technik zur Versiegelung unterhalb des Flüssigkeitsspiegels.

Verbundenheit mit der Schweiz
Die AB Tetra Pak wurde 1951 im schwedischen Lund gegründet. Der Marktführer für Getränkeverpackungen aus Karton setzte im Jahr 2005 geschätzte 12 Milliarden Franken um. Aktuellere Zahlen gibt es vom Unternehmen nicht. Der Konzernhauptsitz befindet sich seit 1980 in Pully in der Schweiz. Das Unternehmen ist bis heute im Privatbesitz der Familie Rausing. Tetra-Pak-Produkte werden täglich von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt verwendet. Es sind Einwegverpackungen für Milch, Fruchtsaft und andere Flüssignahrungsmittel. Tetra Pak beschäftigt mehr als 21 000 Menschen in über 165 Ländern. Zu den grössten Kunden des Unternehmens gehören Giganten wie Unilever, Coca-Cola und Nestlé.

Vor mehr als 50 Jahren gründete Rausing die erste Tetra-Pak-Auslandsfiliale in der Schweiz. Zusammen mit der damaligen Molkerei Ursina Konolfingen wurde das UHT-Verfahren entwickelt. Seither ist die Schweiz für Tetra Pak ein Pioniermarkt für die Getränkeverpackung geblieben.

Grosse Unterschiede
Seit Jahren werden in den jeweiligen Produktionsländern der Tetra Pak Gruppe unterschiedliche Palettenetiketten verwendet, um so auch die Rückverfolgbarkeit zu garantieren. Bisher bestand aber kein Bedarf, die Palettenkennzeichnung zu harmonisieren, da die Fabriken ihr Augenmerk hauptsächlich auf die lokalen Märkte richteten; Exporte von Tetra-Pak-Produkten aus den einzelnen Ländern waren selten.

Im Zuge der Globalisierung hat sich das Bild aber gewandelt. Viele Fabriken des Unternehmens haben Kunden in den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Einzelne Abnehmer wiederum nutzen die Produktionsstätten von Tetra Pak in den verschiedenen Ländern als Verpackungsanbieter. So nehmen beispielsweise Kunden in der Schweiz oder Deutschland nicht nur Lieferungen von Schweizer Tetra-Pak-Produktionsstätten entgegen, sondern auch solche aus Deutschland, Frankreich oder Spanien.

Für den Empfänger war es deshalb nur schwer nachvollziehbar, weshalb die gelieferten Paletten von Tetra Pak zwei oder sogar drei unterschiedliche Etikettentypen mit unterschiedlichen Strichcodetypen aufwiesen. Dieser Umstand machte zusätzliche technische Ausrüstung erforderlich und die Arbeitsabläufe gestalteten sich ineffizient und waren fehleranfällig.

Ein Design für alle Werke
Um das Problem anzugehen, hat Tetra Pak das Design der Palettenetiketten weltweit in allen Produktionsstätten vereinheitlicht. «Eine harmonisierte Palettenetikette, die auf einem globalen Standard basiert, bietet enorme Vorteile in der Lieferkette. Die Harmonisierung soll vor allem unseren Kunden das bieten, was sie sich wünschen. Dank einem einheitlichen Etikettenstandard können sie nun eine Menge Zeit und Geld sparen. Die Reaktionen der Kunden sind dementsprechend auch sehr positiv ausgefallen», erklärt Ernesto Schroeder, Global Logistics Manager bei Tetra Pak.

Kleine Unterschiede – grosse Wirkung
Das Vorhaben begann mit einer Studie. Die Untersuchung in über 150 Ländern sollte Aufschluss geben, wie das System verbessert werden kann. «In jedem Land sammelten wir Etiketten aus unseren Produktionsstätten», erklärt Ernesto Schroeder. «Anschliessend untersuchten wie diese in Schweden. Zur Beantwortung der Frage, warum wir unterschiedliche Etiketten einsetzen, waren umfangreiche Nachforschungen erforderlich», ergänzt Schroeder. Die Studie mündete in der klaren Entscheidung, eine bestimmte Palettenetikette zu entwickeln, welche sowohl den Vorstellungen von Tetra Pak als auch jenen der Kunden entsprechen sollte. Der Verpackungskonzern nahm Kontakt mit GS1 Schweden auf, und ein Gemeinschaftsprojekt wurde lanciert.

«Mehrere unserer Grosskunden sind am GS1 System beteiligt. In Gesprächen mit den Kunden und der schwedischen GS1 Organisation wurde festgelegt, welche Informationen sich wo auf den Etiketten befinden sollen. Unsere Zusammenarbeit mit GS1 verlief reibungslos», erklärt uns Ernesto Schroeder.

Ende 2008 unterbreitete GS1 Schweden einen Vorschlag. Die Konzeptgrundlage bildete der globale GS1 Standard. «Die Kunden zeigten sich ebenso zufrieden mit dem Vorschlag wie unsere Warenlager und Fabriken. Die Informationen sind leicht verständlich, und die GS1 Barcodes können problemlos gescannt werden.» Von der Analyse des Problems bis zur Einführung der einheitlichen Palettenetiketten verging knapp ein Jahr.

«Der Projektplan enthielt die benötigten IT-Ressourcen und IT-Investitionen jedes einzelnen Werks. Für den Druck der Etiketten wurden spezielle Geräte angeschafft. Ausserdem investierten wir in die von GS1 empfohlene Software.» Das Projekt wurde weltweit in 30 Fabriken lanciert, die insgesamt 99 Prozent der Gesamtproduktion herstellen. Diese Produktionsstätten liegen in Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika und China. Tetra Pak verfügt über insgesamt 33 Fabriken auf der ganzen Welt. Die übrigen drei Werke waren nicht an dem Projekt beteiligt, weil dort ganz andere Produkte hergestellt werden.

«In nur fünf Monaten, von März 2009 bis Juli 2009, gelang es uns, den einheitlichen Palettenstandard in 30 Fabriken einzuführen», so Ernesto Schroeder weiter. «Jetzt bekommen unsere Kunden Waren aus jeder Fabrik, egal in welchem Land sich diese befindet.» Das Design der Palettenetiketten ist auf der ganzen Welt identisch. Einzige Ausnahme ist China. Dort werden die Informationen in englischer wie auch in chinesischer Sprache aufgedruckt. In den übrigen Ländern werden die Informationen nur in englischer Sprache angebracht.

«Von unseren Kunden in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, wo wir das Harmonisierungsprojekt zuerst lanciert haben, erhielten wir umgehend ein positives Echo. Die Arbeitsabläufe konnten beträchtlich vereinfacht werden. Inzwischen erreichen uns ähnliche Reaktionen auch von Kunden in den USA, Mexiko und Spanien», so Ernesto Schroeder. «Wie viel die Kunden durch die Harmonisierung genau einsparen, wissen wir nicht. Ein einzelner Kunde spart möglicherweise bis zu mehreren hunderttausend Franken pro Jahr. Über kurz oder lang werden wir Rückmeldungen in Form von Zahlen erhalten.»

Lehren und Schlüsse
Als wichtigste Erkenntnis aus dem Harmonisierungsprojekt nennt Ernesto Schroeder die einfache und einheitliche Palettenetikette. Sie ist ein grosser Gewinn für die gesamte Lieferkette. Als Voraussetzung dafür nennt Ernesto Schroeder die globalen GS1 Standards. Auch sollte ein Projekt nie in Angriff genommen werden, ohne die Wünsche und Meinungen der Kunden eingeholt zu haben. Denn das Projekt muss für alle Beteiligten eine Win-win- Situation darstellen, ansonsten bleibt es bedeutungslos oder ist gleich von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Die Harmonisierung der Palettenetiketten hat aufgezeigt, dass durchaus auch grössere Projekte mit weitreichenden, positiven Auswirkungen durchgeführt werden können, ohne dass ein Vermögen investiert werden muss. Die Zusammenarbeit mit der globalen GS1 Organisation bezeichnet Ernesto Schroeder als hervorragend.
Für die nächsten Jahre ist mit einer Weiterentwicklung der Informationsträger auf den Paletten von Tetra Pak zu rechnen. «Demnächst starten wir ein Projekt mit dem Ziel, sämtliche Paletteninformationen auf RFID/EPCTags zu speichern. Alle in unseren Warenlagern eintreffenden oder ausgehenden Paletten werden dann automatisch gescannt. Unsere Kunden werden künftig ganz auf Palettenetiketten verzichten können und damit noch mehr Zeit sparen. Wir gehen davon aus, dass unsere RFID/EPC-Paletten bis spätestens 2012 konzernweit in Gebrauch sein werden», meint Ernesto Schroeder.

Måns Widman
Überarbeitet von Joachim Heldt

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