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Ein Code für die ganze Welt

Ein Code für die ganze WeltDas weltweit tätige GS1 Netzwerk bietet eine breite Palette von Identifikations und Kommunikationswerkzeugen, mit denen Unternehmen ihre Supply Chain optimieren können. Auch Neuerungen der Moderne wie RFID und Mobile Commerce profitieren von den GS1 Standards.

(as) Eine weltweit eindeutige und überschneidungsfreie Identifikation – das bietet das GS1 System. GS1 ist die international führende NotforProfitOrganisation für die Entwicklung und Umsetzung weltweiter Standards mit dem Ziel, Logistik und Versorgungsketten zu optimieren.

GS1 steht dabei für One Global System, One Global Solution und One Global Standard. An die Zentralorganisation von GS1 mit Sitz in Brüssel sind weltweit mehr als hundert Länderorganisationen angeschlossen. Für die Schweiz und Liechtenstein ist das die als Verein konstituierte GS1 Schweiz mit Sitz in Bern. Auf nationaler Ebene sind mehr als 4700 Unternehmen Mitglied. Weltweit wird das GS1 System in 145 Ländern von mehr als 1,3 Millionen Mitgliedsunternehmen genutzt.

GS1 steht für One Global System,
One Global Solution und
One Global Standard.

Wer die Standards des weltweit etablierten GS1 Systems nutzt, weiss genau, wann welche Ware wo ist. Mit den Werkzeugen des GS1 Systems können Firmen ihre Standorte, Produkte, Dienstleistungen und auch Transporteinheiten und Transportbehälter eindeutig und unverwechselbar kenn zeichnen, identifizieren und die Daten über das ERP verwalten. Die Volumen in der Supply Chain werden transparent und als integriertes System effizient steuer und kontrollierbar. Marktgerechtes Entscheiden wird wesentlich erleichtert. Konsumenten profitieren von einer rascheren Abwicklung der Verkaufsvorgänge, Preisänderungen können problemlos erfasst werden. Der Erfolg von Marketingmassnahmen ist rasch messbar.

Daten zum Fliessen bringen
Die Werkzeuge des GS1 Systems (GS1 Identifikationsschlüssel und GS1 Datenträger) haben eine Reihe struktureller Vorteile. Sie sind robust konstruiert und ermöglichen dank definierter Länge und einer Prüfziffer eine sehr hohe Systemsicherheit. Die linearen Barcodes, der zweidimensionale DataMatrix oder ein RFIDTag sind bekannte Beispiele standardisierter GS1 Datenträger. Mit standardisierten Qualitätskriterien gewährleisten sie hohe Erstleseraten. Die Werkzeuge des GS1 Systems sind branchenneutral konstruiert, und es ist ein grosses Angebot an Hard und Software auf dem Markt erhältlich. Neben den Identifikationsschlüsseln und den Datenträgern bietet GS1 auch Standards für den elektronischen Austausch von Stamm und Transaktionsdaten an. Die EDIStandards definieren Inhalt (siehe GS1 Identifikationsschlüssel) und Struktur für den Datenaustausch. Dieser funktioniert ebenfalls unternehmensübergreifend. Aus den Werkzeugen können für jedes Unternehmen individuelle Anwendungen geschaffen werden. In der Schweiz nutzen vor allem Branchen mit standardisierten Abläufen und hohem Warendurchsatz das GS1 System. Dies sind die Konsumgüterindustrie, das Gesundheitswesen, Transport und Logistik sowie Medienhersteller (Bücher und Zeitschriften). Darüber hinaus bietet GS1 Lösungen für Traceability, Mobile Commerce oder eInvoicing an.

Mit einer Nummer fängt alles an
Der Anfang aller GS1 Standards ist die Erteilung einer weltweit eindeutigen GS1 Basisnummer. Ein Unternehmen erhält sie mit der Mitgliedschaft bei GS1 Schweiz. Ein GS1SchweizMitglied erstellt alle seine GS1 Identifikationsnummern basierend auf dieser Basisnummer. Sie setzt sich aus dem GS1 Präfix (z.B. 76 für GS1 Schweiz als Herausgeber) und einer fünfbis siebenstelligen Teilnehmernummer zusammen. Darauf aufbauend werden Identifikationsschlüssel für Produkte (GTIN), Logistikeinheiten (SSCC), Lokationen (GLN) und weitere gebildet. Mit einer neunstelligen GS1 Basisnummer können beispielsweise 1000 GTINs generiert werden. Braucht eine Firma mehr Identifikationen, kann eine weitere GS1 Basisnummer beantragt werden. Aus der GS1 Basisnummer werden die sogenannten Schlüssel des GS1 Systems gewonnen, welche verschiedenste Identifikationsaufgaben übernehmen. Für Produkte wird die Global Trade Item Number (GTIN) verwendet, die aber auch Dienstleistungen kennzeichnen kann. Sie gewährleistet die Weitergabe von Stammdaten. Mit der GTIN werden in ihren Merkmalen identische Einheiten identifiziert, für die an irgendeinem Punkt der Logistikkette ein Preis kommuniziert wird und die bestellt, ver- oder berechnet werden können. Wird die GTIN über einen Strichcode dargestellt, kann das Produkt im Handel automatisiert erfasst werden. Das geschieht an der Kasse (POS), aber auch im Wareneingang oder bei Nachbestellungen. Die GTIN gibt es in verschiedenen Längen, je nachdem, aus welchen Bestandteilen sie gebildet wird. Für logistische Einheiten oder Transporteinheiten kommt der Serial Shipping Container Code (SSCC) zum Einsatz. Sein Aufbau garantiert, dass die Einheit mit einer weltweit eindeutigen Identifikationsnummer gekennzeichnet ist. So kann die physische Bewegung jeder Transporteinheit durch Einlesen des Codes nachvollzogen werden. Der SSCC erlaubt Anwendungen wie den automatisierten Wareneingang, Cross Docking oder Transportwegplanung. Als Element des warenbegleitenden Informationsflusses schafft er oft grosses Rationalisierungspotenzial. Der Global Returnable Asset Identifier (GRAI) kennzeichnet Mehrwegtransportbehälter wie Bierflaschen, Kunststoffpaletten oder anderes. Mit dem Global Individual Asset Identifier (GIAI) können bestimmte physische Einheiten als Sachgegenstand identifiziert werden. Dieser Identifikationsschlüssel dient beispielsweise dazu, den Lebenszyklus von Flugzeugteilen aufzuzeichnen. Dank dem GIAI können Fluggesellschaften ihre Bestandsdatenbank automatisch aktualisieren und Gegenstände vom Erwerb bis zur Ausmusterung zurückverfolgen.

Auch Firmen und Mailboxen werden identifiziert
Mit der Global Location Number (GLN) werden physische Standorte oder juristische Personen eindeutig identifiziert. Sie ist die Basis für zahlreiche eCommerceAnwendungen und den Electronic Data Interchange (EDI). Dabei wird die Mailbox oder Netzwerkadresse eines Unternehmens mit einer GLN identifiziert. Die GLN dient aber auch zum Stammdatenaustausch. Im Hintergrund steht das wiederum von GS1 unterhaltene Global Data Synchronisation Network (GDSN), welches eine sichere und kontinuierliche Stammdatensynchronisation erlaubt. Die Verbesserung der technischen Grundlagen für den Stammdatenaustausch ist ein aktuelles Anliegen von GS1 Schweiz. So konnten Coop, Manor, Markant, Spar, Valora und Volg im Rahmen einer Absichtserklärung dazu verpflichtet werden, bis Ende 2012 die Stammdaten ihrer Lieferanten mit dem GDSNStandard verarbeiten zu können.

Der GS1 DataMatrix bietet deutlich
höhere Speicherkapazität als
die linearen Barcodes.

Auf die Speicherung von Daten zu Dienstleistungsempfängern zielt die Global Service Relation Number (GSRN): Der Lieferant der Dienstleistung kann Daten erbrachter Dienstleistungen speichern und einem Empfänger zuordnen. Sie wird beispielsweise zur Identifikation von Kunden in Kundenbindungsprogrammen verwendet, aber auch bei Clubmitgliedschaften und ähnlichen Konstellationen. Schliesslich gibt es im GS1 System sogar die Möglichkeit, mit dem Global Document Type Identifier (GDTI) einzelne Dokumente wie Steuerbescheide, Zeugnisse oder andere zu identifizieren.

Der Barcode hat viele Geschwister
Alle diese vergebenen GS1 Identifikationsschlüssel werden in physischen Datenträgern gespeichert und von diesen her ausgelesen. Dazu dienen heute eindimensionale Strichcodes oder die Matrixsymbologie. Am bekanntesten ist sicher der im Einzelhandel verwendete EAN-13-Code, der am POS gelesen wird. Hier wird die GTIN erfasst. Für besonders kleine Produkte wie Früchte oder Gemüse gibt es den GS1 DataBar, welcher seit 2010 den Handelspartnern zur Verfügung steht. Der Dateninhalt ist hier noch um zusätzliche Informationen wie Gewicht oder Haltbarkeitsdatum erweitert. Die GTIN kann aber nicht nur so, sondern auch in einem GS1-128-Barcode erfasst werden. Der Datenträger dient zur Kennzeichnung von Handelsund Transporteinheiten. GLN und SSCC nutzen einen GS1128Barcode als Datenträger. In Verbindung mit dem GS1128Barcode werden Application Identifier (AI) eingesetzt. Diese Datenbezeichner kündigen an, welchen Inhalt das folgende Datenfeld hat. Die AIs und die Informationen selbst werden als Zahlenkolonne unter dem Barcode dargestellt. Einige Beispiele für mögliche AIs sind das Herstellungs oder Mindesthaltbarkeitsdatum, die Menge in Stück, die Kilogramm pro Quadratmeter, der fällige Betrag mit ISOWährungscode oder die Sendungsnummer. Dank des Application Identifiers kann der Informationsempfänger selbst auswählen, welche Informationen weiterverarbeitet werden sollen. Deutlich höhere Speicherkapazitäten als die linearen Barcodes bietet der GS1 DataMatrix. Er basiert auf einer zweidimensionalen Matrixsymbologie, bei der quadratische Module innerhalb eines einfassenden Musters angeordnet sind. Das Auslesen erfolgt über 2DBildscanner oder Kamerasysteme. Der DataMatrix wird zur Kennzeichnung von Medikamenten und anderen Medizinprodukten verwendet, aber auch zur Direktmarkierung von Komponenten der Automobilindustrie via Nadelprägung. Sein Einsatz erfolgt auch auf sehr kleinen Einheiten oder wenn Hochgeschwindigkeitsdrucker keine lesbaren linearen Symbole formen können.

Standardisierte Kommunikation ist schneller
Auf Basis dieser Standards erfolgt über Firmengrenzen hinweg der Electronic Data Interchange (EDI). Zur wechselseitigen Identifikation der miteinander kommunizierenden Parteien dient die GLN. Doch GS1 stellt auch Standards für die automatisierte Nachrichtenübermittlung zur Verfügung. Dies sind unter anderem EANCOM und GS1 XML. Der EANCOMStandard verfügt derzeit über 49 Nachrichtentypen, die von mehr als 65 000 Firmen weltweit verwendet werden. Jedes Produkt wird dabei durch seine GTIN und jedes teilnehmende Unternehmen über seine GLN verwechslungsfrei identifiziert. Mit EANCOMBeschreibungen kann die bei UN/EDIFACT vorhandene Interpretationsvielfalt stark reduziert werden. Seit 2005 arbeitet GS1 Schweiz ausserdem an der Vereinfachung des Datenaustausches via EANCOM und hat mittlerweile mehrere Meldungstypen für den Schweizer Markt geschaffen, die von Handel und Industrie gemeinsam entwickelt und genutzt werden. Neueren Datums sind Nachrichten im XMLFormat. Diese in der Informatik gebräuchliche Auszeichnungssprache dient zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten in Form von Textdateien. GS1 hat bereits mehrere weltweit gültige XMLStandardnachrichtentypen definiert, die zahlreiche Geschäftsprozesse umfassen. Da jedoch mehrere XMLStandards auf dem Markt konkurrieren, wird GS1 die Bestrebungen von UN/CEFACT unterstützen, einen globalen XMLStandard unter Schirmherrschaft der UN zu entwickeln. Der XMLStandard von GS1 wird entsprechend angepasst werden.

Ob RFID oder iPhone – GS1 ist dabei
GS1 befasst sich auch intensiv mit RFID und hat dafür EPCglobal ins Leben gerufen. EPC steht für Electronic Product Code. Dieser ist wie die GS1 Identifikationsnummern strukturiert, nutzt aber einen eigenen Zeichensatz. Weil der EPC als einzige Information auf dem RFIDChip gespeichert wird, hält das die Kosten niedrig. Mithilfe des automatisierten Object Name Service (ONS) können Computer die von den RFIDTags ausgelesenen EPCs mit produktrelevanten Informationen verknüpfen. Dies geschieht über das EPCglobalNetzwerk, welches dezentrale Server mit allen zu einer EPCNummer gehörenden Stamm oder Bewegungsdaten via Internet verbindet. Die Nutzung des EPCglobalStandards erlaubt die berührungslose Identifikation und Verfolgung beliebig vieler Waren und Objekte über die gesamte Supply Chain hinweg. Hauptvorteile sind die Informationsbereitstellung in Echtzeit und die Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mobile Commerce ist ebenfalls ein wichtiges Thema für GS1. Mittlerweile haben mehr als vier Milliarden Menschen ein Mobiltelefon – die halbe Weltbevölkerung. Die Nutzer von Smartphones können einfach Zugriff auf die «gelben Seiten» von GS1 nehmen. Das Verzeichnis GEPIR (Global GS1 Party Information Registry) umfasst mehr als eine Million Firmen in 92 Staaten. Dazu wird die App iGepir auf dem Telefon installiert. iGepir gibt es nicht nur für Apples iPhone, die Software läuft auch auf Android, Symbian und demnächst Windows Phone7. Mit dem Smartphone wird dann die GTIN eines Produkts im Laden eingelesen. Die aktuelle Version von iGepir zeigt mindestens den Markenverantwortlichen an, das aber für jedes Produkt weltweit. In der Schweiz lassen sich Bilder und Beipackzettel aller regulierten Medikamente abrufen. Die auf Gepir registrierten Adressen können auf einer Weltkarte angezeigt werden. Zudem gibt es diverse MobilePhoneApps, die das GS1 System verwenden, um Produkte zu identifizieren und Informationen zu liefern. Mit einigen lassen sich Preise vergleichen, andere liefern Informationen zur Produktqualität oder Hinweise für Allergiker. Der Schlüssel zur Produktidentifikation ist aber auch hier fast immer die GTIN als GS1 Identifikationsschlüssel.

Alexander Saheb

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