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Volle Kontrolle mit GS1 Standards

Volle Kontrolle mit GS1 StandardsEs dauert nicht einmal zehn Minuten, wenn man bei McDonald’s wissen will, wo welcher Burgerbratling gerade ist. Dank der konsequenten Anwendung des GS1-128-Standards in der Supply Chain kann jedes Produkt jederzeit lokalisiert werden. Ausserdem gibt es kaum noch logistische Fehlleistungen.

(as) Die Basis der reibungslosen Logistik ist die konsequente Anwendung von GS1 Standards. Auslöser dafür war die Einführung der EURichtlinie zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln im Jahr 2005.

Laut dieser Vorschrift müssen Lebensmittel nun über die gesamte Supply Chain bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden können. So verpflichtete auch McDonald’s nachfolgend alle seine Lieferanten, dieser Verordnung Folge zu leisten und Transparenz in der Versorgungskette zu schaffen. Nach verschiedenen Projektstudien entschloss man sich beim Schweizer McDonald’sLogistiker HAVI Logistics aus Oensingen zur Nutzung des EAN128Standards, der heute GS1128 Standard heisst.

Kein Bratling geht verloren
Dank dieser genauen Warenverfolgung weiss man bei McDonald’s bzw. HAVI genau, welche Ware in welches Restaurant ging. Das ist vor allem bei Produktrückrufen wertvoll. Nun muss man hier nicht gleich an Fremdkörper im Hamburger denken. Recht pragmatische Gründe für Rückrufe sind nämlich eher Saucen mit der falschen Konsistenz oder beispielsweise die Lokalisierung von Restware bei Sortimentsänderungen. Binnen zehn Minuten kann die ausgelieferte Ware nun lokalisiert und nachfolgend gesperrt werden. Ab diesem Zeitpunkt sind nicht nur die betroffenen Verkaufseinheiten eines Artikels für die Kommissionierung gesperrt, sondern auch die Verladung aller logistischen Einheiten, die in Form von homogenen oder Mischpaletten gesperrte Ware enthalten. Ein Rückruf wirkt sich zeitgleich in allen betroffenen Distributionszentren aus, welche die betroffene Ware direkt (vom Lieferanten) oder indirekt (durch ein anderes Distributionszentrum) erhalten haben. Ausserdem liefert das ITSystem die Informationen, auf welcher Ausliefertour sich gesperrte Ware gegenwärtig befindet und welcher Kunde bereits wann und wie viel davon erhalten hat. Physisch kann man dann binnen zwei Tagen alles retour nehmen, auch wenn meist innert Wochenfrist ausgetauscht wird. Durch die Einführung der GS1 Standards ergaben sich auch deutliche Verbesserungen der Lieferzuverlässigkeit. Schliesslich gilt für HAVI die ganze Lieferung als fehlerhaft, wenn auch nur ein Artikel fehlt. Mittlerweile wurde eine interne Lieferzuverlässigkeit von 97 bis 98 Prozent erreicht. Insbesondere Fehler wegen falscher Kommissionierung und unpassender Mindesthaltbarkeitsdaten konnten beinahe eliminiert werden – hier gibt das System dem jeweiligen verantwortlichen Mitarbeitenden bereits beim Kommissionieren entsprechend Rückmeldung.

Rückverfolgbarkeit gesichert
Wie anderswo auf der Welt erledigt der USBurgerbrater auch in der Schweiz die Versorgung der Restaurants nicht selbst, sondern mit einem Outsourcingpartner. Die beauftragte HAVI Logistics GmbH aus Oensingen gehört seit 2002 mehrheitlich zur gleichnamigen Firmengruppe aus den USA. In Oensingen ist die Firma direkt neben dem grossen Tiefkühllager der Bell AG ansässig. Sie verfügt dort über 10 000 Palettenplätze, die sich auf ein Trockenlager, ein Frischelager und ein Tiefkühllager verteilen. Durch einen unterirdischen Tunnel liefert Bell für McDonald’s bestimmte Produkte direkt ins Tiefkühllager an.
Die Auslieferung an die 151 Schweizer und Liechtensteiner McDonald’sRestaurants erfolgt mit 18 Trucks und 32 Bahncontainern, die bis zu drei verschiedene Temperaturstufen in einem Fahrzeug realisieren können. Jährlich werden von den 95 HAVIBeschäftigten rund 82 000 Tonnen Waren umgeschlagen. Davon entfallen 46 000 Tonnen auf McDonald’s und 36 000 Tonnen auf Bell, für die man ebenfalls tätig ist.

Durch die Einführung der GS1 Standards
ergaben sich auch deutliche Verbesserungen
der Lieferzuverlässigkeit.

Für McDonald’s wird die Beschaffung, Lagerung, Feinkommissionierung bis hin zur einzelnen Sirupflasche und Salatgurke erledigt und die Warenverteilung bis ins Restaurant übernommen. Für Bell erledigt HAVI die TiefkühlLagerhaltung und bewegt überwiegend ganze Paletten. Mit McDonald’s macht HAVI in der Schweiz 90 Prozent des Umsatzes – mit Bell nur knapp 10 Prozent.

SSCC als Begleiter
Jede logistische Einheit ist bei HAVI mit einem Serial Shipping Container Code (SSCC) gekennzeichnet. Vormals wurde dafür auch die Bezeichnung «Nummer der Versandeinheit (NVE)» geführt. Der Code begleitet jede logistische Einheit von ihrer Entstehung bis zu ihrer Auflösung auf einem Transportlabel. Es wird nicht nur der Übergang der logistischen Einheiten an den Schnittstellen zwischen den Parteien registriert. In der Distributionslogistik werden auch sämtliche Warenbewegungen innerhalb eines Distributionslagers lückenlos aufgezeichnet. Jeder Vorgang, bei dem Waren von einer «Ursprungs-SSCC» auf eine «Ziel-SSCC» übergehen, wird registriert. Damit ist die Traceability sowohl abwärts als auch aufwärts über eine unbegrenzte Anzahl von Stufen möglich.
In der Praxis wird beim Wareneingang jeder Palette der Scanner des HandheldTerminals vorgehalten und das Barcodeetikett eingelesen. Der Nutzen des Transportlabels geht über die Identifikation der Logistic Unit durch die SSCC hinaus. Beim Wareneingang werden nämlich auch die vom Hersteller auf dem Label barcodierten Informationen über Mindesthaltbarkeit (BBD), Art und Anzahl enthaltener Handelseinheiten (GTIN, COUNT) sowie ggf. die BATCH/LOT-Nummer durch das Scanning erfasst. Allerdings lassen sich Barcodes manchmal nicht reibungslos einlesen, weil die Druckqualität zu schlecht ist oder der Barcode mit Stretchfolie überzogen wurde. Dann wird die Stretchfolie entfernt oder der Mitarbeiter muss vor Ort ein entsprechendes Label generieren. Dazu gibt er an seinem Handterminal die nötigen Daten ein und kann sofort an einem Drucker die richtigen Etiketten entnehmen und auf die Paletten aufkleben.
Auch beim Rüsten spielt das HandheldTerminal mit einer permanenten WLAN-Verbindung zum Hauptsystem eine zentrale Rolle. Jede abzuarbeitende Kommissionierliste kann dort eingesehen werden. Gleichzeitig wird der Standort der Ware angezeigt. Vor der Entnahme scannt der Mitarbeiter den jeweiligen Barcode ein. Das System gleicht dann ab, ob keine Bestände mit kürzerem Mindesthaltbarkeitsdatum vorhanden sind, und gibt entsprechend Meldung. Dann wird die frisch kommissionierte Palette «abgeschossen», wenn sie ins Fahrzeug verladen wird. Stichprobenartig wird zuletzt noch der aktuelle Warenbestand der betreffenden Palette kontrolliert. Weicht die vom Mitarbeiter angegebene Anzahl vom Bestand laut System ab, muss dieser Fehler analysiert und behoben werden. Auf diese Weise trägt das System zusätzlich zur Vermeidung von Kommissionier und Inventurfehlern bei. Bei der Ablieferung wird dann die SSCC nochmals mit der ID des Fahrzeugs oder der GLN des Empfängers verknüpft. Damit erhält man den Abliefernachweis jeder einzelnen logistischen Einheit. Bisher wurde an diesem Punkt lediglich jede Kommissionierung einer Lieferung zugeordnet.

Restaurants von Logistik entlasten
Der Logistiker agiert in der Versorgung der McDonald’sRestaurants teils sehr autonom und kauft auf eigene Rechnung Waren ein. Da man die Verkaufsvolumina einsehen kann, wird darauf die Prognosesteuerung aufgebaut. Im Alltag leistet man Unterstützung bei der Lagerhaltung nach dem FEFOPrinzip (First expired – first out). Dies gelingt dank der hauseigenen Systemsoftware namens Catellae, die von der dänischen Firma Lyngsoe entwickelt wurde. Besonderes Augenmerk erfordern auch die immer wiederkehrenden Promotionsaktionen. Hier gilt es für den definierten Zeitraum eine genügende Menge der richtigen Ware am Lager zu haben. Doch zu viel soll es wiederum auch nicht sein, weil sonst zu viel Kapital gebunden wird oder verderbliche Ware abzulaufen droht.
Weiterhin entlastet man die Restaurants mit «Unassisted Deliveries» von logistischen Aufgaben. Wenn üblicherweise tagsüber Ware geliefert wird, muss das Restaurant Mitarbeiter vorhalten, um diese entgegenzunehmen und einzulagern. «Unassisted Deliveries» bezeichnet nun die Lieferung und Verräumung bis in die jeweilige Temperaturkammer ohne Beteiligung der RestaurantCrew. Einige Schwestergesellschaften von HAVI in anderen Staaten bieten sogar «Invisible Deliveries». Bei diesen erfolgt die Lieferung und Einlagerung der Bestellungen nachts durch HAVI völlig autonom. Dabei geschieht allerdings auch der Eigentumsübergang ohne Eingangskontrolle durch das Restaurant. Als Hilfe bei allfällig möglichen Schäden an Verpackungen dient die Videoüberwachung des Liefervorgangs. Dann gelten die Fotos als Grundlage für nachfolgende Reklamationen. Für die RFIDTechnologie sieht man in absehbarer Zeit aber keine Einsatzperspektiven. Dies vor allem deshalb, weil eine überschaubare Menge von Lieferanten und Artikeln bewirtschaftet wird. Anwendererfahrungen mit RFID zeigten zudem, dass es sich oft um eine komplexe, aufwendige und zudem noch störungsanfällige Technologie handelt. So würden etwa an Schranken nicht alle RFIDTags ohne weiteres ausgelesen.
Alexander Saheb

Weitere Informationen
HAVI Logistics GmbH
Ostringstrasse 11
Postfach 368
CH-4702 Oensingen
Tel. +41 (0)62 388 59 59
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.havi-logistics.com

Fakten und Zahlen
HAVI Logistics ist «The Global Lead Logistics Provider» für Food- und Non-Food-Logistik. Das Unternehmen optimiert die Abläufe innerhalb der Lieferketten seiner Kunden und generiert eine Vielzahl ergänzender Dienstleistungen durch exzellente und ganzheitliche Logistiklösungen. Durchdachte und durchgängige Logistikkonzepte sowie eine hohe Transparenz aller Aktivitäten sorgen dafür, dass die Kunden von HAVI Logistics von allen logistischen Tätigkeiten innerhalb der Lieferkette entlastet werden. Mehr als 5000 hoch geschätzte, verlässliche und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind europaweit für HAVI Logistics tätig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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