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Triumph entscheidet sich gegen den DataBar

Triumph entscheidet sich gegen den DataBarVom DataBar über den GS1128 zum DataMatrix – das war der Weg von Triumph in Kürze. Allerdings war es keine harmonische Entwicklung. Eine Reihe von Praxistests führte schliesslich zur optimalen Lösung.

(as) Die Triumph International ist ein weltweit tätiges Unternehmen im Wäschebereich. Der Sitz der Firmenzentrale ist in Bad Zurzach, weltweit ist der Konzern in mehr als 45 Staaten mit Tochtergesellschaften präsent.

Mit den Marken Triumph, Sloggi, Valisère und HOM hat man sich auf die Produktion und den Vertrieb verschiedener Kategorien von Haus und Unterwäsche sowie Bademoden für Frauen und Männer spezialisiert. Daneben werden auch PrivateLabelProdukte für grosse Handelshäuser gefertigt. Die Gruppe beschäftigt rund 37 500 Mitarbeitende, verfügt über zehn eigene Produktionswerke und diverse Verteilzentren. 2009 wurde ein Umsatz von rund 2,3 Milliarden Schweizer Franken erzielt. Seit der Gründung 1886 ist Triumph in Familienbesitz.

Im Jahr 2009 entschloss man sich, ein schon länger vor sich hinschwelendes Problem anzugehen. Karl Selbach, Projektmanager Warehouse & Distribution Support, erläutert die Hintergründe: Die in grosser Vielfalt produzierten Wäscheartikel verfügten über keine Auszeichnung des Herstellungslandes (Country of Origin, CoO). Zunehmend forderten jedoch verschiedene Staaten diesen Herkunftsnachweis. In verschiedenen Fällen mussten auch Lieferrestriktionen eingehalten werden. Bisher hatte man dafür einen separaten Arbeitsschritt in Kauf genommen, bei dem die Waren zusätzlich mit einem Herkunftslabel versehen wurden. Das war aber nicht nur aufwendig und kostenintensiv, sondern verzögerte auch die zeitlichen Abläufe in der Lieferkette.

Ausserdem war die Lagerhaltung teilweise anspruchsvoll. Bei hoher Nachfrage liess die Planungsabteilung nämlich die gleiche Ware in verschiedenen Ländern herstellen, weshalb sie teilweise auch getrennt nach Herkunftsland gelagert werden musste, wie Lothar Maier, Manager Warehouse & Distribution Support, erläutert. Zudem wuchs mit der Zeit das Interesse der Verbraucherverbände an einer Herkunftsbezeichnung am Produkt. Darüber hinaus zeichnete sich in einer Reihe von Staaten ab, dass ein Herkunftsnachweis früher oder später als Standard gefordert werden würde. Dies war der Anstoss für Triumph, das Problem grundlegend zu lösen.

Von unterschiedlichen Ansätzen bis zur besten Lösung
Nachdem eine entsprechende Projektgruppe ins Leben gerufen worden war, entwickelten Selbach und Maier zusammen mit Abteilungsleiter Otmar Jordan und dem Technischen Organisator Manfred Gross verschiedene Lösungsansätze. Man beschloss, die Herkunftsbezeichnung auf dem Produktlabel bereits in den Produktionswerken maschinenlesbar anzubringen. Anfangs favorisierte man hierfür einen zweidimensionalen Code, doch schon bald erschien diese Idee angesichts der Kosten für die notwendige Technik als zu aufwendig. So wurde die Möglichkeit geprüft, ein EAN13Addon zu verwenden. Doch von GS1 Schweiz kam der Hinweis, dass diese Elemente vorrangig für die Verlagsindustrie konzipiert worden seien.
Der Einsatz eines separaten Codes wiederum hätte einen doppelten Leseprozess nötig gemacht. So entwickelte man schliesslich mit Unterstützung von GS1 Schweiz das Vorhaben, den GS1 DataBar einzusetzen. Von diesem versprach man sich Zukunftssicherheit, da er die GS1 Application Identifier berücksichtigt. Somit hatte man die Möglichkeit, nach Wunsch den EANCode, das CoO oder andere definierbare Identifikationsparameter zu verwenden.

Favorit ist zunächst der DataBar
Ausschlaggebend für die Favorisierung des DataBar 2010 war auch die Tatsache, dass dieser ab dem Frühjahr 2010 weltweit zu lesen hätte sein sollen. Triumph wollte somit für den Handel weiter die EAN13 liefern und für interne Zwecke den DataBar aufs Label bringen. Das von Triumph initiierte Projekt zur Einführung des DataBar sorgte rasch für Aufsehen in der Szene, weil das Unternehmen als erstes den Datenträger einsetzen wollte und damit zum Vorreiter geworden wäre.
Indessen schritt die Planung voran, das Marketing wurde vom neuen Element überzeugt und man begann damit, die Labels weltweit zu vereinheitlichen. Dazu gehörte auch eine neue Befestigung mit einem Splint, damit das Label drehbar sein würde. Besondere Rücksicht musste darauf genommen werden, dass Triumphs Produktpalette aus Neuheiten und der Dauerkollektion besteht. Neuheiten wurden vom Produktionsbeginn an mit einem CoOLabel ausgestattet. Bei der Dauerkollektion konnte das nur Schritt für Schritt in einer Transitionsphase erfolgen.
Die grundlegende Annahme für die Einführung des DataBar war indessen, dass er am POS nicht gelesen werden könnte. Schliesslich wollte man das Element nur für firmeninterne Zwecke verwenden. So wurde erwartet, dass am POS nur der EANCode gelesen würde, weil für die Auswertung der Informationen des DataBar zusätzliche Software nötig ist. Sollten beide Codes aktiviert sein, wollte man Lesefehler mit einer TimeoutRegelung verhindern. Doch bei den Tests bei Schlüsselkunden kam es immer wieder zu Doppellesungen. So erfolgte ein Scanvorgang, doch die Ware wurde doppelt berechnet. Die ursprüngliche Annahme, durch einen gut eingestellten Timeout am Scanner Doppellesungen zu verhindern, erwies sich in der Praxis als nicht zutreffend. Nochmalige ausführliche Tests bei Prodega gemeinsam mit Vertretern von GS1 Schweiz belegten das Vorkommen von Doppellesungen. So geriet das Projekt ins Wanken – und die Lösung mit dem GS1 Databar 2010 wurde nicht weiterverfolgt.

Schritt zurück nach vorn
Es folgte die Suche nach einem neuen Code. Der GS1128 kam zur Sprache, wurde jedoch schnell wieder verworfen, weil er in manchen deutschen Kaufhäusern am POS verwendet wird. Die Projektgruppe von Triumph griff daraufhin auf frühe Ideen zurück. Ergebnis der Beratungen war, als zusätzlichen zweiten Code den zweidimensionalen GS1 DataMatrix für die logistikinternen Zwecke zu verwenden, während für die Verwendung am POS nach wie vor der EANCode erhalten bleiben sollte. Im Vordergrund stand bei dieser Entscheidung, dass der DataMatrix am POS nicht zu lesen sein würde, allenfalls aber nur mit einer jeweils nachgelagerten Softwarelösung. Mit dem GS1 DataMatrix sieht man sich nun für die Zukunft gerüstet. Sollte er sich für den POS durchsetzen, wäre man dafür bereits vorbereitet und GS1konform.
Die praktische Umsetzung sieht nun so aus, dass Produktneuheiten mit EAN und DataMatrix ausgezeichnet sind. Mittlerweile tragen rund 90 Prozent der Produkte einen DataMatrix, auch wenn bei der Dauerkollektion öfters noch «000» (wegen der Transitionsphase) als CoO auftaucht. Mit Blick auf die Technik mussten an einzelnen Standorten neue Drucker installiert werden, weil die bisherigen Modelle die notwendige Auflösung von 300 dpi nicht erreichten. In den Kommissionierlagern wurden zudem die Scanner ersetzt, um den DataMatrix lesen zu können. Als positiver Nebeneffekt wurde vermerkt, dass die notwendige Technik mittlerweile deutlich billiger war als bei den ersten Überlegungen in Richtung DataMatrix. Jetzt können Waren aus unterschiedlichen Produktionsländern an einem Lagerort gepackt werden. Beim Picken wird zusätzlich zum EAN das CoO identifiziert. Nun kann eine Lieferung aus Waren mit mehreren verschiedenen CoOs pro Artikel bestehen, doch werden diese bereits durch das Scanning jeweils sauber differenziert ausgewiesen. Eine lagerbestandsmässige Trennung der unterschiedlichen CoOs kann somit entfallen.

Projekt bis Ende 2011 abschliessen
Mit dieser Lösung ist man nun in der Lage, am gleichen Lagerort Produkte mit unterschiedlichen Herkünften zu führen. Durch das Scannen des einzelnen Produkts wird die jeweilige Herkunft identifiziert und an die nachgelagerten Prozesse weitergereicht. Triumph ist mit der gefundenen Lösung zufrieden und sieht sich auf dem richtigen Weg. Bis Ende 2011 ist vorgesehen, auch die Dauerkollektion mit dem CoO ausstatten zu können, nachdem die Neuheiten schon heute so gefahren werden. Künftig will man auf dem DataMatrix noch weitere Informationen hinterlegen. Angedacht sind Informationen wie die Chargennummer, Produktionsdatum usw. Zudem hat man die Warehouseboxen im Zentrallager zwischenzeitlich mit dem GS1 DataMatrix gekennzeichnet. Als besonderen Vorteil bezeichnet Selbach, dass diverse Schlüsselinformationen bereits im GS1 DataMatrix selbst enthalten sind und dadurch weniger Datenbankzugriffe nötig sind. Triumph nutzt überdies den globalen NachrichtenStandard (EANCOM) von GS1. In Kundenbeziehungen werden die Instrumente ORDERS (Bestellung), ORDRSP (Bestellantwort), DESADV (Liefermeldung), INVOIC (Rechnung), PRICAT (Preisliste) und SLSRPT (Verkaufsdatenbericht) eingesetzt. Erfasst werden vorrangig grosse Kunden. Gleichermassen sind auch Rohmateriallieferanten angebunden.

Alexander Saheb

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