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Kaufsucht

KaufsuchtEs ist der innere Zwang, kaufen zu müssen. Auf der Suche nach Anerkennung. Kaufen macht glücklich. Dann folgt der Absturz: Schuldgefühl, Depression, Existenzangst. Bekenntnis einer Kaufsüchtigen im Internet.

Die Gedanken des Kaufens hat man täglich, stündlich, Tag und Nacht. Es treibt einen fast zum Wahnsinn. Man wird depressiv. Das «Ich» ist zweigeteilt. Der Engel sagt Nein, der Teufel sagt Ja. Irgendwie wird man eine gespaltene Persönlichkeit.

 

Die Freude des Kaufens ist ja nur ein Moment und zwar der Moment, wo man das Teil oder die Teile fixiert hat und bekommt. Dieser Moment ist so stark, dass man das Gefühl hat, es zerreisst einen in sämtliche Teile. Es ist wie eine innere Explosion. Das Herz schlägt bis zum Kopf, man kommt ins Schwitzen, der Körper schmerzt, es ist alles wie benebelt, wie in Trance. Ein Wechselspiel der Gefühle. Der Verstand setzt förmlich aus. Man hat keinen Verbündeten mehr ausser die Verkäufer.

Dann die Angst, es bekommt jemand mit, man wird vielleicht beobachtet, ein anderer kann in einem die Gedanken lesen. Die Angst vor der Angst. Die Schweissperlen rollen, das Ertapptwerden, wieder zu viel zu kaufen. Wenn man dann die Ersehnten und eigentlich nicht gewollten Sachen hat, geht es wieder los. Das schlechte Gewissen kommt. Wie bekomme ich es ungesehen in die Wohnung, wo verstecke ich es, vor allem wohin, dass es ja niemand findet. Dann der Trost, dass die Rechnung ja erst nach ein bis zwei Wochen kommt, dass das Versteck, hinter dem Schrank, hinter dem Sofa usw. niemand entdecken wird. Wie denn auch, es sieht mich ja keiner, es weiss ja auch niemand. Die Rechnungen, Mahn- und Vollstreckungsbescheide werden versteckt. Ungeöffnet ignoriert, als ob es sie nicht gibt. Man will die Wahrheit nicht sehen und nicht hören. Der Gerichtsvollzieher gehört irgendwann zum Leben. Die Angst und das Schamgefühl, dass es Nachbarn, Eltern, Kinder, Freunde, Bekannte und Fremde mitbekommen, ist oft unerträglich.

Die Gedanken sind im Kopf, ohne Ruhe zu geben, man ist nicht mehr sich selbst. Wenn dann alles versteckt ist, ist man von der Kaufattacke kaputt, ausgelaugt und völlig fertig. Das Schlimmste ist, dass man es wieder nicht erzählen kann. Die Nacht ist kurz und morgen geht die Sucht wieder von vorne los.

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