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2011 wird kein Boomjahr

2011 wird kein Boomjahr Der Schweizer Detailhandel hat 2010 eine starke Erholung erlebt. Die Konsumentenausgaben legten deutlich zu. 2011 geht es jedoch nur langsamer weiter.

(as) «Die Konsumenten haben ihre Ausgaben im Detailhandel 2010 gegenüber dem Vorjahr real um weit über 2 Pro zent erhöht.

Im Vergleich zu früheren Rezessionen, welche die Konsumlaune nachhaltiger getrübt hatten, ist dies für die Branche ein sehr erfreuliches Resultat», stellt die im Januar vorge legte Studie «Retail Outlook 2011» fest, die von der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit der Zuger Beratungsfirma Fuhrer & Hotz erstellt wurde. Neben der starken Zuwanderung neuer Konsumenten war es die ins positive gewandelte Konsumentenstimmung, welche massgeblich half, den Kaufstau zu lösen.

Für das Jahr 2011 hängt die Entwicklung des Detailhandels nochmals von der Konsumentenstimmung ab. Allerdings dürfte sich dieser Indikator, ausgehend vom hohen Niveau Ende 2010, im Jahresverlauf etwas zurück bewegen. Von der Kaufkraftentwicklung erwarten die Fachleute eben falls weniger positive Impulse. Zwar dürfte die Lohnsumme um geschätzte 1,6 Prozent zulegen, doch nach Abzug der erwarteten Inflation, der höheren Sozialversicherungsbeiträge und Mehrwertsteuerabgaben sowie der höheren Krankenkassenprämien verblieben davon «nur noch Brosamen». Somit hoffen die Ökonomen erneut auf die Einwanderung als zweiten Wachstumsmotor. Diese habe in den vergangenen Jahren bereits für ein gewisses «Sockelwachstum» bei den Umsätzen gesorgt.

Wachstum unter Vorjahresniveau erwartet

Für den Detailhandel als Ganzes erwartet die Studie im laufenden Jahr ein nominales Umsatzwachstum von 1,5 Prozent. Das ist zwar eine leichte Abschwächung gegenüber dem Niveau von 2010. Doch wegen leicht sinkender Preise dürfte das reale Wachstum im laufenden Jahr etwas höher ausfallen als das nominale. Angebotsseitig rechnet man damit, dass das Gros der Detailhändler seine Energie darauf verwenden wird, die Sortimentspolitik zu optimieren, Standorte zu überprüfen sowie die Effizienz zu steigern, wobei der Hebel am ehesten bei der Logistik angesetzt wird. Die Beschäftigung wird in einem solchen Umfeld kaum substanziell zulegen. Doch wird die Flächenexpansion weitergehen, auch wenn die Debatte um das «Overstoring» der Schweiz noch nicht entschieden ist. Die Mehrheit der im Rahmen der Studie befragten Handelsunternehmen will die Flächen im laufenden Jahr vergrössern, und zwar im Schnitt um 11 Prozent. Verkleinern möchte, anders als im Vorjahr, niemand. 36 Prozent der Befragten rechnen 2011 mit stagnierenden Flächen. Die Rechnung mit immer grösseren Verkaufsflächen ging bisher auf, weil die höheren Raumkosten mit mehr Arbeitsproduktivität kompensiert wurden. Doch bei der Flächenproduktivität erkennen die Studienautoren «in der Tat Warnzeichen». Die in vielen Subbranchen auftretende stagnierende oder rückläufige Flächenproduktivität könne als deutliches Anzeichen dafür gelten, dass der Schweizer Markt auf eine angebotsseitige Sättigung zusteuere. Entsprechend wird vorderhand der Druck auf die Flächenproduktivität hoch bleiben. Vor allem im Lebensmitteldetailhandel rechnet man mit einer weiteren Akzentuierung der Thematik. Noch sind Aldi und Lidl mit der geografischen Expansion beschäftigt. Doch nach Erreichen der flächendeckenden Präsenz dürfte der Wettbewerb um Marktanteile mit einem noch stärkeren Fokus auf die Preise ausgetragen werden.

Umfrage zeichnet vorsichtigeres Bild

Ergänzend zu den volkswirtschaftlichen Prognosen der Credit Suisse wurden für die Studie durch Fuhrer&Hotz 206 Entscheidungsträger mehrheitlich der zwei obersten Führungsebenen von Schweizer Handelsunternehmen befragt. 60 Prozent davon haben Einsitz in der Geschäftsleitung. Diese Gruppe ist für 2011 nicht ganz so optimistisch, wie sie es in der Vorjahresumfrage für 2010 war. Dennoch überwiegt ein freundliches Stimmungsbild. Mit 46 Prozent sieht sich knapp die Hälfte etwa gleich gut aufgestellt wie vergleichbare Marktteilnehmer. 42 Prozent gehen von einem besseren und 6 Prozent von einem deutlich besseren Abschneiden des eigenen Unternehmens im Vergleich zur Konkurrenz aus. Dabei sind die Optimisten auf der Herstellerebene (51 Prozent) häufiger vertreten sind als bei den Händlern (40 Prozent). In Sachen Finanzkennzahlen erwartet das Gros der Befragten angesichts des weitgehend gesättigten und umkämpften Schweizer Marktes eine stagnierende Entwicklung von Umsatz (35 Prozent) und Gewinn (40 Prozent). Immerhin 31 Prozent rechnen aber mit einem Wachstum gegenüber den 2010 erzielten Verkaufszahlen von bis zu 4 Prozent, und 25 Prozent der befragten Marktakteure streben gar ein noch höheres Umsatzplus an. Die Manager sind dabei bezüglich Gewinn weniger zuversichtlich als beim Umsatz, und insbesondere die im Lebensmittelbereich tätigen Unternehmensvertreter und die Hersteller zweifeln. Dies darf als Anzeichen für einen sich weiter verschärfenden Wettbewerb und damit einhergehenden Preisdruck interpretiert werden. In Sachen Marketing möchten 54 Prozent der Befragten die Höhe des Budgets beibehalten, 34 Prozent planen eine Erhöhung, welche teils mehr als 4 Prozent betragen wird.

2010 überwiegend gut abgeschlossen

Im Rückblick sind etwa zwei Drittel der Firmenvertreter mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden. Sie konnten die budgetierten Ziele bezüglich Umsatz und Gewinn entweder erreichen oder übertreffen. Dabei wurden die Ziele im Segment Near-/ Non-Food deutlich besser erreicht als im Lebensmittelbereich. Dies gilt sowohl für die Verkaufszahlen wie auch die Profitabilität. Über alle Marktsegmente hinweg wurden die Gewinnziele – vornehmlich dank Optimierungen auf der Kostenseite – besser erreicht als die Umsatzziele. Vom Konsumwachstum konnte 2010 insbesondere der Handel mit langlebigen Gütern profitieren. Zur Messung der Versorgungsdichte im Detailhandel entwickelte die Credit Suisse zudem den Retail Provision Index. Dessen Analyse zeigte zwei Effekte: Die Grenzregionen haben wegen des Einkaufstourismus ein unterdurchschnittliches Detailhandelsangebot im Verhältnis zur Wohnbevölkerung. Der Grenzeffekt ist besonders im Jurabogen und an der Grenze zu Deutschland ausgeprägt. In der Region Genf und im Tessin findet er sich dagegen nur punktuell. Von den Schweizer Grossstädten verfügt Basel über das mit Abstand schwächste Detailhandelsangebot. Auf der anderen Seite sind touristische Gemeinden wegen der Zusatznachfrage aus dem Tourismus überdurchschnittlich dicht versorgt. Deshalb hat vor allem der Kanton Graubünden trotz des ausgeprägten «Lädelisterbens» in der vergangenen Dekade immer noch ein relativ reiches Detailhandelsangebot.

Dem viel zitierten «Lädelisterben» misst die Studie nun Tatsachenqualität zu. «Zwischen 1998 und 2008 musste im Schweizer Detailhandel netto jeder zehnte Laden, im kleinflächigen Lebensmitteldetailhandel gar jeder vierte Laden seine Tore schliessen», heisst es. Auf der anderen Seite stieg im gleichen Zeitraum die Beschäftigung im Detailhandel aber um 1,7 Prozent an, weil die bestehenden Läden zunehmend grösser wurden. Die Filialisierung erfasste laut Studie zwischen 1998 und 2008 fast alle Segmente des Detailhandels. Am stärksten prägten die Filialketten im Sporthandel, bei den Apotheken und Drogerien, im Buch¬ sowie im Möbelhandel den Markt. In all diesen Subbranchen arbeitete 1998 noch ein hoher Anteil der Beschäftigten in unabhängigen Einzel-geschäften. Im Lebensmitteldetailhandel hat der Trend zur Filialisierung indessen seine Grenzen langsam erreicht, weil in diesem Segment schon 87 Prozent aller Beschäftigten in Filialketten arbeiten. Dass aber im Lebensmitteldetailhandel die Supermärkte die Schuld am «Lädelisterben» haben, dafür findet die Studie keine ausreichende Evidenz.

Alexander Saheb

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