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Schweizer werden immer dicker

Ein Drittel der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig. Die Gründe für Übergewicht und Fettleibigkeit liegen vor allem in der ungesunden Ernährung, die bereits im Kindesalter negative Auswirkungen auf das Körpergewicht hat. Jedes fünfte Kind ist übergewichtig oder adipös.

 

(naf) Laut einer vergleichenden Studie des Bundesamtes für Gesundheit zwischen den Jahren 2004 und 2009 verdoppelten sich die Kosten aufgrund von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) von 2648 Millionen Franken auf 5755 Millionen Franken pro Jahr. Bei der Kostenstudie wurden Behandlungskosten, Arbeitsausfall sowie frühe Invalidität als Folgeerscheinung mitberücksichtigt. Diese aktuellen Zahlen verdeutlichen die gesellschaftspolitische Relevanz von Übergewicht und Adipositas und unterstreichen die Notwendigkeit von Massnahmen zur Förderung eines gesunden Körpergewichts. Laut einer Studie von HealthEcon, Basel, werden die durch Übergewicht und Adipositas verursachten Kosten sowie deren Anteil an den gesamten Gesundheitskosten massiv zunehmen, falls keine entsprechenden Gegenmassnahmen eingeleitet werden.

Übergewicht – die Epidemie des 21. Jahrhunderts
Die Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten schlagen schwer zu Buche. Allein die Behandlung der Diabeteskranken macht 10 bis 16 Prozent der Gesundheitsausgaben in der Schweiz aus. Somit ist die Kostenexplosion im Gesundheitswesen weniger auf die steigende Lebenserwartung zurückzuführen als auf vermeidbare Volkskrankheiten. Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Übergewicht sind meist Folgen von schlechter Ernährung und mangelnder Bewegung. Während für unsere Vorfahren Fettpolster überlebenswichtig waren, wird uns die ständige Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zum Verhängnis. Schnell, billig und fettig soll es sein. Bei den Imbissketten klingeln die Kassen, und die Angebote der Convenience- Food-Abteilungen in unseren Supermärkten werden ausgebaut und immer unüberschaubarer. Ein amerikanischer Fast-Food-Gigant erwirtschaftete im Jahr 2008 allein 680 Millionen Schweizer Franken und zählt etwa 250 000 Gäste am Tag. Geschmacksverstärker, Zuckerfallen, Fett- und Salzbomben sind in unseren Nahrungsmitteln kaum mehr wegzudenken. Laut einer Studie greifen mehr Menschen auf Fertiggerichte zurück, und regelmässige Mahlzeiten innerhalb der Familie finden aufgrund von Zeitmangel und Stress immer weniger statt. Weitere Indikatoren für das mangelnde Interesse an gesunder Ernährung scheinen die hohen Preise von biologischen Lebensmitteln, Alltagszwänge und fehlende Unterstützung des Umfelds zu sein.


 

«Laut WHO gelten Erwachsene mit einem BMI zwischen 25-30 als übergewichtig.»


 

Fit statt fett
Dicksein beginne heute bereits im Mutterleib, erklärte Professor Andreas Plagemann in einem Vortrag zu Überernährung und fetaler Prägung. Fettund zuckerreiche Nahrung während der Schwangerschaft verdreifacht das Risiko des Kindes, an Übergewicht, Diabetes mellitus 2 und den daraus entstehenden Folgeerkrankungen zu leiden und die Volkswirtschaft massiv zu belasten. Studien belegen, dass diese chronischen Krankheiten ganz einfach durch bedarfsgerechte, ballaststoffreiche Ernährung und regelmässige Bewegung vermieden werden könnten. Um nachfolgenden Generationen dieses schwerwiegende Erbe zu nehmen, sollte vorbeugend und aufklärend gearbeitet werden. Die Aufklärung beginnt bereits in den Kinderschuhen. An Schulen sollten vermehrt staatliche Kampagnen zur Gesundheitsförderung lanciert werden. Der Lebensraum Schule ist geeignet zum Schaffen von Rahmenbedingungen, um Spätfolgen der Krankheit einzudämmen und langfristig Kosten zu sparen. Ernährungslehre und Lebensmittelkunde könnten mühelos in den Biologieunterricht übernommen werden, um so auf die Folgen von Mangel- beziehungsweise falscher Ernährung hinzuweisen. Und im Schulsport sollte vermehrt Ausdauer- und Muskelaufbautraining auf dem Lehrplan stehen. Die OECD nahm sich vor zwei Jahren der Volkskrankheiten Übergewicht und Fettleibigkeit an und stellte fest, dass die Gesundheitskosten fettleibiger Menschen um 25 Prozent höher liegen als jene von Normalgewichtigen. Die verwendete Messgrösse stützt sich auf den Body Mass Index, bei dem das Gewicht im Verhältnis zur Körpergrösse gemessen wird. Laut Definition der WHO gelten Erwachsene mit einem BMI zwischen 25 und 30 als übergewichtig, solche mit einem BMI höher als 30 als fettleibig. Jeder zweite Bürger der Mitgliedsstaaten wird als übergewichtig, jeder sechste als adipös eingestuft. Man geht von einer jährlichen Steigerung von einem Prozent aus.

Grün, gelb und rot schafft Abhilfe
Auch mit der Lebensmittelkennzeichnung versucht man den Kampf gegen das Übergewicht aufzunehmen. Eine Ampel auf der Verpackung zeigt an, wie viel Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz in einem Produkt enthalten sind. Rot weist auf einen hohen, gelb auf einen mittleren und grün auf einen tiefen Gehalt des entsprechenden Nährstoffes pro 100 Gramm oder 100 Milliliter hin. Für alle Lebensmittel gelten dabei dieselben Hochmittel- tief-Limiten. Zusätzlich wird auch der absolute Gehalt der angezeigten Nährstoffe pro Portion deklariert. Eine Ampel gegen Pfunde, in England seit 2008 freiwillig von vielen Herstellern betrieben, wird hierzulande zwar von vielen Konsumenten gewünscht, aber von der Industrie nicht umgesetzt, da sie Umsatzeinbussen befürchtet. Auch Politiker rennen gegen die Ampel an und reden von einer zu groben Kennzeichnung unserer komplexen Nahrungsmittel. Wer die Übersichtlichkeit des Ampelsystems selber testen will, schaut sich am besten das Portal www.codecheck.info an. Hier werden die Produkte auf die Ampel umgerechnet und wertvolle Informationen geliefert. Ampel hin oder her – wenn keine konsequente Aufklärung erfolgt, dürften die Kosten im Gesundheitswesen aufgrund dieser Erkrankungen weiter steigen. Massnahmen zur Gesundheitsförderung durch gesunde Ernährung und Bewegung sowie staatliche Regulierungen sind zwingend erforderlich, um diesem Pulverfass die Explosionskraft zu nehmen und langfristig eine gesündere Volkswirtschaft zu erreichen.

Nathalie Francio

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