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Barcodes bieten Mehrwert im Gesundheitssystem

Es gibt nichts, was man nicht noch verbessern könnte. So scheint das auch beim Schweizer Gesundheitswesen zu sein, wie eine Umfrage von GS1 network ergeben hat. 

Allgemein herrscht breite Zufriedenheit mit den Leistungen des Schweizer Gesundheitssystems. «Eines der besten der Welt» oder «Gut, aber teuer» sind pointierte Voten aus unserer Umfrage bei verschiedenen Exponenten aus Wirtschaft, Politik und Interessenverbänden. Allerdings werden auch verschiedene Bereiche ausgemacht, wo man etwas verändern könnte. Das betrifft einerseits natürlich die Kosten, aber auch bei Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette gibt es noch deutliches Potenzial. So wünscht sich ein Befragter eine «bessere Vernetzung der Leistungserbringung », ein anderer sieht das Gesundheitswesen in Sachen Datenqualität als «Entwicklungsland» an. Die Barcodes von GS1 bieten für einen Dritten da einen «echten Mehrwert».

GS1 network

 

 «Unser Gesundheitswesen ist von hoher Qualität.»

 

Christoph Meier, Direktor von santésuisseWelche Diagnose würden Sie dem schweizerischen Gesundheitswesen heute stellen? 

Der Puls ist stark und die Langzeitprognose positiv. Wir sehen aber auch Doppelspurigkeiten, zu teure oder unnötige Leistungen. Im ambulanten Bereich müssen die Versicherer identische Tarifverträge mit allen Ärzten abschliessen. Im stationären Bereich sind die Kantone als Betreiber der öffentlichen Spitäler zugleich Leistungsanbieter als auch die Zahler von 55 Prozent der Behandlungskosten. Dies führt zu Interessenkonflikten. 

Bei welchen Themen besteht konkreter Handlungsbedarf? 

Unser Gesundheitswesen ist von hoher Qualität. Diese Qualität müssen wir weiterentwickeln und sichern. Zum Beispiel müssen die Patienten vor Eingriffen vollständig und gleichzeitig verständlich über Risiken, Nebenwirkungen und die Opportunität der Massnahmen aufgeklärt werden. Auch die Effizienz kann noch verbessert werden: Die Spitäler sollten weiter spezialisieren und Überkapazitäten abbauen. Schlechte Auslastung kann zu Qualitätsproblemen und angebotsinduzierter Nachfrage führen.

Wie wirkungsvoll können die stetig steigenden Kosten gebremst werden? 

Aus freiheitlicher Sicht wäre die Aufhebung des Vertragszwanges ein adäquates Mittel, die Qualität zu steigern und das Kostenwachstum zu bremsen. Vertragsfreiheit wäre auch das Mittel, damit ein Ansturm auf Praxisbewilligungen nicht mehr automatisch zu einer Prämienexplosion führt.

Wie gut sind Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens realisiert? 

Die Patientensicherheit kann verbessert werden! Die Patienten wissen darüber zu wenig Bescheid. Das Haftpflichtrecht und die Beweislast hierzulande begünstigen die Patientensicherheit ebenfalls nicht. Bei den medizinischen Leistungen und Medikamenten braucht es noch mehr Transparenz: Patienten und Versicherer müssen wissen, wieso eine Blinddarmoperation an einem Schweizer Universitätsspital rund 7100 Franken kostet, doppelt so viel wie vielerorts in Deutschland. 

Wo liegen ideale Einsatzfelder und Nutzen der GS1 Standards im Gesundheitswesen? 

Wo viel gearbeitet und entschieden wird, passieren grundsätzlich auch Fehler. Dies insbesondere im arbeitsteiligen Gesundheitswesen mit hochkomplexen Prozessen. Verwechselte Präparate oder falsche Diagnosen können zu fatalen, irreparablen Folgen für die betroffenen Patienten führen. Die Barcodes haben die diesbezügliche Sicherheit und Überprüfbarkeit wesentlich verbessert. Ein echter Mehrwert also!

 

«Sicherheit und Transparenz sind zentrale Anliegen.»

 

Rodolpho Gerber, Leiter Gesundheitswesen bei PwC Schweiz


Welche Diagnose würden Sie dem schweizerischen Gesundheitswesen heute stellen?

Das schweizerische Gesundheitswesen bietet für die Bevölkerung eine hochwertige Versorgung an. Gleichzeitig erhöht die aktuelle Finanzierung der Versorgungsleistungen auch die Ansprüche und den Konsum. Dies führt zu den bekannten Kostenproblemen.

Bei welchen Themen besteht konkreter Handlungsbedarf?

Die Abstimmung über die Gesetzesvorlage zu Managed Care hat den Willen des Volkes bestätigt, möglichst viel Selbstständigkeit in der Wahl der Leistungserbringer und in der Beanspruchung von Leistungen zu behalten. Die Krankenversicherer müssen mit den Ärzten zusammen vermehrt in eine Rolle von «Gesundheitstreuhändern» hineinwachsen. Diese unterstützen den Patienten dabei, die für ihn bestmögliche Therapie auszuwählen. Neue Versorgungsmodelle und Technologien haben das Potenzial, Kosten zu senken und gleichzeitig die Qualität der Versorgung zu steigern.

Wie wirkungsvoll können die stetig steigenden Kosten gebremst werden?

Die Kostenentwicklung ist grundlegend durch die demografische Entwicklung und die Zunahme chronischer Krankheiten bedingt. In letzter Zeit sind einige Massnahmen der Kostendämpfung erfolgreich umgesetzt worden. Weiterer Handlungsbedarf bleibt jedoch. Wirtschaftlichkeit bedeutet, die richtige Leistung für das entsprechende Krankheitsbild zu erbringen. Die Behandlungsfreiheit der Ärzte und anderer Anbieter im Markt sollte deshalb noch stärker auf Richtlinien der «good practice» ausgerichtet werden. Ein wichtiges, bereits eingeführtes Element sind verhandelte Preise (Baserates) in der Spitalfinanzierung, welche die Spitäler zu Anpassungen zwingen werden.

Wie gut sind Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens realisiert?

Sicherheit und Transparenz sind zentrale Anliegen, da es um die Gesundheit von Menschen geht. Wir haben in unseren Projekten unterschiedliche Ausprägungen von Sicherheit und Transparenz in Bezug auf die Wertschöpfungskette festgestellt. Generell lässt sich festhalten, dass hier das Verbesserungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist.

Wo liegen ideale Einsatzfelder und Nutzen der GS1 Standards im Gesundheitswesen?

Einsatzfelder von GS1 liegen in der Supply Chain; dies kann unserer Ansicht nach einen wesentlichen Beitrag für eine durchgängige und hohe Prozessqualität im Gesundheitswesen leisten.

 

 «Bezüglich Datenqualität ist unser Gesundheitswesen ein Entwicklungsland.»

 

 Willy Oggier, Gesundheitsökonom
Welche Diagnose würden Sie dem schweizerischen Gesundheitswesen heute stellen?

Die Bevölkerung schätzt das System, insbesondere auch jenes der sozialen Krankenversicherung, deutlich mehr, als wichtige Akteure im Gesundheitswesen und in der Politik uns weismachen wollen. Schneller Zugang im ambulanten Bereich durch freie Arztwahl und eine hohe Anzahl an Spitälern mit guter Erreichbarkeit auch in ländlichen Regionen sind dabei wichtige Elemente.

Bei welchen Themen besteht konkreter Handlungsbedarf?

Die Jagd nach guten Risiken bei den Krankenversicherern und die finanziellen Verzerrungen zwischen ambulantem und stationärem Sektor sollten eingedämmt werden. Dazu bedarf es einer Verbesserung des Risikoausgleichs und über die ganze Behandlungskette gleicher Finanzierungsprinzipien. Ausserdem sollten die volkswirtschaftlichen Kosten und Nutzen stärker in den Blickwinkel geraten. Dazu bräuchte es vor allem eine Zusammenlegung von Unfall-, Kranken- und Invalidenversicherung sowie eine echte obligatorische Krankentaggeldversicherung.

Wie wirkungsvoll können die stetig steigenden Kosten gebremst werden?

Niemand will in diesem System einfach Kosten sparen. Es geht eher darum, den Nutzen der eingeschränkten Mittel zu dokumentieren und gegebenenfalls entsprechende Mittelverlagerungen vorzunehmen.

Wie gut sind Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens realisiert?

Das schweizerische Gesundheitswesen ist bezüglich Datenqualität nach wie vor ein Entwicklungsland. Was die Sicherheit betrifft, wird der Datenschutz tendenziell zu hoch und die Patientensicherheit wegen der vielen, teilweise mangelhaften Interoperabilitäts-Anforderungen zu wenig gewichtet.

Wo liegen ideale Einsatzfelder und Nutzen der GS1 Standards im Gesundheitswesen?

Das sollen die Akteure in einem regulierten Wettbewerb selbst herausfinden und vereinbaren.

 

«Im Gesundheitswesen sind die GS1 Standards nicht wegzudenken.»

 

Michael Jordi, Zentralsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz GDKWelche Diagnose würden Sie dem schweizerischen Gesundheitswesen heute stellen?

Wir verfügen über ein gutes, aber teures Gesundheitswesen mit einem umfassenden und allgemein zugänglichen Leistungskatalog. Es ist im internationalen Vergleich leistungsfähig. Die Bevölkerung ist gemäss repräsentativen Umfragen damit in hohem Masse zufrieden. Entsprechend tief ist die Reformfähigkeit in einzelnen handlungsbedürftigen Bereichen.

Bei welchen Themen besteht konkreter Handlungsbedarf?

Bei der Steuerung des Systems stellen wir zunehmend ein Auseinanderdriften von gesetzlichen Vorgaben und Aufgabenerfüllung fest. Der Gesetzgeber will einen regulierten Markt. Das heisst beispielsweise, dass die Tarifpartner aufgabengemäss verhandeln und Tarife abschliessen sollten und der Regulator, meist die Kantone oder auch der Bund, mit genügend Kompetenzen ausgestattet sind, um regulierend eingreifen zu können. Beides ist heute nicht gegeben. Weitere Herausforderungen bestehen im Fachkräftemangel, der demografischen Entwicklung, in der Qualitätssicherung der Leistungen, der Dokumentation von Kosten und Leistungen sowie in der Finanzierunggerechtigkeit des Systems.

Wie wirkungsvoll können die stetig steigenden Kosten gebremst werden?

Demografie und medizinische Entwicklung führen dazu, dass die Kosten weiterhin stetig steigen werden. Die Herausforderung liegt darin, dieses Wachstum auf ein gesellschaftspolitisch akzeptiertes Niveau zu bringen. Verbesserungen sind im Bereich der Vernetzung der Leistungserbringer möglich. Ansatzpunkt müssen auch medizinisch abgesicherte Standards für sinnvolle Behandlungsabläufe bei häufigen und chronischen (und damit meist kostenintensiven) Krankheiten sein. Eine wirkungsvollere Dokumentation und Informationsvernetzung ist dafür Voraussetzung. Das Projekt eHealth kann hier einen Beitrag leisten.

Wie gut sind Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens realisiert?

Hier besteht in der Schweiz sicherlich noch Nachhol- und Konsolidierungsbedarf. Eine nationale Qualitätssicherungsstrategie harrt immer noch ihrer Umsetzung, und auch der Aufbau von strukturierten Health Technology Assessments (HTA) wird in der Schweiz zu wenig konsequent vorangetrieben. Zudem ist die einheitliche und öffentliche Leistungs-, Kosten- und Qualitätsdokumentation noch verbesserungsbedürftig.

Wo liegen ideale Einsatzfelder und Nutzen der GS1 Standards im Gesundheitswesen?

Bei den Unmengen an Daten, welche übermittelt werden, und Prozessen, welche zur Anwendung gelangen, ist in praktisch jedem Handlungsfeld des Gesundheitswesens die Verwendung einheitlicher Standards schlicht unerlässlich. Die GS1 Standards sind dabei nicht wegzudenken.

 

«Das schweizerische Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt.»

  

Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für GesundheitWelche Diagnose würden Sie dem schweizerischen Gesundheitswesen heute stellen?

Das schweizerische Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt. Diese Qualität hat aber ihren Preis. Wir müssen deshalb die Kostenentwicklung ganz genau im Auge behalten, damit unser Gesundheitswesen finanzierbar, qualitativ hochstehend und für alle zugänglich bleibt. Was gut ist, ist schwer zu verbessern. Jeder weitere Schritt zur Verbesserung erfordert grossen Einsatz. Aber er lohnt sich.

Bei welchen Themen besteht konkreter Handlungsbedarf?

Neben den Kosten ist eines der Hauptprobleme der sich abzeichnende Mangel an Hausärzten und Pflegepersonal. Wir müssen die Frage lösen, wie wir in Zukunft eine hochstehende Pflege und Betreuung gewährleisten können – bei steigender Zahl von Pflegefällen und sinkenden Personalressourcen. Diese Situation müssen wir sehr ernst nehmen.

Wie wirkungsvoll können die stetig steigenden Kosten gebremst werden?

Die Eindämmung der Kosten ist eine permanente Aufgabe. In den vergangenen Jahren wurden insbesondere Massnahmen im Bereich der Medikamentenpreise ergriffen, und dies mit Erfolg. In Zukunft muss die Problematik vermehrt mittels Qualitätspolitik angegangen werden. Ausserdem müssen insbesondere in den Spitälern Ineffizienzen eruiert und angegangen werden. Instrumente aus dem Bereich eHealth sollen vermehrt zum Einsatz kommen.

Wie gut sind Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens realisiert?

Sicherheit ist ein zentraler Faktor im Gesundheitswesen, sei dies bei der Abgabe von Medikamenten, sei dies im Operationssaal. Abläufe müssen deshalb immer wieder hinterfragt und verbessert werden. In den Spitälern beispielsweise bestehen entsprechende Fehlermeldesysteme, die für die Sicherheit und Qualität der Behandlung sehr wichtig sind. Um sich stetig zu verbessern, braucht es auch Transparenz. Das BAG veröffentlicht deshalb seit mehreren Jahren neben den Kennzahlen der Spitäler auch Qualitätsindikatoren, mit denen sich die Spitäler untereinander vergleichen können.

Wo liegen ideale Einsatzfelder und Nutzen der GS1 Standards im Gesundheitswesen?

Ich bin gespannt zu lesen, was GS1 network uns hierzu zu sagen hat.

 

«Effizienzsteigerungen und bessere Anreizmodelle können das Kostenwachstum eindämmen.»

Walter Hölzle, Stiftungsratsmitglied der Stiftung Refdata 

Welche Diagnose würden Sie dem schweizerischen Gesundheitswesen heute stellen?

Das schweizerische Gesundheitswesen ist im Vergleich mit den industrialisierten Ländern sehr gut. Der Zugang für die Bevölkerung ist mit wenigen Ausnahmen ohne Probleme und ohne Wartezeiten möglich, und jedermann erhält eine gute Qualität an therapeutischen Leistungen.

Bei welchen Themen besteht konkreter Handlungsbedarf?

Bei der Therapie von seltenen Krankheiten gibt es Probleme in Bezug auf den gleichen Zugang zu therapeutischen Leistungen, da die Vergütung der Leistungen zum Teil individuell und nicht national geregelt wird. Der Leistungskatalog in der Grundversicherung muss zwingend überprüft werden mit dem Ziel, die Selbstverantwortung der Bürgerinnen und Bürger vermehrt zu fördern.

Wie wirkungsvoll können die stetig steigenden Kosten gebremst werden?

Grundsätzlich kann man die Ausgabenentwicklung nicht stoppen, da der demografische Wandel, die Zuwanderung und die Entwicklung von neuen hochwertigen Therapieoptionen weiter fortschreiten. Effizienzsteigerungen und bessere Anreizmodelle können jedoch das Kostenwachstum eindämmen.

Wie gut sind Sicherheit und Transparenz in der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens realisiert?

Hier gibt es ohne Zweifel ein Verbesserungspotenzial. Ich sehe in der Realisierung von eHealth-Konzepten grosse Chancen. Es ist möglich, die Effizienz mit neuen Prozessen und Technologien massiv zu steigern. Als Beispiel möchte ich den Bereich Diagnosen, Spitalabläufe, Spital/ambulant sowie Multimedikation nennen. Mit einem guten Patientendossier können viele Doppelspurigkeiten beseitigt werden.

Wo liegen ideale Einsatzfelder und Nutzen der GS1 Standards im Gesundheitswesen?

Selbstverständlich in der gesamten Logistikkette. Aber auch im Spital kann man mit den GS1 Standards den Patienten und alle therapeutischen Leistungen gleichzeitig erfassen. Dies wird die Qualität und die Sicherheit erhöhen und gleichzeitig den Aufwand erheblich reduzieren.

 

 

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