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Intralogistik im Fokus

Die neue Ausgabe der Logistikmarktstudie Schweiz erfasst erstmals auch die Intralogistik. Das Marktvolumen liegt bei rund 2,6 Milliarden Franken. Zudem wird gezeigt, wo die Unternehmen in Zukunft investieren wollen.

(as) Erstmals erfasst die von der Universität St. Gallen und GS1 Schweiz erstellte Logistikmarktstudie in ihrer Ausgabe 2012 auch die Intralogistik. «Dieser Markt war für die Schweiz noch gar nicht quantifiziert», sagt Wirtschaftsingenieurin Kerstin Lampe, die an der Uni St. Gallen die Forschungsarbeiten zum Thema mitverantwortet hat. Für sie ging es vorrangig darum, «erst einmal das Feld abzustecken». Die Angaben von rund 200 Unternehmen, davon ein Viertel Logistikdienstleister, der Rest Verlader, fanden Eingang in die Studie. Die Befragung wird alle zwei Jahre wiederholt. Laut Lampe besteht nun die Grundlage, um in Zukunft «weitere Bereiche der Intralogistik vertieft zu betrachten».

Interdisziplinäres Zusammenspiel

Für die Definition der Intralogistik folgt die Studie dem VDMA, der sie als «die Organisation, Steuerung, Für die Definition der Intralogistik folgt die Studie dem VDMA, der sie als «die Organisation, Steuerung, Durchführung und Optimierung des innerbetrieblichen Materialflusses, der Informationsströme sowie des Warenumschlags in Industrie, Handel und öffentlichen Einrichtungen» definiert. Dazu gehören Prozesse wie Wareneingang, Lagerung, Sortierung, Kommissionierung, Verpackung, Warenausgang, Verladung und Warenumschlag. Ein fester Bestandteil der Intralogistik ist zusätzlich die organisatorische, steuerungs- und softwaretechnische Vernetzung sämtlicher dazugehöriger Prozesse

Für 2010 wurde in der Studie ein Volumen des Intralogistikmarktes von 2,6 Milliarden Franken ausgewiesen. Dieser Wert ergibt sich aus der Ergebnismittelung dreier verschiedener Annäherungsverfahren. Erstens ergab eine direkte Befragung von Schweizer Intralogistikanbietern ein Marktvolumen von 2,47 Milliarden Franken. Zweitens erfolgte eine marktseitige Annäherung über Experteneinschätzungen und Sekundärdaten, die ein Volumen von 2,54 Milliarden Franken nahelegten. Schliesslich führte eine volkswirtschaftliche Annäherung über die Ermittlung des Anteils der Intralogistik am Bruttoinlandprodukt zu einem Wert von 2,8 Milliarden. Anschliessend wurde die Differenz der drei Verfahren als Bandbreite interpretiert und ein Mittelwert gebildet.

Für die Logistikmarktstudie wurde ferner die Nachfrage nach klassischen Investitionsprodukten der Intralogistik detailliert erfasst. Dazu gehören insbesondere die Bereiche Bau/Gebäude/ Klima sowie Software und Intralogistik- Einrichtungstechnik. Softwarelösungen sind in Form von Lagerverwaltungs- und Materialflusssoftware besonders wichtig für die Vernetzung sämtlicher intralogistischer Prozesse. Zur Intralogistik-Einrichtungstechnik lassen sich unter anderem Flurförderfahrzeuge, Kommissioniersysteme, Regaltechnik, (fahrerlose) Transportsysteme sowie Krananlagen zählen.

Unterschiedliche Investitionsziele

Die hier ermittelten Ergebnisse beruhen auf einer im Jahr 2011 unter Verladern und Logistikdienstleistern durchgeführten Primärerhebung. Die Befragten investierten demnach 2010 vor allem im Bereich Bau, auf den rund 46 Prozent der Intralogistikinvestitionen entfielen. Dann scheiden sich die Geister. Logistikdienstleister investieren gesamthaft gesehen rund 31 Prozent ihrer Ausgaben in Software und 23 Prozent in Einrichtungstechnik. Bei den Verladern ist es genau umgekehrt: Hier entfallen 22 Prozent der Ausgaben auf Software und 32 Prozent auf Einrichtungstechnik.

Nimmt man die Verlader genauer unter die Lupe, zeigen sich bei den genannten Investitionszielen wiederum Differenzen, die von der Betriebsgrösse abhängen. Grosse Verlader mit mehr als 250 Mitarbeitenden tätigen rund 50 Prozent ihrer Intralogistikinvestitionen im Bereich Bau, während bei kleinen (bis 50) und mittleren (50 bis 250 Mitarbeitende) Verladern in diesem Bereich nur etwa 32 bis 34 Prozent ihrer Ausgaben anfallen. Sie lassen sich dagegen Software (36 bis 38 Prozent) mehr kosten als die Grossen ihrer Zunft, die hier 19 Prozent ihrer Investitionen tätigen. Für Einrichtungstechnik setzen die verladenden Unternehmen rund 30 Prozent ihrer Investitionsmittel ein. Während aber die Gesamtheit der Verlader nur rund 42 Prozent ihrer Investitionen im Bereich Intralogistik für automatisierte und 58 Prozent für nicht automatisierte Einrichtungstechnik einsetzt, ist es bei den Logistikdienstleistern mit einem Verhältnis von 61 zu 39 Prozent ziemlich genau umgekehrt.

Mit Blick auf die Zukunft wollen Verlader und Logistikdienstleister vor allem in den nicht automatisierten Bereichen der Flurförderfahrzeuge und der Regale sowie der Regaltechnik investieren. Insbesondere bei den Flurförderfahrzeugen planen sowohl Verlader als auch Logistikdienstleister zum Teil grössere Neuinvestitionen, die mehr als 3 Prozent des jährlichen Umsatzvolumens betragen. Logistikdienstleister haben vor allem Interesse an Krananlagen; das gaben 39 Prozent der befragten Firmen an. Besonders gross ist der Bedarf an Logistiksoftware. Hier möchten 76 Prozent der befragten Verlader und 87 Prozent der Logistikdienstleister Geld ausgeben. Hingegen planen weder Verlader noch Logistikdienstleister nennenswerte Ausgaben im Bereich der autonomen Systeme, wie fahrerlose Transportsysteme oder Robotiklösungen.

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