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WebSupply: vom C-Teile- zum MRO-Management

Mit einer neuen, innovativen Logistiklösung verfolgt die 4B-Gruppe zwei Ziele. Zum einen sollen die Logistikkosten gesenkt werden. Zum anderen will man die schnelle, sichere und flexible Verfügbarkeit von C-Teilen, Hilfsmaterialien und Werkzeugen für alle Bedarfsträger gleichermassen sicherstellen: für die Produktion, die schweizweiten Stützpunkte und die rund 150 Montagefahrzeuge.

(rba) Eine Quadratur des Kreises? Keineswegs. Voraussetzung ist allerdings, dass die jeweiligen Workflows so konfiguriert und individuell zugeschnitten sind, dass die Bedürfnisse der Bedarfsträger exakt abgebildet werden. Dies bedingt den Einsatz verschiedener Bewirtschaftungssysteme. Darüber hinaus muss die neue Versorgungsideologie lagergeführte Sortimentsartikel und nicht lagergeführte C-Teile (Verbrauchsmaterialien) gleichsam integrieren können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einbindung von Drittlieferanten sowie das Crossdocking der physischen Warenflüsse, damit die Stützpunkte von Wareneingängen entlastet werden. Die Umsetzung dieser Prämissen erfordert ein durchdachtes E-Supply- Konzept. Unter dem Projekttitel «Web- Supply» hat die Inova Management AG eine entsprechende Lösung für 4B entwickelt.

Anforderungen an den Dienstleister
Um die Anzahl der Schnittstellen zwischen System und Lieferanten möglichst gering zu halten, wurde ein Dienstleister gesucht, der mit seinem eigenen Sortiment eine hohe Bedarfsabdeckung bei 4B erreicht. Im Fokus stand ein Dienstleister mit Branchenerfahrung. Dieser sollte in der Lage sein, verschiedene Bewirtschaftungssysteme über seine E-Plattform zu koordinieren und zusammenzufassen sowie die identifizierten Drittlieferanten mit ihrem Sortiment auf dieser Plattform zu integrieren. ERP-Schnittstellen sollen eine papierlose End-toend- Verarbeitung in den Prozessen zulassen (EBPP). Ein servergeführtes Content-Management mit individuellen, auf die Bedarfsträgergruppen zugeschnittenen Sortimentskatalogen soll die Verfügbarkeit verbessern und die Kosten reduzieren.
Nach einem umfangreichen Evaluationsverfahren hat sich die 4B-Gruppe für den Dienstleister SFS unimarket AG entschieden. SFS unimarket deckt den grössten Teil des Bedarfs an Werkzeugen, Befestigungsmaterialien, Beschlägen und Verbrauchsmaterial ab.

Unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme
Der Clou des SFS-Systems ist das drahtlose Übermittlungssystem der Bedarfsmeldungen via RFID. So können individuelle, automatische oder halbautomatische Auslöser eingesetzt werden. Das ganze System funktioniert über das GSM-Netz, kann aber auch direkt über einen PC an das ERP angedockt werden.
Für die Stützpunkte wird das Touchscreen- System Smart Tool® mit Scanner eingesetzt. Für die Bedarfsmeldungen aus der Produktion und dem Lager werden die Systeme pushLOG® und weightLOG® verwendet. Die Versorgung der Montagefahrzeuge erfolgt über die Stützpunkte oder direkt aus den Fahrzeugen mittels Smartphone (App) mit Scannerfunktion. Der Einsatz des optimalen Bewirtschaftungssystems wird über eine Kosten-Nutzen- Analyse bestimmt. Dabei werden die notwendigen Ressourcen sowie die Logistikkosten berücksichtigt.

Informations- und Warenfluss bei WebSupplyAnforderungen an das Sortiment
Das mit WebSupply bewirtschaftete Sortiment umfasst heute das gesamte MRO-Material für Produktion und Unterhalt, wie Werkzeuge, Befestigungsmaterial, Montagematerial und Beschläge. Für die Stützpunkte und die Montagefahrzeuge wurden Sortimente definiert. In den Stammdaten sind die Lagermengen, Mini/Maxi, Verpackungseinheiten und Bestellgrössen festgelegt. Zur Systemsicherheit werden die Stammdaten parallel auf dem ERP von 4B sowie auf der eLogistics- Plattform von SFS unimarket geführt. Die Pflege der Stammdaten und der Anwendersortimente ist das A und O für ein gut funktionierendes System. Bei 4B wird deshalb ein Sortimentsteam bestehend aus Bedarfsträgern, Beschaffern und Technikern dafür eingesetzt.

Crossdocking - Management der Warenflüsse
Um die Wareneingänge für die Stützpunkte zu reduzieren, wird sämtliches Material von SFS unimarket, von Drittlieferanten und aus der Produktion (Projektmaterial) im 4B-Zentrallager gebündelt. Dabei wird so viel wie möglich über die interne Crossdocking- Plattform abgewickelt. Das heisst, die Lieferanten liefern die Sendungen bereits verpackt und beschriftet für den jeweiligen Stützpunkt oder das betreffende Montagefahrzeug auf der Plattform an.
Die Stützpunkte werden zweimal wöchentlich mit einem Shuttle ab Zentrallager bedient. Dieser liefert das Projektmaterial für die Montageteams. Über die Crossdocking-Funktion werden nun die automatisch generierten Bedarfe diesen Auslieferungen hinzugefügt. Die Montagefahrzeuge werden im Normalfall ab den Stützpunkten bewirtschaftet. Dringender Bedarf kann aber direkt auf das Fahrzeug oder auf die Baustelle bestellt werden.

Wertschöpfungsgewinn
Mit dieser Lösung lassen sich die Prozesskosten senken und transparenter darstellen. Durch monatliche elektronische Sammelrechnungen (EBPP), welche die Kostenstelle, Projektnummer und Besteller enthalten, wird die Finanzbuchhaltung entlastet. Die Vereinfachung der Prozesse, das Wegfallen von Dispositionstätigkeiten und die Volumenbündelung durch Sortimentsstraffung reduzieren die totalen Beschaffungskosten erheblich.
Durch eine konsequente Kostenstellenverrechnung bis auf das Montagefahrzeug oder das Projekt können die effektiven Kosten richtig zugeteilt und entsprechend auch überwacht werden. Diese Transparenz ermöglicht eine effektive und effiziente Projektabrechnung. Dank dem raschen und direkten Zugriff der Produktion auf die Bedarfsauslösung kann auf Bedarfsschwankungen mit hoher Flexibilität reagiert werden. Dies verhindert Stockouts trotz einer sehr starken Saisonalität im Baunebengewerbe. Die Kapitalbindung und die Materialgemeinkosten reduzieren sich auf allen Lagerstufen, und das bei hoher Verfügbarkeit.

Fazit
C-Teile-Management alleine genügt den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Versorgungssysteme müssen verstärkt individuell auf die Bedürfnisse der Bedarfsträger angepasst werden. Die Einbindung von Dienstleistern mit dem notwendigen Know-how ist Bedingung. E-Logistik-Plattformen müssen die Integration von Drittlieferanten ohne zusätzliche Kostenfolge zulassen. Grundsätzlich stellt der Dienstleister sämtliche Infrastruktur für die Bedarfsmeldungen, wie zum Beispiel RFID-Sender oder Behälter, zur Verfügung. Dem zugrunde liegt eine entsprechend zu definierende Rahmenvereinbarung, die den Leistungsauftrag für den Dienstleister festlegt. Im aktuellen Fall belaufen sich die Kosten für die Dienstleistung auf rund 4 bis 6 Prozent des bewirtschafteten Umsatzes.

René Ballmer
Partner
Inova Management AG
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www.inova-group.com

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