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Wachstumsmarkt kombinierter Verkehr

Mit dem Ausbau des kombinierten Verkehrs ergänzt SBB Cargo das bestehende Geschäft im Wagenladungs- und Transitverkehr.Der kombinierte Verkehr – in diesem Punkt sind sich die meisten Studien einig – ist der Transport-Wachstumsmarkt in Europa. Denn die zunehmende Globalisierung führt zu einem Anstieg der in Containern beförderten Fracht. Hafen-Hinterland- Verkehre werden dadurch langfristig bedeutender, da die Seehäfen den Bahnanteil kontinuierlich steigern. Auch im innereuropäischen und schweizerischen Verkehr entwickelt sich der kombinierte Verkehr dynamisch.

(mh) SBB Cargo hat deshalb ein neues Konzept für den kombinierten Verkehr in der Schweiz erarbeitet mit einem System von Shuttlezügen nach einem festen Fahrplan. Zur optimalen Weiterverteilung der Container, die im Import/ Export per Bahn oder Schiff über den Rhein von den Nordseehäfen in die Schweiz kommen, sind zwei neue Grossterminals geplant.

Schweizweites Netz von Linienzügen mit festem Fahrplan

Genauso klein wie die Schweiz ist bisher der Marktanteil des kombinierten Verkehrs (KV) im Inland. Und das hat einen einfachen Grund: Da die Transportdistanzen relativ kurz sind, lohnt sich der Umschlag auf die Schiene oft nicht. Entsprechend schwierig ist es, eine wirtschaftliche Kombilösung für den Gütertransport zu entwerfen. SBB Cargo hat zwar bereits in der Vergangenheit kombinierte Verkehrslösungen für Kunden angeboten, die in ihrer Transportkette einen Ladeoder Entladepunkt ohne Anschlussgleis haben. Bisher waren solche Partnerschaften mit Strassentransporteuren aber vor allem Speziallösungen. Nun wird das Angebot standardisiert und damit allen Spediteuren einfach zugänglich gemacht.
Das neue Binnen-KV-Konzept sieht Linienzüge vor, die nach fixem Fahrplan die wichtigsten Verteilzentren in der Schweiz verbinden. In den Umschlagsanlagen werden Sattelaufleger und Wechselbehälter effizient verladen und die Sammlung respektive Feinverteilung der Waren übernommen. Damit lassen sich Staus auf den Strassen umfahren und enge Termine in den Logistikketten der Kunden einhalten. Eine Art «S-Bahn für Güter» mit einem schweizweiten Netz von Shuttlezügen soll den Kunden mehr Effizienz, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit für ihre Logistik bieten. Indem die Bahn den Warentransport über längere Distanzen und der Lastwagen die Feinverteilung auf den letzten Kilometern übernimmt, verbindet der kombinierte Verkehr die Vorteile von Schiene und Strasse.
Die Güterzüge der ersten Linie pendeln bereits seit Anfang 2012 zweimal pro Tag zwischen Dietikon in der Nähe von Zürich und Renens bei Lausanne. Im Juni 2013 wurde als zweite Linie der werktägliche Nord-Süd-Shuttle zwischen Dietikon und Cadenazzo mit Verlängerung nach Lugano Vedeggio gestartet, der das Wirtschaftszentrum Zürich mit dem Tessin verbindet. Schon seit September 2012 führt SBB Cargo zusätzlich einen Linienzug mit Kühlcontainern zwischen Neuendorf SO und Gossau SG. Dabei kommen flexible Wechselpritschen zum Einsatz, die aus einem Container mit Kühlaggregat bestehen und sowohl auf dem Lastwagen als auch auf einem Bahnwagen transportiert werden können. Dadurch muss die Ware bis zum Entladen nicht mehr umgeschlagen werden, was für die sensiblen Produkte schonender ist. Mit dem Ausbau des kombinierten Verkehrs in der Schweiz ergänzt SBB Cargo das bestehende Geschäft im Wagenladungs- und Transitverkehr und setzt auf neue Marktsegmente sowie langfristiges Wachstum. Statt hier nur als Traktionär unterwegs zu sein, will sich die Güterbahn auch in der Operateursrolle und dem Terminalbetrieb in Zusammenarbeit mit den Strassentransporteuren stärker in der logistischen Wertschöpfungskette positionieren.

Neue Terminals steigern Wettbewerbsfähigkeit im Import und Export

Mit dem weltweiten Trend zum Transport von Gütern in kranbaren Ladungsträgern ist in Zukunft ein starkes Wachstum im Kombinierten Verkehr auf Strasse, Bahn und Schiff in ganz Europa zu erwarten. Auch die Logistikmarktstudie Schweiz 2013, herausgegeben von GS1 Schweiz und dem Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen, bestätigt den prognostizierten Anstieg der Containertransporte. Die heutigen Terminals in der Schweiz stossen jedoch an ihre Grenzen. Sie können die zukünftige Nachfrage nach Umschlagskapazitäten nicht ausreichend befriedigen und sind zudem dezentral organisiert. Die Vielzahl vorhandener Terminals und deren Infrastruktur (kurze Gleise, geringe Umschlagskapazität, keine leistungsfähige Schienenanbindung) verhindern die direkte Bündelung von Mengen. Mit dem Bau der beiden Terminals Gateway Limmattal und Basel Nord will SBB Cargo auf das jährlich steigende Containervolumen im Import und Export und den weltweiten Trend zum Transport von Gütern in Wechselbehältern reagieren. Während das Terminal Basel Nord als Eingangstor für Containermengen vom Rhein fungiert und direkt am Güterkorridor Rotterdam– Genua liegt, soll das Gateway Limmattal der zentrale Umsteigebahnhof für Container mit einer direkten Anbindung an das Schweizer Binnennetz werden. An beiden Standorten werden die Container umgeschlagen und anschliessend in der Schweiz feinverteilt.
Die Wirtschaft profitiert dabei von verschiedenen Vorteilen: Dank moderner Anlagen, wie beispielsweise der Ausstattung mit 700 Meter langen Gleisen, und optimaler Einbindung ins Schweizer Schienen- und Strassennetz, kann die Sammlung respektive Verteilung maritimer Sendungen zu attraktiven Preisen erfolgen. Heutige aufwendige und teure Rangierarbeiten entfallen, die Container werden durch moderne, automatisierte Krananlagen effizient umgeschlagen. Damit kann die Umschlagsdauer signifikant reduziert werden. Die Wagen, die in fixen Shuttlezügen zwischen den Seehäfen und der Schweiz hin- und herfahren, können schneller abgefertigt werden. So lassen sich die Standzeiten reduzieren und die Verfügbarkeit des Rollmaterials erhöhen.
Mit diesem Terminalkonzept und der konstanten Weiterentwicklung der KV-Angebote bietet SBB Cargo ihren Kunden ein schnelles, zuverlässiges und kostengünstiges Umschlags- und Transportangebot. Die Wettbewerbsfähigkeit des Eisenbahngüterverkehrs wird dadurch gesteigert: Die Güter bleiben möglichst lange auf der Schiene. Ausserdem wird so Wertschöpfung in der Schweiz generiert und die Verlagerung gefördert.

Martin Haller
Leiter Kombinierter Verkehr
SBB Cargo

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