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Standards unterstützen Fairtrade

Standards unterstützen FairtradeNachhaltiger Konsum liegt im Trend; denn immer mehr Verbraucher legen Wert darauf, dass Produzenten und Händler sozial verantwortlich und umweltbewusst agieren. Zur Orientierung dienen Labels wie das Fairtrade-Siegel. Die GS1 Standards stellen sicher, dass solche Produktbezeichnungen halten, was sie versprechen.

Die Fairtrade-Standards beinhalten strenge soziale, ökologische und ökonomische Mindestanforderungen. Die Einhaltung dieser Anforderungen überprüft unter anderem das Zertifizierungsunternehmen FLO-CERT. Das Un Unternehmen will die Beachtung der Fairtrade-Regeln über alle Partner der Wertschöpfungs- und Lieferkette lückenlos und effizient nachvollziehen können. Dabei spielen die GS1 Standards eine wichtige Rolle.

GS1 Standards als Basis

Als Basis für die Prüfung der Geschäftsabläufe bei den Produzenten und Händlern dienen die gemeldeten Transaktionsdaten. Dazu werden die Informationen von Lieferscheinen und Rechnungen in spezielle Excel-Formulare übertragen. Die Unterlagen werden gesammelt, einmal im Jahr vor Ort von einem FLO-CERT-Mitarbeiter mit den Daten des Produzenten abgeglichen und anschliessend von Hand in einer zentralen Datenbank erfasst. Eine präzise und vor allem eine zeitnahe Kontrolle ist mit dieser Vorgehensweise kaum möglich. Deshalb sollte eine Anpassung erfolgen mit den klaren Zielvorgaben: Umstellung von der manuellen Transaktionsdatenerfassung und der Verwendung von Excel-Vorlagen auf einen komplett EDI-gestützten, automatisierten Prozess.
Im Rahmen eines Praxisprojekts wurden zunächst die Fairtrade-Transaktionsdatenmeldungen des Blumenimporteurs Omniflora an FLO-CERT umgestellt. Zum Einsatz gelangen integrierte Prozesse und etablierte EBusiness- Standards. Das Projekt wurde von GS1 Germany im Rahmen der Prozeus- Initiative aktiv begleitet. Als Basis mussten alle Transaktionsinformationen eindeutig dem Händler und den Produkten zugeordnet werden. Des Weiteren galt es, die Fairtrade- Produktbezeichnungen und die marktüblichen Handelsbezeichnungen eindeutig miteinander in Beziehung zu bringen. Als Übersetzungsstandard setzte FLO-CERT auf die Global Trade Item Number (GTIN).

 

«Durch die Einführung des elektronischen Datenaustauschs im EANCOM-Format zwischen FLO-CERT und den weltweit ansässigen Fairtrade-zertifizierten Organisationen versetzen wir uns zum ersten Mal in die Lage, nahezu kostenfrei einen wesentlichen Teil der für die Zertifizierung unerlässlichen Informationen in Echtzeit und in grosser Vollständigkeit und Korrektheit zu erfassen.»


Till Wille, Head of IT, FLO-CERT GmbH

 


Excel ade!

Um auch den automatisierten Versand und Empfang von elektronischen Rechnungen im Nachrichtenstandard EANCOM® zu ermöglichen, setzt das Zertifizierungsunternehmen eine Konvertersoftware ein, welche die Daten aus der firmeneigenen Anwendung in das genormte Datenformat bringt. Der Rechnungsnachrichtenstandard INVOIC enthält alle Informationen, die FLO-CERT für einen Abgleich der Daten des Schnittblumenimporteurs mit den Daten der Produzenten benötigt. Der Nachrichtenstandard EANCOM® bildet einen guten Ausgangspunkt für den Einsatz weiterer Nachrichtenformate. So können zu einem späteren Zeitpunkt ORDERS (Bestellungen) und DESADV (Lieferavis) ergänzt werden. Eine Kopie des Lieferavis kann dann elektronisch an FLO-CERT geschickt werden, was eine genaue Mengenkontrolle ermöglicht.
Um den Datenabgleich auch bis zum Produzenten zu optimieren, unterstützt Omniflora einen kenianischen Rosenlieferanten dabei, seine Rechnungsstellung auf EDI umzustellen. Dazu kennzeichnet der Produzent mit der Global Location Number (GLN) sein Unternehmen und bildet damit die GTIN, um seine Produkte eindeutig zu identifizieren. So erfolgt der Datenaustausch im Rahmen der Zertifizierung zwischen Händler und Produzent und der nachfolgenden Inspektion durch FLO-CERT schneller, durchgängiger und kostengünstiger.

Nutzen und Wirtschaftlichkeit

Die Zahlen sprechen für sich. Pro Jahr meldet Omniflora 6000 Transaktionen an FLO-CERT. Die Tendenz ist steigend. Die Verarbeitung einer Transaktion kostete den Blumenimporteur laut eigenen Angaben bisher 1,58 Euro. Das sind jährlich 9480 Euro. Mit der Einführung standardisierter E-Business- Prozesse senkt FLO-CERT die Kosten für die Verarbeitung einer Transaktion auf unter 0,20 Euro. Das ergibt direkte Einsparungen von rund 8280 Euro pro Jahr.
Neben Omniflora melden auch weitere Importeure Fairtrade-Transaktionen an FLO-CERT. Das jährliche Gesamtaufkommen liegt heute schon bei mehr als 70 000 Transaktionen. FLO-CERT erwartet, dass in naher Zukunft mindestens die Hälfte aller Transaktionen auf GS1 Standards und EDI umgestellt wird. So erscheint eine Kostenersparnis von 48 000 Euro pro Jahr realistisch. Der Return on Investment wird, vorsichtig geschätzt, innerhalb von zwei Jahren erreicht.
Die Softwarelösung wird nun allen Fairtrade-Produzenten ohne Lizenzgebühr zur Verfügung gestellt, womit ihnen der Einstieg in die standardisierte Geschäftskommunikation kostenlos ermöglicht wird. Viele Fairtrade- Partner überwinden dank den GS1 Standards eine Hürde in der Entwicklung hin zu weltweit nachhaltigem Handeln.

Joachim Heldt



FLO-CERT
Die FLO-CERT GmbH ist ein unabhängiges, international tätiges Zertifizierungsunternehmen mit Kunden in mehr als 70 Ländern. Hauptgeschäft ist die Zertifizierung von Produzenten im Rahmen sozial-ökonomischer Standards der Fairtrade- Labeling Organization e.V. (FLO e.V.). FLO-CERT agiert als 100-prozentiges Tochterunternehmen von FLO. Die Fairtrade-Standards sollen sicherstellen, dass die Produktionsweise und der Handel von Produkten und wie Kaffee, Blumen, Fruchtsäften und Bananen verantwortungsvoll erfolgen – auch im Hinblick auf soziale, ökonomische und ökologische Belange. Produzenten und Händler haben sich an klare Mindestanforderungen zu halten. Nur dann dürfen ihre Produkte mit dem Fairtrade- Siegel ausgezeichnet werden. 

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