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Trade Compliance: wichtiger denn je

Lieferketten werden immer komplexer. Gleichzeitig nimmt auch die Regulierung des internationalen Handels stetig zu. Als Folge davon müssen Unternehmen heute beim Supply Chain Management immer weitreichendere regulatorische Massnahmen berücksichtigen. Bei der Handhabung ihrer Handelsdaten und der Gewährleistung der Trade Compliance sollten sie auf eine professionelle Lösung setzen.
 

Verarbeitende Betriebe beziehen Rohmaterialien heute immer öfter aus der ganzen Welt und verschicken ihre fertigen Produkte rund um den Globus. Für viele Unternehmen bedeutet dieser globalisierte Markt eine grosse Chance. Damit ein Unternehmen aber wirklich davon profitieren kann, benötigt es die richtigen Lieferketten. Diese werden immer komplexer und damit anfällig für Fehler. Die Liste möglicher Schwierigkeiten ist entsprechend lang: Versorgungsengpässe und Verzögerungen bei der Auslieferung, steigende Kosten, längere Vorlaufzeiten, geringere Flexibilität, Unsicherheit bei der Finanzplanung und schliesslich der Verlust von Marktanteilen. Solcherlei Probleme können sich Unternehmen im heutigen Wettbewerbsumfeld aber kaum noch leisten, denn der finanzielle Schaden nimmt schnell bedrohliche Ausmasse an - vom Imageverlust ganz zu schweigen.

Stets neue Vorschriften und Regulierungen
Erschwerend kommt hinzu, dass sich Unternehmen mit immer neuen Regulierungen konfrontiert sehen. So sind die Vorschriften bezüglich der Warenbezeichnung «Swiss made» heute strenger und werden auch konsequenter umgesetzt. Aber auch im Zusammenhang mit Sanktionslisten müssen Unternehmen in vielen westlichen Staaten stets wechselnde Vorschriften beachten. Im Fall der Ukrainekrise gilt es derzeit etwa, die gegen Russland verhängten Sanktionen zu berücksichtigen. Verboten ist unter anderem die Ausfuhr von sogenannten Dual- Use-Gütern, Waren also, die sowohl zu militärischen wie auch zu friedlichen Zwecken verwendet werden können.
Was sich zunächst einfach anhört, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als komplexe Aufgabe. Ist eine Röntgenröhre ein Dual-Use-Gegenstand? Ein Maschinenbauteil? Ein pharmazeutisches Produkt? Personen, die sich nicht mit den Bestimmungen zu Dual- Use-Gütern auskennen, verlieren hier schnell den Überblick.
Wie bei Versorgungsengpässen und Verzögerungen sind die Schäden auch im Falle einer Nichtbeachtung von Sanktionen oder Vorschriften schnell mit hohen Kosten verbunden. So wurde in den 1990er-Jahren etwa die Firma VonRoll mit einer Geldbusse in der Höhe von einer halben Million Schweizer Franken für unerlaubte Materiallieferungen in den Irak belegt.
Das Beispiel zeigt, dass in Bezug auf Regulierungen und Vorschriften Sorgfalt geboten ist. Gleichzeitig eröffnen neue Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und ihren Handelspartnern, wie etwa jenes mit China, das seit dem 1. Juli 2014 in Kraft ist, neue Chancen. Hier gilt es, das Einsparungspotenzial auf der Einkaufsseite durch Vermeidung von Zollabgaben sowie das neue Absatzpotenzial in China aufgrund der Gleichstellung mit chinesischen Herstellern vollumfänglich zu nutzen.
 
Eine moderne Lösung ist gefragt
Unternehmen mit globalen Lieferketten sind offensichtlich mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Um den langfristigen Erfolg sicherzustellen, sind sie deshalb darauf angewiesen, zu jeder Zeit einen umfassenden Überblick über sämtliche Handelsdaten sowie die regulatorischen Massnahmen seitens in- und ausländischer Behörden und Zollverwaltungen zu haben. Nur so sind Unternehmen heute noch in der Lage, sich anbahnende Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.
Das bedingt einerseits ein modernes IT-System, um die rapide zunehmende Menge an internen und externen Daten zugänglich zu machen. Das ist nach wie vor alles andere als selbstverständlich: Erstaunlich viele Unternehmen arbeiten bei der Handhabung ihrer Handelsdaten nach wie vor mit Tools wie zum Beispiel Excel. Bedenkt man, wie rasant die Datenmenge in den letzten Jahren zugenommen hat und welche Konsequenzen auf dem Spiel stehen, dann erscheint es geradezu leichtsinnig, mit derart veralteten Instrumenten und Methoden zu arbeiten. Eine moderne IT-Lösung ist heute ein absolutes Must.
Mit einem neuen IT-System ist es aber nicht getan: Damit Unternehmen wirklich davon profitieren, braucht es auch die richtigen Mitarbeitenden. Denn eine effiziente Trade Compliance besteht aus weit mehr als nur der Software. Gefragt sind Spezialisten an der Schnittstelle zwischen Logistik, Recht, Zoll und IT, die sich einerseits mit den geltenden Bestimmungen und Vorschriften im Bereich des internationalen Handels auskennen und andererseits über die nötigen IT-Kenntnisse verfügen, um entsprechende Lösungen erfolgreich im Unternehmen zu implementieren. Davon gibt es nicht viele, denn Trade Compliance ist ein relativ junges Fachgebiet. Mit anderen Worten: Es herrscht ein Mangel an entsprechenden Fachkräften.
 
Kooperation mit einem externen Anbieter
Was können Unternehmen tun? Eine Möglichkeit besteht darin, geeigneten Mitarbeitenden entsprechende Weiterbildungen zu ermöglichen, um das Know-how intern aufzubauen. Das aber braucht seine Zeit. Kurzfristig hilft dieser Ansatz nicht weiter. Eine gangbare Alternative ist deshalb die Implementierung der Trade Compliance durch einen externen Logistikspezialisten. Das bietet eine ganze Reihe von Vorteilen:
  • Externe Anbieter verfügen nicht nur über das nötige Know-how, sondern auch über die entsprechenden Kapazitäten, um das Leistungspensum den Anforderungen anzupassen. Dadurch gewinnen Unternehmen die Flexibilität, auch kurzfristig auf veränderte Situationen zu reagieren.
  • Da externe Logistikanbieter meist für mehrere Unternehmen dieselben Leistungen erbringen, können Letztere in der Regel von Synergien profitieren.
Und schliesslich kommen Unternehmen durch eine enge Zusammenarbeit mit ihren Dienstleistern in den Genuss eines Know-how-Transfers. Im Idealfall kann das Unternehmen nach einer Übergangszeit die Trade Compliance so selber übernehmen oder nur noch für Ausnahmefälle einen Spezialisten beiziehen.
Durch die Zusammenarbeit mit einem externen, auf Trade Compliance spezialisierten Logistikdienstleister kann ein Unternehmen die benötigten Kapazitäten schaffen, um innerhalb kurzer Zeit eine professionelle Trade Compliance aufzubauen. In der Folge kann es dann die eigenen Kapazitäten in diesem Bereich sukzessive ausbauen und ist so schliesslich in der Lage, die Bewirtschaftung der eigenen Handelsdaten vom Dienstleistungsanbieter zu ¸bernehmen.
 
Trade Compliance hat viele Vorteile
Eine moderne Trade Compliance ist heute unabdingbar, um sich vor potenziellen Schäden zu bewahren. Aber das ist nicht alles. Durch die umfassende Übersicht über die eigenen Handelsdaten eröffnen sich Unternehmen ganz neue Möglichkeiten. So sichert eine saubere Trade Compliance den Erhalt des Status «ermächtigter Ausführer» gemäss Artikel 13 der Verordnung 946.32 über das Ausstellen von Ursprungsnachweisen, wodurch Unternehmen erheblichen Aufwand bei der Ausfuhr von Waren einsparen können.
Ein weiterer Vorteil der Transparenz bei den Handelsdaten ist, dass es Unternehmen wesentlich leichter fällt, die Bedingungen im Rahmen von Freihandelsabkommen wie etwa jenem zwischen China und der Schweiz zu erfüllen und so von diesen zu profitieren. Mit anderen Worten: Mit einer modernen Trade Compliance verschaffen sich Unternehmen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Wer hingegen nicht mitzieht, riskiert, von der Konkurrenz abgehängt zu werden.
 
Simon Ulmann
 
 
 

Über den Autor
Simon Ulmann ist Vice President Sales and Marketing bei Agility Area Western Europe und verfügt über extensives Wissen in den Bereichen Logistik und Supply Chain Management. Neben seiner beruflichen Tätigkeit unterrichtet er unter anderem an der FHNW, wo er im Rahmen des Bachelorstudiengangs International Business Management die Vorlesung zum Thema Supply Chain Management hält.

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