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Wege durch den Bildungsdschungel

Das wachsende Aus- und Weiterbildungsangebot verunsichert viele. Wer sich jedoch die nötige Zeit nimmt, um im Bildungsdschungel die Orientierung zu gewinnen, findet das individuell passende Bildungsangebot.

Die Bildungslandschaft der Schweiz hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt und ein Ende dieser Dynamik ist vorerst nich abzusehen. Die wichtigsten Gründe dafür sind die Hochschulentwicklung, die weiter voranschreitende Globalisierung und die zunehmnde Ausdifferenzierung unser Wirtschaft drei Gründe die miteinander zusammenhängen.

Wachsendes Bildungsangebot
Seit der Einführung der Fachhochschulen im Jahr 1997 hat sich der Hochschulsektor spürbar ausgedehnt. Gleichzeitig hat der staatliche Leistungsauftrag ein fast explosionsartiges Wachstum an Weiterbildungsprogrammen der (Fach-)Hochschulen eingeleitet. Zudem haben die Hochschulen im Zuge der Globalisierung die angelsächsische Bildungssystematik mit deren Abschlussbezeichnungen Bachelor und Master übernommen. Da die Schweiz richtigerweise nicht allein auf Hochschulen setzen will, hat auch die höhere Berufsbildung reagiert. Sie hat mit   beispiellosem Engagement ihre Tugend, die Praxis- und Berufsorientierung, weiter kultiviert und den Hochschulen ebenbürtige Weiterbildungsangebote kreiert.

Vielfalt als Chance begreifen
Um im globalen Wettbewerb ihre Spitzenposition halten zu können, müssen Schweizer Unternehmen ihr Know- how weiterentwickeln. Wenn sich das Know-how vergrössert und ausdifferenziert, muss die Bildungslandschaft analog reagieren und ihr Sortiment ebenfalls vergrössern und ausdifferenzieren. Die Bildungslandschaft der Schweiz mit ihrer Vielfalt und Fülle ist deshalb die einzig richtige Antwort auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz.
Dennoch ist regelmässig die Klage zu hören, die schweizerische Bildungslandschaft sei ein Dschungel, in dem man sich kaum noch zurechtfinde. Unser Bildungsreichtum wird als Qual erlebt, da er einem die Wahl aufbürdet. Wir sind jedoch der  Auffassung, der Bildungsdschungel sei ein Glück und
ein Garant dafür, dass sich in der Schweiz jene Qualifikationen erwerben lassen, dank denen unsere Wirtschaft auch morgen an der Spitze stehen wird. Schliesslich ist unsere wissensbasierte Volkswirtschaft auf ein hervorragendes Bildungsangebot angewiesen.

Zugegeben, die Suche nach einem passenden, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Bildungsangebot kann viel Zeit in Anspruch nehmen, muss man doch unter Umständen viele Broschüren und Websites durchackern. Doch ist es nicht ein Luxus, zu wissen, dass ein gewünschtes Angebot mit grosser Wahrscheinlichkeit tatsächlich besteht? Da lohnt sich der vielfach grosse Such- und Evaluationsaufwand allemal, um das beste Angebot zu finden. Lieber ein schwer durchschaubarer Bildungsdschungel als eine Bildungswüste ohne Wahlmöglichkeiten.

Die richtige Wahl treffen
Natürlich tummeln sich im Bildungs- markt der Schweiz nicht nur weisse Schafe und deshalb ist bei der Suche nach einem passenden Bildungsangebot Sorgfalt geboten. Zunächst muss man sich mit dem angestrebten Ziel auseinandersetzen.«Wie viel Zeit und finanzielle Mittel kann und will ich einsetzen?»
Qualifikationen, die einen beruflichen Aufstieg vorbereiten oder begleiten sollen, sind meist von längerer Dauer und kosten daher oft eine Stange Geld.
Geht es darum, sich im angestammten Job fit zu halten und die Arbeitsmarkt- fähigkeit zu sichern, können kürzere Bildungsmassnahmen wie Kurse und Seminare zielführend sein. Welche Massnahme auch immer zum Ziel passend  erscheint,  der  Preis  sollte  nicht das Hauptkriterium sein. Was gut ist, kann teuer sein. Bedauerlicherweise ist aber nicht alles gut, was teuer ist.

Bei der Aufstiegsqualifikation ist man in der Schweiz mit Angeboten der höheren Berufsbildung (eidg. Diplome,
eidg. Fachausweise, Diplome und Nachdiplome höherer Fachschulen HF) oder der schweizerischen Hochschulen auf der sicheren Seite. Bildungsabschlüsse der höheren Berufsbildung tragen das Kürzel «eidg.» im Titel, was im Arbeitsmarkt für breite Anerkennung sorgt. Hochschulprogramme führen zu Bachelor- oder Mastertiteln, die auch sichere Werte darstellen. Um dann noch die Nuancen in der Wertigkeit schweizerischer Bildungsanbieter zu ermitteln, empfehlen wir, sich unbedingt bei Vorgesetzten, Kollegen und HR-Fachleuten nach dem Ruf eines Bildungsanbieters zu erkundigen.
Bei Kursen und Seminaren ist die Bezeichnung des Abschlusses von geringer Bedeutung. Der Bildungsnachweis muss beschreiben, welche Qualifikation man sich angeeignet hat. Weil jedoch der Bildungsabschluss weniger wichtig ist, muss man umso mehr auf die Reputation des Bildungsanbieters achten.
 
Vorsicht bei ausländischen Anbietern
Bei ausländischen Bildungsanbietern ist Vorsicht angebracht, da hier die Qualität deutlich stärker variiert als bei schweizerischen Anbietern. Es gibt manches Bildungsangebot, auf dem beispielsweise "Bachelor" draufsteht, aber keiner drin ist. Dieser Titel ist nich geschützt, weshalb er teilweise missbraucht wird. Wir raten, im Umgang mit internationalen Anbietern anerkannte Ranglisten (zum BeispielRankings von Financial Times,Business Week,Times usw. )
zu konsultieren. Und wir empfehlen auch hier, das berufliche Umfeld zu befragen. Findet man einen Bildungsanbieter in den anerkannten Ranglisten nich und kennen ihn auch Vorgesetzte, Kollegen und HR-Fachleute nicht oder rümpfen gar die Nase, ist Abstand zu nehmen.Vorsicht ist auch beim Prädikat «international anerkannt» angebracht. Ein Bildungsabschluss, der im AUsland anerkannt und entsprechend beworben wird, kann gut und gerne in der Schweiz und anderen bedeutenden Industrieländern nicht anerkannt sein. Die sogenannte internationale Anerkennung wird unseres Erachtensohnehin in ihrer Bedeutung oft überschätzt. Wenn es sich nicht um geschützte Berufe handelt, wie zum Beispiel Architekt, ANwalt, Wirtschaftsprüfer usw. gibts es keine Stelle, die nationale Anerkennung verfügt und erst recht keine internationalen.

Letztlich ist entscheidend, ob ein Bildungsabluss im relevanten Arbeitsmarkt die ihm zustehende Werschätzung erfährt. Und hier schliesst sich der Kreis mit einem weiteren Argument für unsere vielfältige Bildungslandschaft: Schweizerische Bildungsabschlüsse geniessen einen guten Ruf und eine hohe Wertschätzung im In- und Ausland.

Peter Petrin

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