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Handel im Wandel

Es ist nichts Neues: Der Handel steht vor grossen Herausforderungen und ist mehr denn je gefordert, neue Strategien zu entwickeln und umzusetzen, um am Markt mitspielen zu können. Die Trendstudie «Zukunft des stationären Handels» des Instituts 2b Ahead Think Tank liefert einen Ausblick, wie sich der Markt bis ins Jahr 2020 entwickeln wird.

Schuld am Dilemma des Handels ist der Wertewandel bei der Kundschaft. Dabei spielt die Vertrauensfrage eine zentrale Rolle. Vor dem Mobil-Hype schenkten wir dem Verkäufer oder der Fachberaterin unser Vertrauen. Heute sind es die digitalen Assistenzsysteme, die unser uneingeschränktes Vertrauen geniessen. Das Smartphone ist unser Berater und treuer Einkaufsbegleiter. In Zukunft wird es verstehen, wie sein Besitzer «tickt» und welche Bedürfnisse ihn treiben.

Store 4.0
Wie sich der Markt in Zukunft entwickeln wird, zeigen weltweite Pilotprojekte, die den Fortschritt und das Umdenken verdeutlichen. Hier einige Beispiele:

QR-Code Shopping
Chinas grösster Online-Lebensmittelhändler Yihaodian hat in U-Bahn-Stationen die ersten QR-Code-Supermärkte eröffnet. Lebensmittel einkaufen ganz einfach: Auf Werbeplakaten sind die Produkte mit einem QR-Code abgebildet. Code mit dem Handy scannen und Bestellvorgang bestätigen. Die Einkäufe werden innerhalb von 24 Stunden direkt nach Hause geliefert.

Mobile Shops
Das japanische Kleidergeschäft Uniqlo hat einen Lkw in einen mobilen Pop-up-Store umgebaut. Er fährt mit einer Sortimentsauswahl durch die Stadt New York und hält in belebten Gegenden. So haben die Konsumenten die Möglichkeit, die neuste Kleiderkollektion zu begutachten. Die Tour wird als Event inszeniert. An den verschiedenen Stopps werden Konzerte und Partys rund um den fahrenden Pop-up-Store durchgeführt. Zusätzlich wird die Fahrt durch Bloggerberichte und Live-Webcasts vermarktet.

Virtuelle Geschäfte
In Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Ogilvy & Mather hat Yihaodian zahlreiche virtuelle Shops eröffnet, die auf Augmented Reality basieren. Die Produkte sind als Augmented-Reality-Objekte auf dem Mobiltelefon-Bildschirm ersichtlich. Per Klick wird eingekauft, innerhalb von 24 Stunden erfolgt die Lieferung. Die virtuellen Shops können sich an x-beliebigen Orten befinden, egal ob in Parks, in der Nähe von Sehenswürdigkeiten oder in Wohn-siedlungen.

Geofencing
Geofencing bezeichnet ein System der ortsbasierten Kundenansprache. Sobald sich der Kunde in der Nähe eines Geschäfts befindet, erhält er Informationen zu Neuheiten, Aktionen und Sonderangeboten direkt auf sein Mobiltelefon geschickt. Der Anzeiz: Die Angebote sind nur einige Stunden gültig. Neue Ansätze zielen darauf ab, nicht nur den Ort miteinzubeziehen, an dem sich eine Person befindet, sondern auch ihre Gewohnheiten und Vorlieben.

Digitale Brille
Digitale Brillen sollen neuartige Shop-ping-Möglichkeiten bieten. Neben der Optimierung ortsbasierter Shopping-Anwendungen wie Geofencing, QR-Code Shopping und Einkaufen über Augmented Reality sollen sie zukünftig auch über Objekterkennungspro-gramme verfügen. Als Zukunftsvision ist es denkbar, dass die digitale Brille Produkte im Blickfeld scannt und anhand des Designs die Marke und das Modell erkennt. Dann reicht ein Klick, um das Produkt online zu bestellen.

Shopping als Hightech-Erlebnis
Der Burberry Flagship-Store in London ist ein digitaler Erlebnispark. Der Onlineshop wird zum Leben erweckt. Riesige Bildschirme hängen an den Wänden und spielen Videos und Livestreams. Die Kleidungsstücke sind mit RFID-Chips ausgerüstet und können mit den digitalen Elementen im Shop interagieren. Nähert sich der Kunde mit dem Kleidungsstück einem der zahlreichen Bildschirme oder Spiegel, erkennt der Sensor den Chip und startet ein Produktvideo, liefert Zusatzinformatio-nen und personalisierte Empfehlungen.

Der digitale Spiegel
Uniqlo hat in der Filiale in San Francisco einen digitalen Spiegel installiert. Sobald der Kunde vor dem Spiegel steht, kann er erst mal das gewünschte Kleidungsstück digital an- und alle Farben durchprobieren. Die virtuelle Anprobe kann auch über Social Media geteilt und bewertet werden. Der nächste Schritt ist Augmented Reality, dann werden die Kleider gleich auf den Körper projiziert.

Kombination von stationärem Handel und Onlinehandel
Vermehrt integrieren auch stationäre Händler E-Commerce-Funktionalitäten in das Verkaufsgeschäft. Die Kaufhauskette Marks & Spencer hat in ihrer Filiale in Amsterdam LED-Grossbildschirme installiert. Kunden können so das umfangreiche Kleiderangebot durchstöbern. Die digitalen Bildschirme simulieren Kleiderständer, auf denen die Kleidungsstücke in Originalgrösse angezeigt werden. So wird das Angebot um zusätzliche Modelle und Farboptionen erweitert.

Bezahlen 4.0
Auch neue Bezahlmöglichkeiten sind auf dem Vormarsch. Sie sollen die zum Teil langen Wartezeiten an der Kasse reduzieren. Getestet werden auch neue Technologien, die eine Bezahlung via Gesichtserkennung ermöglichen. Die finnische Firma Uniqul hat ein Table-System entwickelt, das dank einer eingebauten Gesichtserkennungstechnologie den Kunden identifiziert und auf die hinterlegten Kontoinformationen zugreifen kann. Erkennt das System den Kunden, wird der Bezahlvorgang ausgelöst.

Indoor-Navigation
Mit den Indoor-Navigations-Apps sollen sich die Kunden besser und schneller in der Verkaufsfiliale zurechtfinden. Bei der App «Aisle 411» gibt der Kunde einfach seine Einkaufsliste ein und über sein Smartphone wird ihm die optimale Route angezeigt, die ihn auf kürzestem Weg zu allen Produkten führt. Die App verfügt gleichzeitig über eine Geofencing-Funktion. So kann der Händler den Kunden an einzelnen Verkaufs- regalen ansprechen und auf Angebote hinweisen.

Die Beispiele zeigen, dass sich auf dem Markt einiges tut. Welche Ideen und Erfindungen sich durchsetzen und was auf der Strecke bleibt, werden wir in den nächsten Jahren sicher erfahren. Es bleibt spannend.

Joachim Heldt

 

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