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Potenziale für E-Health made in Switzerland

Potenziale für E-Health made in SwitzerlandLaut dem Bundesamt für Statistik in Neuenburg (BFS) haben sich in den letzten 20 Jahren die Gesundheitskosten in der Schweiz verdoppelt. Im Jahr 2014 beliefen sich die Gesamtkosten auf 74,6 Milliarden Franken. Bis 2030 wird eine weitere Steigerung um 60 Prozent prognostiziert.

Im Bereich E-Health gilt die Schweiz in Europa als Vorreiter und hat frühzeitig die Einsparpotenziale erkannt. Die explosionsartige Steigerung der Gesamt- kosten im Gesundheitswesen ist auf den demografischen Wandel zurückzuführen, also die längere Lebenserwartung in der Gesellschaft. Damit verbunden steigt die Zahl von chronisch Erkrankten stetig. Laut Obsan sind gut 80 Prozent der direkten Kosten im Gesundheitswesen auf chronische Krankheitsbilder zurückzuführen. Die indirekten Kosten, die zu Lasten der Volkswirtschaft gehen, dürften bei rund 40 Milliarden Franken im Jahr liegen.

Mitte 2015 wurde das Gesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) vom Parlament verabschiedet. Seit 2017 in Kraft, bietet es den gesetzlichen Rahmen für das elektronische Patientendossier (EPD). Laut Dobrev, Rissi, Stroetmann ist die kumulative Ersparnis mit 1,6 Milliarden Franken zwischen 2011 und 2031 zu beziffern.

Digitalisierung hält bei allen Ärzten Einzug
Der traditionelle Weg eines Patienten führte ihn bis dato vom Hausarzt zum Spezialisten, zu behandelnden Ärzten in der stationären Medizin und war stets durch mehrere Überweisungen und Anmeldevorgänge unterbrochen. So wurde ein Patient rund vier Mal während eines Behandlungspfads physisch aufgenommen, er musste etwa fünf Mal Termine absprechen und wur- de wiederum vier Mal neu zugewiesen. Zudem mussten verschiedene Berichte noch per Post ausgetauscht und versendet werden.

Die umfassende Digitalisierung unter Vereinheitlichung und Standardisierung des Datenaustausches und in Verbindung mit Smartphones, Wearables und dem elektronischen Patientendossier (EPD) hat das Potenzial, die Kosten ganzheitlich zu senken und die Wege zwischen Patienten und Ärzten zu verkürzen. E-Health stellt den Patienten konsequent in den Mittelpunkt – lückenlose patientenzentrierte Prozesse sind das Ziel dieser Strategie. Das EPD ist das geeignete Mittel, um eine patientenbezogene Akte übergreifend den verschiedenen behandelnden Ärzten bereitzustellen und dafür zu sorgen, dass nicht mit jeder Behandlung neue Datenbestände aufgenommen werden müssen. Das spart Zeit und Geld und trägt ganz wesentlich zu mehr Effizienz bei.

Durch die stetige Überwachung der Vitalfunktionen von akut oder chronisch erkrankten Personen werden die Daten über den gesamten Krankheitsverlauf hinweg angereichert, was die Kooperation aller Dienstleister erleichtert. Am Anfang steht meist ein telemedizinischer Anbieter als Erstansprechpartner, der sowohl für einfache Fragen zur Verfügung steht als auch eine Notfallsituation lösen kann. Terminabsprachen werden interaktiv gehandhabt und auch die Konsultation mit dem Arzt findet über eine Videoschaltung statt – aufwendige Terminierungen und Präsenztermine treten in den Hintergrund. Dieser digitale Patientenpfad stellt einen neuen Standard in einer digitalen, aber dennoch dem Menschen zugewandten Zeit dar. In der nun folgenden Ära werden Patientendaten zentral und sicher abgespeichert und über das elektronische Dossier überall in der Schweiz für jeden autorisierten Mediziner verfügbar gemacht.

Im Gegensatz zu dem weiter oben beschriebenen analogen Patientenpfad wird bei ausgeprägter Digitalisierung im Schnitt die physische Aufnahme des Patienten nur noch einmal notwendig, nämlich bei der Hospitalisierung. E-Appointments mit verschiedenen Fachärzten haben in der Zwischenzeit auch fünf Mal stattgefunden und dank dem elektronischen Patientendossier kann auf den zeitraubenden Austausch von Zuweisungen und Verlaufsberichten verzichtet werden.

Einsparungen in Millionenhöhe dank E-Health
Das Sparpotenzial, misst man es alleine an der aufgewendeten Zeit, ist immens. Die physische Aufnahmeprozedur eines Patienten dauert in der Regel 32 Minuten, bei einer digitalen Aufnahme sind es nur noch 8 Minuten – die Zeitersparnis liegt also bei 75 Prozent. Ärztliche Terminvereinbarungen dauern im Schnitt 25 Minuten, diese Zeit reduziert sich durch geeignete digitale Werkzeuge um 60 Prozent. Die 48 Minuten für den analogen Austausch des medizinischen Verlaufs lassen sich sogar zu 100 Prozent einsparen.

Neben der Verkürzung von Durchlaufzeiten führt ein höheres Digitalisierungsniveau auch zur Ressourcenschonung bei den behandelnden Medizinern und dadurch direkt zu einer höheren Behandlungsqualität.  Durch eine einheitliche Datenhaltung werden Redundanzen vermieden und die Qualität der gespeicherten Daten wird erhöht – auch dies nützt dem Patienten.

Im Einzelnen verspricht die Digitalisierung des Gesundheitswesens in der Schweiz bessere Behandlungsqualität, Vereinheitlichung der Daten und weniger Ressourcenverbrauch sowie bessere Patientensicherheit und schnellere Prozesse. KPMG beziffert das Sparpotenzial auf Basis der vom BFS im Jahr 2015 erhobenen Daten mit fast 300 Millionen Franken. Für 2015 geht man in der Schweiz von 1,4 Millionen Krankenhausaufenthalten und 16,8 Millionen ambulanten Behandlungen aus – rechnet man die oben genannten Einspar- potenziale und ihre Skaleneffekte ein, so können für nichtchronisch Kranke rund 28 Millionen Franken eingespart werden, die Einsparung für die 2,2 Millionen chronisch erkrankten Patienten ist naturgemäss wesentlich höher und wird mit 268,5 Millionen Franken ausgewiesen.

Durch zusätzliche tarifarische Vereinheitlichung und eine transparente Messung der qualitativen Schlüsselindikatoren können die Funktionsträger dazu beitragen, dass bei verbesserter Behandlungsqualität die Kostensteigerung im Schweizer Gesundheitswesen nachhaltig gebremst und eingegrenzt wird. Dies trägt zu einer höheren Lebensqualität aller Beteiligten bei und führt unmittelbar zu mehr Gesundheit.

Arthur Wetzel

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