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Der Gesundheitslogistiker ist fit für die Zukunft

Cosanum ist fit für die ZukunftCosanum beliefert Spitäler, Heime und weitere Kunden mit Medizinprodukten. Das wendige KMU reagiert auf den Wandel im Gesundheitssektor und erweitert sein Angebot individualisierter Dienstleistungen ständig. Gleichzeitig unternahm es grosse Anstrengungen, die Logistikprozesse zu standardisieren.

Neue Wohn– und Gewerbebauten entstehen nördlich des Bahnhofs Schlieren im Westen von Zürich, wo auch der Gesundheitslogistiker Cosanum sein Verteilzentrum eingerichtet hat. An Rampen wird Ware ein- und ausgeladen. Kurz vor Mittag fahren noch wenige Mitarbeiter mit ihren Hochregalstaplern in die Regalgassen, um Ware auf den über 6500 Palettenplätzen ein- oder auszulagern. Rollbehälter stehen für die Beladung mit allerlei neuer Ware bereit.
Man hört es am Hämmern und Bohren: Das Lager wird umgebaut; ein Kubus aus weissem Sichtbackstein wird abgerissen. Zudem entsteht eine grosszügige neue Halle als Anbau. Eine Reihe Lagerplätze des Hochregallagers wird entfernt, mehr Platz braucht hingegen das Kleinteilelager. «Wir haben in der Tendenz immer mehr kleinere Sendungen zu bearbeiten», sagt Markus Widmer, Leiter Supply Chain Management bei Cosanum.

Die Investitionen sind auch eine Folge tiefgreifender Veränderungen in der Gesundheitsbranche. Spitäler stehen unter Druck, ihre Leistungen effizienter zu erwirtschaften. Aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen sind ihre Leitungen geneigt, vorhandene Räume für höherwertige Nutzungen umzurüsten. Den Spitälern stehen somit weniger Lagerplätze zur Verfügung als noch vor Jahren. Ebenso macht sich der Fachkräftemangel im Gesundheitssektor bemerk- bar. Dem Pflegepersonal in Spitälern und Heimen ist geholfen, wenn es von Beschaffungsaufgaben entlastet wird. Cosanum hat auf neue Bedürfnisse reagiert und bietet inzwischen eine breite Palette an massgeschneider ten Dienstleistungen an. «Auf Wunsch bringen wir unsere Rollbehälter bis auf die Etage eines Heims, entfernen die Umwicklung und füllen die Artikel auch in den Regalen selbst auf», sagt Widmer.

Rasches Wachstum, mehr Dienstleistung
Cosanum liefert ein sehr umfangreiches Sortiment an medizinischem Verbrauchsmaterial an Heime und Spitäler. In den letzten Jahren sind neue Kundengruppen dazugekommen, wie die Spitex, die Industrie, der Sport- und der Orthopädiefachhandel. Das rasche Wachstum des Sortiments und die Zunahme individualisierter Kunden- zustellungswünsche sind eine Herausforderung für das Unternehmen. Unweigerlich kamen Fragen auf, wie man Prozesse in der Logistik rationalisieren könnte. Denn noch immer zeichnen viele Lieferanten ihre Produkte sowie Handels- und Transporteinheiten nicht in genügendem Ausmass selber aus, weswegen bei der Ankunft im Lager zusätzliche Arbeit anfällt.
Je nach Ware müssen Einheiten nachträglich barcodiert oder zusätzliche Stammdaten ins betriebseigene Lagerverwaltungssystem manuell eingepflegt werden. Wie lang, wie breit, wie schwer ist das Paket? Da helfen Geräte wie Cubiscan, mit denen sich rasch die Dimensionen von Umverpackungen und Einzelverpackungen erfassen lassen. Ein Zusatzaufwand, aber auch Mehrwert, wie Markus Widmer erläutert: «Die Erfassung solcher Daten wird demnächst auch unseren Kunden zugutekommen, damit diese die Volumina und Gewichte einzelner Umverpackungen im Voraus einschätzen können.» Dazu kam die Einsicht: Die verschiedenen Teilsortimente wichen teilweise in der Struktur und in der Logik der Kennzeichnung voneinander ab.

Annäherungen an den GS1 Standard
Eines der strategischen Ziele des Unternehmens: Die Beschaffungslogistik soll ohne Medienunterbruch und dank der Durchgängigkeit eines Identifikationssystems einfacher und effizienter werden – und zwar über die ganze Supply Chain hinweg. Hilfreich waren die intensiven Gespräche mit der Fachgruppe BiG «Beschaffung im Gesundheitswesen» von GS1 Schweiz, die zu neuen Erkenntnissen führten. Dazu Marcel Grand, Leiter ICT bei Cosanum: «Wir wollten zuerst unseren Artikelstamm homogen strukturieren, bevor wir uns einem international anerkannten Standard anschliessen.»

Die Analyse und Auswertung bestehender Logistikprozesse musste während des laufenden Betriebs bewältigt werden. «Einem Kunden können wir nicht das Bestellen von Hygieneartikeln für ein paar Tage untersagen, nur weil wir die Daten einer Artikelgruppe über- arbeiten wollen», illustriert Grand die Komplexität eines über zwei Jahre laufenden Projekts, das nun Ende Jahr zu einem guten Abschluss kommt.
Die sukzessive Übernahme des GS1 Kennzeichnungssystems auf allen Verpackungsebenen bringt in vieler Hinsicht Effizienzvorteile, beispielsweise bei Rückrufen; denn eine Charge kann so einfacher rückverfolgt und eingegrenzt werden. Allerdings ist der Medizinproduktemarkt noch längst nicht so standardisiert wie der Konsumgütermarkt. Die einen Unternehmen liefern Hygiene-Massenartikel sowohl für den Gesundheitsfachhandel als auch für die Grossverteiler, womit sie auch deren Anforderungen übernehmen.

Es gibt aber auch sehr exklusive Lieferanten, wie Marcel Grand an einem Beispiel schildert: «Weltweit existieren nur ganz wenige Hersteller, welche speziell belüftete Schutzanzüge produzieren, die im Falle einer Pandemie eingesetzt werden können. Diese Anzüge sind sehr gefragt und haben eine lange Beschaffungszeit.» Und solche Hersteller haben aktuelle GS1 Standards oft noch nicht oder ungenügend umgesetzt. Effizienzgewinne dank der Einführung des GS1 Systems gelingen nur, wenn alle in der Lieferkette mitmachen. Doch da ist manchmal Fingerspitzengefühl gefragt, wie aus den Ausführungen zu entnehmen ist: «Es braucht viel Überzeugungsarbeit und Gespräche mit unseren Lieferanten.»

Die Zukunft beginnt heute
Neuere regulatorische Vorgaben im internationalen Umfeld sind für die Umsetzung einer GS1-adaptierten Logistik von Cosanum nur hilfreich. Die im April 2017 veröffentlichte europäische Medizinprodukte-Verordnung (MDR) verlangt die – je nach Produkt- gruppe – zeitlich gestaffelte Einführung einer sogenannten UDI-Kennzeichnung, wie sie heute schon in den USA vorgeschrieben ist. Diese soll Produktrückrufe vereinfachen und die Marktüberwachung optimieren, was letztlich der Patientensicherheit dienen wird. Die Produktkennzeichnung ist auf der Grundlage international anerkannter ISO-basierter Standards wie eben GS1 einfach zu vollziehen.

Immer mehr formulieren auch Spitäler das Bedürfnis, elektronisch auf Stammdaten von Medizinprodukten zugreifen zu können. Aktuell läuft ein Pilotprojekt zur automatisierten Stammdatenübermittlung, das von den Unternehmen
B. Braun, Mathys, Cosanum, dem Inselspital Bern und dem GDSN-Datenpool- Betreiber Contentis getragen wird. Im Konsumgütermarkt ist der Vorgang alltäglich, im schweizerischen Medizin- produktemarkt ein Novum: Über eine CIN-Nachricht (Catalogue Item Notification) meldete Cosanum im Oktober einen Artikel im zentralen Verzeichnis (Global Registry) an. Nach erfolgreicher Verifikation und Registration wurde der Eintrag im GDSN publiziert und für das Inselspital – als Empfänger der Daten – freigeschaltet. Marcel Grand freut sich über das Erreichen dieses Meilensteins: «Die Implementierung dieser Stammdatenübermittlung ist der Grundstein für alle anderen Prozesse wie order2cash, die uns in Zukunft das Leben erleichtern werden.»

Manuel Fischer

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