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Supply Chain Management – digitize or die!

Supply Chain Management – digitize or die!Es ist schwer zu sagen, welche Logistik- und Supply-Chain-Trends die Unternehmen in naher Zukunft verändern werden, wenn man bedenkt, wie schnell und grundlegend sich Technologie entwickeln kann. Gleichzeitig stehen technologische Fortschritte wie das Internet der Dinge (IoT), das autonome Fahren und ähnliche futuristische Innovationen seit einigen Jahren für fundamentale Umwälzungen.

Bisher sind dies sogenannte Pipedreams, Wünsche oder Visionen. Sicher bleibt aber, dass man sich heute für die Digitalisierung entscheiden muss, um morgen noch am Markt zu bestehen. Dazu bedarf es Mut, Sachkenntnis und eines guten Instinkts. In der Digitalisierung der Supply Chain sehen wir heute eine Handvoll Trends, die man nicht ignorieren kann.

Trend Nr. 1: Lagerroboter in der Supply Chain
Die Automatisierung ist bereits in vielen Distributionszentren auf der ganzen Welt etabliert, in den meisten Fällen beschränkt sie sich jedoch auf die Automatisierung von Arbeitsabläufen, die von immer fortschrittlicheren Lagerverwaltungssystemen gesteuert werden. Während systemgesteuerte manuelle Prozesse einen erheblichen Unterschied in der Lagereffizienz ausmachen können, ist der Wert der Vollautomatisierung – der heilige Gral im Betrieb eines Verteilzentrums – typischerweise den Konzerngiganten vorbehalten, die in der Lage sind, zweckgebundene automatisierte Lager zu errichten oder ältere Immobilien für diesen Betrieb anzupassen.

Der eigentliche Wendepunkt im Trend der Lagerrobotik wird jedoch erst erreicht, wenn Technologieanbieter die Kunst der echten Roboterkommissionierung beherrschen, bei der Roboter in der Lage sind, Aufträge aus konventionellen Regalen zu kommissionieren. Die Trends beziehen sich derzeit auf Systeme, die die Ware zum Kommissionierer bringen und eine beträchtliche Menge an spezialisierten Regal- und Fördergeräten erfordern. Alibaba, der weltgrösste Einzelhändler, hat bereits die Roboterarbeit in einem seiner Lagerhäuser aufgestockt und die Zahl der Mitarbeitenden in der Einrichtung um 70 Prozent reduziert.

Trend Nr. 2: Autonomer Strassengüterverkehr
Wie bereits erwähnt, ist die Entwicklung autonomer Lastkraftwagen eine Vision, die in den letzten Jahren realisierbar erscheint, allerdings dürfte es noch einige Zeit dauern, bis solche Fahrzeuge ernsthaft auf unseren Strassen eingesetzt werden. Dieser Trend hat sicher das Potenzial, eine höhere Wirtschaftlichkeit zu erzielen als jede andere Supply-Chain-Technologie, die bisher vorgestellt wurde.

Automatisierte Lastwagen sind in der Bergbauindustrie bereits seit einigen Jahren Realität. Fahrerlose Fahrzeuge haben sich also bereits heute als realistische Möglichkeit empfohlen, Transportkosten zu senken. Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge als wichtiger Logistiktrend ist sicher, aber rechtliche, sicherheitstechnische und soziale Implikationen warten noch auf eine breite Diskussion.

Trend Nr. 3: Supply-Chain-Plattformen – Grenzen zwischen Logistik und Technologie verschwinden
Plattformen und hybride Geschäftsmodelle sind integrativer Bestandteil aller aktuellen Entscheidungsprozesse. Selbst im privaten Umgang ist schon heute schwierig auszumachen, ob man ein Produkt oder eine technische Dienstleistung nutzt. Wenn Sie zum Beispiel eine Unterkunft auf AirBnB buchen, denken Sie dann a) ich buche ein Feriendomizil? oder b) ich erwerbe einen Kontakt zu unabhängigen Anbietern über eine verkaufsorientierte Social-Media-Plattform? Wenn Sie bei Uber einen Fahrer buchen, der Sie in die Innenstadt bringt, benutzen Sie eine App, um ein privates «Taxi» zu finden, oder kaufen Sie online bei einem Transportunternehmen?

Diese scheinbare Verschmelzung von Technologie und Dienstleistung zu einer «Singularität» durchdringt zunehmend B2B-Marktplätze, insbesondere im Bereich der Logistikdienstleistungen. Amerikanische Unternehmen, die kurzfristig Lagerflächen benötigen, können sich in FLEXE einloggen und sich mit anderen Anbietern von Boden- oder Regalflächen verbinden, um flexibel Flächen hinzuzumieten und Platz zu sparen.

Die gleiche Verschmelzung von Software und Service findet sich auch in Lösungen für Lagerverwaltung, Beschaffung/ Einkauf und andere betriebliche Anwendungen in der Lieferkette wieder, da On-Premise-Software von Cloud-Lösungen mit integrierten technischen Support-Services und Selbsthilfefunktionen abgelöst wird. Der Be- darf an internen IT-Ressourcen wird dadurch zunehmend überflüssig. Das bedeutet jedoch, dass Sie bei der Beschaffung von Dienstleistungen und Lösungen immer vorsichtiger sein müssen, mit welcher Art von Anbieter Sie es zu tun haben und in welche Abhängigkeit Sie Ihr Unternehmen bringen.

Wenn in den nächsten Jahren also neue integrierte Supply-Chain-Plattformen online gehen, wird es verlockend sein, an Bord zu springen – einfach anmelden und loslegen –, aber es ist wichtig, ein Auge auf die breiteren Implikationen für Ihren Geschäftsbetrieb zu haben.

Trend Nr. 4: Supply Chain Social Responsibility
Nachhaltigkeit, Reduzierung des CO2- Ausstosses und Transparenz in der Lieferkette haben sich in den letzten zwei bis drei Jahren zu dem herausgebildet, was wir heute als Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnen. Der Begriff selbst gibt Aufschluss über die konzeptionelle Herkunft von CSR und eine sozial verantwortliche Lieferkette. Die meisten Unternehmen werden zugeben müssen, dass sie ihre CSR-Bemühungen weitgehend als Reaktion auf Druck der Gesetzgebung und der öffentlichen Meinung begonnen haben. In letzter Zeit wird CSR jedoch weniger als eine Compliance-bezogene Notwendigkeit betrachtet, sondern vielmehr als ein Ansatz zur Steigerung des Umsatzes, zur Sicherung der Kunden- und Mitarbeiterbindung und zur Generierung von Markenattraktivität.

Walmart startete 2017 das Projekt Gigaton, ein Programm zur Reduzierung von Treibhausgasen, an dem alle Lieferanten des Handelsriesen beteiligt sind. Dell bringt derzeit eine breit angelegte CSR-Initiative mit dem Titel «2020 Legacy of Good» auf die Strasse, die unter anderem darauf abzielt, globale Verantwortung für die Lieferkette zu übernehmen. Auch Nahrungsmittelproduzenten, wie zum Beispiel Pepsi, verstärken ihre Nachhaltigkeitsinitiativen mit dem Ziel der Reduktion von Wasserverbrauch und CO2-Belastung. Und im Rahmen der Lean & Green Initiative werden teilnehmende Unternehmen für Erfolge bei der Reduzierung ihres CO2-Ausstosses in Lager- und Logistikprozessen zertifiziert. Kurzum: Corporate Social Responsibility ist nicht mehr nur ein Trend, sondern ein Muss für jedes Unternehmen.

Trend Nr. 5: Das Rennen um die letzte Meile
Es ist der kostenintensivste Teil der Lieferkette: Die letzte Meile, also die Endlieferung von Waren bis zum Einzelhandelsgeschäft oder zur Haustür des Verbrauchers. Als Folge der gesteigerten Nachfrage und des erheblichen Lieferaufkommens im Onlinehandel ist zu erwarten, dass es in den nächsten Jahren neue Konzepte und wahrscheinlich auch spezialisierte Last-Mile- Fulfillment-Dienstleister geben wird, da innovative Jungunternehmen nach Alternativen zu Paketdiensten suchen und etablierte Unternehmen, wie DHL oder UPS, auf der letzten Meile Schwäche zeigen.

Wenn es jemals ein Supply-Chain- Szenario gegeben hat, in dem Logistiklösungen aus der massiven Kundenmacht geboren werden, dann geschieht das auf der «letzten Meile». Daher könnte es durchaus sein, dass in den nächsten Jahren Last-Mile-Frachtdienste im Uber-Stil durchstarten. So lassen sich zum Beispiel vermehrt Lösungen wie lokal platzierte, öffentliche «Smart Locks» und Paketboxen beobachten, in die alle Lieferdienste zur späteren Abholung einliefern können. Dies wird dann auch dazu beitragen, den Prozess der Retouren zu rationalisieren – ein stark zunehmendes Problem aufgrund der veränderten Einkaufsgewohnheiten.

Trend Nr. 6: Aufstieg des Virtual Logistics Teams
Das Konzept der Remote-Arbeit und der virtuellen Teams hat sich in vielen Wirtschaftssektoren durchgesetzt und ermöglicht es Unternehmen, auf Mitarbeitende global und nicht lokal zuzugreifen, auch um Reisekosten und Immobilienbedarf zu reduzieren. Während die Supply-Chain-IT ihren Übergang zur Cloud fortsetzt, werden Supply-Chainund Logistikunternehmen damit beginnen, die Vorteile der Remote-Arbeit für Mitarbeitende in Verwaltung und Support einzuführen und zu optimieren.

Nehmen wir als Beispiel die Routenund Versandplanung. Viele grössere Unternehmen, die früher Planer in jedem Distributionszentrum angesiedelt hatten, haben die Umstellung auf eine zentrale Planung vollzogen. Dies zeigt deutlich, dass im Informationszeitalter lokale Ressourcen nicht mehr nötig sind, um Tausende von Lieferungen pro Tag zu planen und zu disponieren. Der nächste Schritt ist, dass die Routenplaner dank Onlinezugriff auf Planungssoftware und Echtzeitkommunikation nicht in einer Zentrale sitzen müssen, sondern alle notwendigen Aktivitäten von zu Hause oder einem beliebigen Ort aus durchführen können.

Das Gleiche gilt für viele andere Tätigkeiten, die traditionell in zentralisierten Logistikzentren oder regionalen Büros vorgehalten werden. Einkauf, allgemeine Verwaltung und sogar bestimmte Führungspositionen könnten realistisch von Mitarbeitenden besetzt werden, die ganz oder teilweise zu Hause arbeiten. Dies senkt Kosten und ermöglicht, dass Immobilieninvestitionen verstärkt auf Lager- als auf Büroflächen ausgerichtet werden können. Seien Sie heute bereit für die Herausforderungen von morgen und digitalisieren Sie Ihre Prozesse und Ihr Supply Chain Management – beobachten Sie aber vor allem mögliche disruptive Entwicklungen und behalten Sie die Führung.

Arthur Wetzel

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