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Standards in der Logistik

Standards in der LogistikStandards sind in unserem Leben allgegenwärtig. Sie begleiten uns auf Schritt und Tritt. In der Logistik unterstützen sie den Austausch von Waren und Dienstleistungen und bauen Handelshemmnisse entlang der Logistikkette ab. Als weltweit gemeinsame Sprache sorgen sie für Kompatibilität, Transparenz und Kosteneffizienz. So auch der SSCC.

Im Alltag sind wir von Standards umgeben, die wir schon gar nicht mehr wahrnehmen. Es gibt Standards für Papiergrössen, ISO-Normen begrenzen die Abstrahlung von Handys und dank der Norm SN EN 1860-1 rutscht die Bratwurst nicht durch den Grillrost. Normen und Standards sorgen dafür, dass alles passt, dass wir unbeschadet durch den Alltag kommen und die im Internet bestellte Ware rechtzeitig eintrifft.

Gemeinsame Sprache für Systeme
Ein Standard ist gemäss der International Organization for Standardisation (ISO) ein Dokument, das Anforderungen, Spezifikationen, Richtlinien oder Merkmale definiert und bei konsequenter Nutzung sicherstellt, dass Materialien, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen für ihren Zweck geeignet sind und genutzt werden können. Vereinfacht ausgedrückt, sind Standards eine «gemeinsame Sprache» und sorgen dafür, dass unterschiedliche Systeme einander verstehen und verlässlich sowie effizient zusammenwirken. Es gibt internationale, europäische und nationale Normierungs- und Standardisierungs- Organisationen. Die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) ist die nationale Normenorganisation der Schweiz und vertritt die Interessen der Schweizer Wirtschaft in der ISO und im europäischen Komitee für Normung (CEN). Einen ähnlichen Aufbau weisen die GS1 Organisationen auf. Die offenen GS1 Standards sorgen in der Wirtschaft für klare Richtlinien und Handlungsempfehlungen, um die Wertschöpfungskette zu optimieren.

Die Standards von GS1 sind seit 40 Jahren nicht nur wichtige Bausteine für die Optimierung der Geschäftsprozesse, sondern bilden auch die Basis für die digitale Transformation. Sie umfassen Identifikationsschlüssel, standardisierte Datenträger und Kommunikationsstandards. Die GS1 Identifikationsschlüssel, darunter Global Trade Item Number (GTIN), Serial Shipping Container Code (SSCC) oder Global Location Number (GLN), sind genau definierte Zeichenketten von festgelegter Länge, die eine eindeutige Kennzeichnung und Referenzierung auf physische Einheiten wie Produkte, Packstücke, Transporteinheiten, Mehrwegbehälter und Firmenstandorte ermöglichen.

SSCC und Co.
Um die eindeutige Kennzeichnung mit weiteren Informationen zu versehen, kommen definierte Datenbezeichner zum Einsatz. So können in Kombination mit dem SSCC, der jede Palette weltweit eindeutig identifiziert, weitere warenbegleitende Informationen wie Chargennummer, Empfängeridentifikation, Bruttogewicht oder Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben werden.

Die Darstellung der Informationen erfolgt sowohl in Klarschrift als auch in der geschützten Strichcodesymbologie GS1-128. So wird jede Transporteinheit nach den erforderlichen Kontrollen mit einer Transportetikette gekennzeichnet, was für Transparenz und eine chargengenaue Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette sorgt. Mit den dazugehörigen GS1 Kommunikationsstandards werden parallel zum Warenfluss die notwendigen Informationen in Form von elektronischen Nachrichten in Echtzeit zwischen den einzelnen Unternehmen ausgetauscht – vorauseilende Informationen sind heute eine Grundvoraussetzung moderner Logistikanwendungen.

Vor dem physischen Versand der Ware wird mit dem elektronischen Lieferavis (DESADV) eine EDI-Nachricht ausgelöst, die den zugestellten SSCC mit Auflistung der enthaltenen Einheiten und der Verpackungsart enthält. Der Empfänger kann die Daten der Auftrags- und Inventurdatenverwaltung zuordnen, noch bevor die Sendung eintrifft. Bei Ankunft der Lieferung muss lediglich der SSCC gescannt und mit den im Lieferavis übermittelten Daten verknüpft werden. Das Spektrum der elektronischen Meldungen für logistische Geschäftsvorfälle reicht vom Speditionsauftrag (IFTMIN) bis hin zum Lagerbestandsbericht (INVRPT). Als Identifikationsschlüssel übernimmt der SSCC dabei eine wichtige Rolle.

GS1 Standard für Paketlieferungen
Ein wichtiger Schritt in der europäischen Standardisierung wurde erst vor Kurzem mit der eindeutigen Identifikation länderüberschreitender Paketzustellungen gemacht. Das Europäische Komitee für Normung (CEN) hat sich dabei für die ausschliessliche Verwendung des GS1 Serial Shipping Container Code (SSCC) entschieden. Dank der Verwendung globaler offener Standards für das neue CEN-Paketetikett werden vormals geschlossene Liefernetzwerke durchgängig gemacht sowie Kosten und Aufwand reduziert. Dank dem SSCC können alle Beteiligten im Paketzustellnetzwerk eine einfachere Verfolgung des Lieferwegs der Packstücke vom Versender zum Konsumenten gewährleisten und, falls notwendig, die Rücksendung an den Versender durchführen. «Dies ist ein grosser Schritt in Richtung innovativer grenzüberschreitender Paketzustellung in Europa. Eine der Hauptursachen für Probleme in der Paketzustellung sind geschlossene Systeme, die wiederum zu proprietären Netzwerken führen, was nachteilige Marktbedingungen für Onlineverkäufer zur Folge hat», sagt Walter Trezek, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe e-Logistik von Ecommerce Europe und Leiter der Arbeiten des CEN zugunsten standardisierter Kennzeichnung von Paketen. Das endgültige Ziel ist die Verwendung eines einzigen gemeinsamen Paketetiketts mit eindeutiger Paketidentifikation im grenzüberschreitenden Zustellservice.

Neue Möglichkeiten für Onlinehändler
GS1 freut’s, dass das CEN auf den SSCC setzt. Dies ist die logische Konsequenz daraus, dass viele Unternehmen diesen GS1 Identifikationsschlüssel und weitere GS1 Standards bereits in ihren Geschäftsprozessen einsetzen. «Das CEN-Paketetikett und der SSCC eröffnen neue Möglichkeiten für Onlinehändler, die ihren Konsumenten eine individuelle Zustellung zu tieferen Preisen bieten wollen», sagt Miguel Lopera, Präsident und CEO von GS1 Global Office.

«Durch die Verwendung einheitlicher Etiketten und des SSCC können Paketzusteller besser zusammenarbeiten, um die Erwartungen der Käufer im Sinne verbesserter Flexibilität, Transparenz, Zuverlässigkeit und unterschiedlicher Services zu übertreffen. Darüber hinaus werden kostspielige und arbeitsintensive Aktivitäten beseitigt, die keinen Mehrwert für die Kunden bringen», ergänzt Bruno Aceto, stellvertretender Vorsitzender von GS1 in Europe. Daniel Müller, Leiter GS1 System bei GS1 Schweiz, sagt: «Der Entscheid des CEN ist wegweisend und aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt zur zukünftigen Optimierung der letzten Meile.»

Teilnehmer des CEN haben die Technischen Spezifikationen (TS 17073) für «Postalische Dienstleistungen – Schnittstellen für grenzüberschreitende Pakete » veröffentlicht. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Initiative von Postorganisationen, Onlinehändlern, Kurierdiensten sowie Express- und Paketzustellern. GS1 wird auch weiter einen Beitrag zur CEN-Initiative leisten und mithelfen, das grenzüberschreitende Paketmanagement zu vereinfachen und zu verbessern.

Joachim Heldt

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