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Innovationen auf der letzten Meile mit ILMA+

Innovationen auf der letzten Meile mit ILMA+Der Boom des Onlinehandels macht aus der «letzten Meile» einen logistisch besonders wichtigen Streckenabschnitt. Vor allem in städtischen Ballungsräumen sind innovative Konzepte gefragt, die dem Lieferverkehr neue Perspektiven aufzeigen. Das ist das Ziel von ILMA+, einem Projekt der Metropolitankonferenz Zürich.

Die Abkürzung ILMA+ steht für «innovative Letzte-Meile-Angebote». Hauptziel des Projekts ist es, die Verbreitung innovativer Angebote für die letzte Meile in der Logistikkette im Metropolitanraum Zürich durch Standardisierung und Verbesserung der Rahmenbedingungen zu beschleunigen. Projektpartner sind die Rapp Trans AG und GS1 Schweiz.

Allerdings ist ILMA+ nicht einfach von Rapp Trans und GS1 Schweiz lanciert worden, sondern steht in einem wesentlich grösseren Zusammenhang. Im Jahr 2009 wurde der Verein Metropolitanraum Zürich gegründet, dem rund 120 Städte und Gemeinden und die acht Kantone Aargau, Thurgau, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen, Zug, Zürich und Luzern angehören. Ziele des Vereins sind die Förderung der Lebensqualität im Metropolitanraum sowie dessen Stärkung als national und international bedeutender Wirtschaftsstandort.

Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität
Die Metropolitankonferenz Zürich ist schweizweite Vorreiterin in der Förderung der Zusammenarbeit von Kantonen, Städten und Gemeinden in einem grossstädtisch geprägten Raum. Als Themenschwerpunkte hat sie die folgenden Bereiche ausgewählt:

Wirtschaft
Innovationskraft und Standortbedingungen sollen verbessert werden. Das Fachkräftepotenzial wird ebenso wie der Bildungsstandort gefördert, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert, der Wissens- und Innovationstransfer erleichtert. Ausserdem sollen administrative Abläufe im Arbeitsmarkt vereinfacht und ökologische Aspekte in der Wirtschaft gestärkt werden.

Verkehr
Besonders wichtig ist die optimale Erreichbarkeit des Metropolitanraums Zürich als Ganzes. Grundlagen für die nachhaltige Planung und Finanzierung des Verkehrs werden erarbeitet. Im Fokus stehen die überregionalen Bahnund Strassenverbindungen, aber auch die Anbindung regionaler Entwicklungsschwerpunkte und Erholungsräume über das Strassen-, das Schienen- und das Langsamverkehrsnetz. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Brechen von Verkehrsspitzen und dem Langsamverkehr.

Gesellschaft
Man will den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, die soziale Mobilität verbessern und ein lebenswertes Umfeld für die gesamte Bevölkerung schaffen. Die positiven Aspekte der Zuwanderung, die Pflege der kulturellen Vielfalt und die Förderung von Freizeit-, Sport- und Kulturangeboten für alle Bevölkerungsgruppen stehen im Vordergrund.

Lebensraum
Vielfalt und Attraktivität des Lebensraums werden gepflegt und gestärkt. Landschafts- und Naherholungsräume werden gesichert und besser vernetzt. Siedlungs- und Verkehrsentwicklung werden koordiniert, Ziel ist eine nachhaltig erhöhte Lebensqualität.

Vier von rund 60 eingereichten Projekten überzeugen
Die in der «Vision 2030» formulierten strategischen Ziele der Metropolitankonferenz Zürich sind im Schwerpunkteprogramm 2016–2019 konkretisiert. Dazu gehört das Kooperationsprogramm zum Thema «Folgen des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums ». Anfang 2017 erfolgte eine öffentliche Ausschreibung für Projekte, welche die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fördern und aktuelle Herausforderungen adressieren.

Aus fast 60 eingereichten Projektideen wurden in einem zweistufigen Verfahren vier ausgewählt. «Durch die Ausrichtung dieser vier Projekte werden zentrale Herausforderungen im Metropolitanraum Zürich angegangen und es wird ein erkennbarer Mehrwert für den Gesamtraum erzielt», stellte Walter Schenkel, Geschäftsführer der Metropolitankonferenz Zürich, bei der Präsentation der Projekte fest. Folgende vier Projekte konnten die Jury überzeugen:

Smart Use – Raum, Wachstum und Big Data
Das Projekt von ETH Zürich und Hosoya Schäfer Architekten will die Siedlungsentwicklung stärker am Nutzerverhalten ausrichten und Raumentwicklung zu einem softwareorientierten Gebrauchsmanagement machen. Das Projekt analysiert die täglichen Routinen zwischen Wohnen, Arbeit und Freizeit im gesamten Metropolitanraum Zürich und setzt einen Fokus auf der Nutzungsqualität und -intensität von öffentlichen Räumen, Strassenund Freiräumen.

Digitales 3D-Stadtmodell Limmatstadt
Das Limmattal wandelt sich von einer Agglomeration zu einem städtischen Raum. Die Initianten (Limmatstadt AG, Raumgleiter AG und weitere) wollen den Veränderungsprozess abbilden und mittels Virtual und Augmented Reality erlebbar machen. Damit soll die Grundlage für Dialog, Kooperation und Bürgerpartizipation gelegt werden. Das digitale Stadtmodell könnte später auf den gesamten Metropolitanraum Zürich angewendet werden.

Zukunft der Gas-Infrastruktur
Rund 80 Prozent der Metropolitanraum- Gemeinden haben Gasnetze, die meist der öffentlichen Hand gehören. Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum erhöhen den Energieverbrauch, während ihn energetische Sanierungen und Klimawandel senken. Die Politik fördert zudem erneuerbare Energieträger. Vor diesem Hintergrund will das Projekt von EBP die Gas-Infrastruktur zukunftsorientiert weiterentwickeln und Fehlinvestitionen verhindern.

ILMA+ – innovative Letzte-Meile-Angebote
Die Logistik auf der letzten Meile wird zunehmend wichtiger. Rapp Trans und GS1 Schweiz wollen spätestens Ende Mai 2018 Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen vorstellen, damit innovative Letzte- Meile-Angebote vermehrt umgesetzt werden können. Die Projektpartner erwarten einen positiven Beitrag zu den kommunalen und kantonalen Umwelt-, Energie- und Verkehrszielen. Zudem wird die Kooperation zwischen privaten privaten und öffentlichen Akteuren sowie den Mitgliedern des Metropolitanraum- Vereins gefördert.

ILMA+ nimmt Fahrt auf
Das Projekt setzt laut Thomas Schmid von Rapp Trans auf Pilotversuche oder bereits angewandte, aber wenig verbreitete Logistikkonzepte der zahlreichen Wirtschaftspartner. GS1 Schweiz und Rapp Trans begleiten das Projekt fachlich und übernehmen die Koordination ebenso wie die Präsentation der Ergebnisse. Die teilnehmenden Wirtschaftspartner stellen ihre jeweiligen Angebote für die letzte Meile vor und benennen die Hemmnisse bei den Rahmenbedingungen. Unter den Angeboten sind beispielsweise die plattformbasierte City-Logistik by notime, der Umschlagspunkt City-Bahnhof und das Pilotprojekt «PickupPoint» der SBB, die Citybelieferung aus einer Hand mit unbegleitetem Kombi-Verkehr (UKV) von railCare, Sameday urgent von Swissconnect, Mikrohub und Cargobike von Planzer, Lieferroboter und Lieferdrohnen der Post und der Päckli-Punkt von Valora.

Enge Kontakte zwischen Wirtschaft und Behörden
Auf der anderen Seite adressieren die Raumpartner (Planungsbehörden, Gemeinden und das Bundesamt für Raumentwicklung) ihre Beurteilungskriterien und Rahmenbedingungen für Letzte- Meile-Angebote. Die Arbeitsgruppe Verkehr der Metropolitankonferenz begleitet das Projekt im Sinne eines Echoraums, die Geschäftsstelle der Metropolitankonferenz vertritt die Sicht des Auftraggebers.

Laut Schmid besteht derzeit noch keine aktive Vernetzung mit ausländischen Projekten, man verfolge aber ähnliche Entwicklungen aufmerksam. Dabei wäre vor allem das Projekt SMILE (Smart Last Mile Logistics) aus Hamburg zu nennen, das sich unter anderem mit der Logistik in Quartieren und mit neuen Zustellpunkten beschäftigt. Ähnlich wie bei ILMA+ sitzen alle wichtigen Stakeholder aus Verwaltung und Wirtschaft mit am Tisch und die öffentlichkeitsgerichtete Kommunikation und Akzeptanz spielen eine grosse Rolle.

Alexander Saheb

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