gs1-neton-header-03.jpg

Integration von GS1 Standards in die Blockchain-Technologie

Hacker*Innen beim ersten Swiss Blockchain Hackathon zum Thema Supply ChainMit GS1 Standards können Informationen in Blockchains entlang einer Wertschöpfungskette abgebildet werden. Dies zeigte der Swiss Blockchain Hackathon. Fünf Teams haben sich vom 21. bis 23. Juni 2019 eingehend mit dem Thema «Supply Chain» befasst und Lösungen auf Basis von GS1 Standards entworfen.

Der erste Swiss Blockchain Hackathon lockte über 200 Hacker, organisiert in 41 Teams, aus 19 Ländern nach Zürich. Sechs Verticals standen zur Auswahl: Mobilität, Intelligente Pakete, Supply Chain, Finanzen, E-Government sowie Landwirtschaft und Lebensmittel. Als Supporting Partner mit dabei war auch GS1 Switzerland. Der Fachverband für nachhaltige Wertschöpfungsketten unterstützte das Vertical «Supply Chain» und dabei insbesondere die beiden Challenges «Interoperabilität von Blockchains » (Blockchain Interoperability Bridge) und «Rück- und Nachverfolgbarkeit von eindeutigen Pharmaprodukten » (Traceability of Unique Pharma Products)». Die Ziele waren einerseits, noch mehr Kompetenzen zur Technologie aufzubauen, um die Kunden und Mitglieder noch gezielter bei der Anwendung der Blockchain-Technologie in Supply Chains zu beraten, und andererseits aufzuzeigen, dass die Verbindung von verschiedenen Blockchains in Supply Chains mit GS1 Standards möglich ist.

Grosses Interesse, wenige Use Cases
Dass das Interesse der Logistikbranche an der Technologie gross ist, ist unbestritten. Dies ist nicht weiter erstaunlich, wenn man die zahlreichen Vorteile des algorithmengesteuerten Prozesses studiert:
• Transparenz: Sämtliche Transaktionen sind in den fortlaufenden Blöcken auf der Kette festgeschrieben.
• Manipulationssicherheit: Die Einträge können nachträglich nicht mehr verändert werden.
• Effizienz: Transaktionen können in Sekundenschnelle abgewickelt werden.
• Vertrauenswürdig: Der Prozess schafft Vertrauen zwischen Vertragsparteien, die sich nicht kennen, aber ein Geschäft miteinander abwickeln wollen. Indem Algorithmen die Verifikation übernehmen, kann Vertrauen im wahrsten Sinne des Wortes programmiert werden. • Kostensparend: Er schaltet Intermediäre aus, wodurch Kosten gesenkt werden.

«Trotz des grossen Interesses der Branche gibt es nur wenige Use Cases, die über die Proof-of-Concept-Phase hinausgehen», sagt Jacqueline Klaiss Brons, Senior Managing Consultant bei GS1 Switzerland. Projekte wie der Pilot «Ladungsträgermanagement mit Blockchain» von GS1 Germany oder TradeLens von Maersk und IBM zeigen, dass die Technologie funktioniert. «Bis sie vollständig anwendbar ist, muss noch einiges geschehen.» Eine Hürde ist sicherlich das Fehlen von Standards entweder innerhalb einer verteilten Ledgerlösung oder zwischen verschiedenen verteilten Ledgerarchitekturen.

Rück- und Nachverfolgbarkeit in Blockchains
Zwar hat sich am Hackathon kein Team mit der Challenge «Interoperabilität von Blockchains» auseinandergesetzt, in das GS1 Switzerland grosse Hoffnungen gesetzt hatte. Dennoch sind die Verantwortlichen zufrieden. Das Gewinnerteam des Verticals, die Elastonians, hat sich mit der Rück- und Nachverfolgbarkeit von Pharmaprodukten beschäftigt und sowohl aufgezeigt, dass dies mit GS1 Standards umzusetzen ist, als auch dass in öffentlichen Blockchains vertrauliche Informationen integriert werden können. So könnten beispielsweise bei Pharmaprodukten mittels Blockchain-Technologie Fälschungen erkannt werden. Auch die Temperatur einer Sendung liesse sich kontrollieren. Möglich wäre beispielsweise die Integration folgender GS1 Identifikationsschlüssel:
• GTIN (Global Trade Item Number) für die Identifikation von Artikel und Dienstleistungen
• GLN (Global Location Number) für die Identifikation von Lokationen
• GRAI (Global Returnable Asset Identifier) für die Identifikation von Ladungsträgern
• SSCC (Serial Shipping Container Code) für die Identifikation von Transporteinheiten

Integriert werden können auch EPCISEreignisse (Electronic Product Code Information Service) und CBV (Core Business Vocabulary). «Diese Erkenntnisse werden wir nun weiterverfolgen und vertiefen», sagt Klaiss Brons, die auch als Mitglied der Jury am Swiss Blockchain Hackathon fungierte. Bereits fanden Gespräche statt mit dem Gewinnerteam, um die Lösungsentwicklung zu vertiefen. Ausserdem arbeitet GS1 Switzerland mit Start-ups und Solution Partnern zusammen, um Anwendungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Die Experten wollen insbesondere ermitteln, welches Verhältnis von öffentlichen und vertraulichen Informationen in einer Blockchain optimal ist und wie die Erkenntnisse aus dem Hackathon auf andere Industrien übertragen werden können. In naher Zukunft möchte der Fachverband ein Blockchain-Pilotprojekt mit GS1 Standards lancieren. Klaiss Brons: «Wir möchten nicht mehr nur über die Möglichkeiten der Technologie sprechen, sondern konkrete Projekte umsetzen.»

Claudia Schön, GS1 Switzerland

Gewinnerlösung der Elastonians
Die Lösung des Teams Elastonians im Vertical «Supply Chain» zeichnet insbesondere aus, dass sie die Blockchain-Technologie mit dem IoT (Internet of Things) und einer Peer-to-Peer-Kommunikation kombiniert. Durch die Verwendung von Peer-to-Peer-Kommunikation innerhalb eines Internet-of-Things- Frameworks können die Generierung von Daten zur Überwachung einer Sendung und der Austausch in Echtzeit nach erfolgter Erlaubnis vollständig automatisiert werden, ohne vertrauliche Informationen in einem gemeinsamen Ledger veröffentlichen oder zentral speichern zu müssen. Darüber hinaus werden dezentrale Identitäten, auch Digital IDs (DIDs) genannt, in einem öffentlichen Ledger jedem Produkt und jedem an der Lieferkette beteiligten Akteur zugeordnet. Schliesslich werden auf den DIDs während der Reise nur die kritischen Zustände des Produkts vermerkt.
Dank dieser Kombination werden die auf die Blockchain geschriebenen Daten auf ein Minimum reduziert und gleichzeitig die Infrastrukturkosten gesenkt. Vertrauliche Daten können geschützt werden und die Echtzeit-Überwachung einer Sendung ist möglich. Das gesamte Ökosystem ist open source und somit für jedermann zugänglich und Konsumenten können die Echtheit der Produkte mittels Applikation überprüfen. Durch die Automatisierung der Prozesse werden schliesslich menschliche Fehler reduziert.
Mehr zur Gewinnerlösung finden Sie hier.

 
Nach oben