gs1-neton-header-10.jpg

Das Vertrauen in die Arbeitgeber schwindet

Profitstreben statt Umweltschutz oder Mitarbeiterinteressen – für die meisten Millennials und die Generation Z handeln Unternehmen nicht vorbildlich. Eine Studie erhellt das Spannungsfeld zwischen jungen Arbeitnehmenden und Wirtschaftswelt.

Die Millennials und die Generation Z stehen dem Verhalten von Unternehmen zunehmend kritisch gegenüber. Das zeigt die «Deloitte Millennial Survey 2018». In der Schweiz glaubt nur noch eine Minderheit der jungen Menschen, dass sich Unternehmen ethisch verhalten: Es sind lediglich 34 Prozent, nachdem im Vorjahr noch 56 Prozent dieser Meinung waren.

Die Schweizer Befragten sind allerdings wesentlich skeptischer als die weltweite Vergleichsgruppe: Dort liegen die Werte bei 47 Prozent. Im Vergleich mit 2017 (65 Prozent) ist der Rückgang damit ähnlich ausgeprägt. «Sie vertrauen nicht länger darauf, dass Unternehmen insgesamt einer positiven Grundidee folgen», kommentieren die Experten von Deloitte diese Ergebnisse. Weltweit wird das Profitstreben von 67 Prozent der Befragten als zentraler  Wert der Unternehmen erkannt. 75 Prozent der Befragten finden, dass Unternehmen ihre eigenen Interessen vor das Wohl der Gesellschaft stellen. Die am positivsten wahrgenommenen Persönlichkeiten sind Leiter von NGOs oder Non-Profit-Organisationen. Für 59 Prozent leisten sie einen positiven Beitrag zum Weltgeschehen. Unternehmenschefs sehen weltweit 44 Prozent als positiv wirkende Persönlichkeiten, 42 Prozent schreiben ihnen einen eher negativen Beitrag zu.

Unternehmen verkennen Prioritäten der jungen Mitarbeitenden
Wie es in der Studie und begleitenden Publikationen weiter heisst, waren die meisten Befragten der Ansicht, dass die tatsächlichen Prioritäten ihrer Unternehmen eindeutig an den wirklich wichtigen Themen vorbeigehen. Für  insgesamt sieben von neun verschiedenen Bereichen besteht eine deutliche Differenz zwischen dem, was die Befragten als erstrebenswerte Unternehmensziele ansehen, und dem, wonach die Firmen tatsächlich streben. Die drei obersten Maximen der Unternehmen – Profit, Effizienzsteigerung und Absatzsteigerung – sind die drei letztgenannten aller für die Befragten wichtigen Ziele. Firmen sollten nach Meinung der Befragten insbesondere die folgenden Ziele verfolgen:
• Positiver Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt
• Innovative Ideen, Produkte und Dienstleistungen
• Arbeitsplätze schaffen, Karrieren entwickeln und das Leben der Menschen verbessern
• Aktive Umsetzung von Diversity und Inklusion am Arbeitsplatz

Auch unter den Millennials mit mehr Berufserfahrung und höheren Positionen besteht Konsens, dass Unternehmen das Profitstreben und das Verfolgen anderer Ziele in ein besseres Gleichgewicht bringen könnten. So stellen 44 Prozent der Millennials im Senior Management fest, dass Profit priorisiert wird, doch sind nur 27 Prozent der Meinung, dass der finanzielle Profit das wichtigste Unternehmensziel sein sollte. Zudem war in allen sechs bisherigen Umfragen von Deloitte die überwältigende Mehrheit der Millennials (80 Prozent) der Auffassung, dass Unternehmenserfolg nicht nur an der finanziellen Performance gemessen werden sollte. Auch die Befragten der jüngeren Generation Z teilen diese Auffassung – dort sind 83 Prozent dieser Meinung.

Schöner arbeiten dank Industrie 4.0
Die Auswirkungen von Industrie 4.0 werden differenziert gesehen, Optimismus gibt es jedoch nicht. In der Schweiz (und weltweit) erwarten etwas mehr als die Hälfte, dass die neuen Technologien ihre Arbeit verbessern und sie mehr Zeit haben, um auf kreative und wertschöpfende Aktivitäten zu fokussieren. Ein knappes Drittel in der Schweiz glaubt, dass ihre Arbeit von Industrie 4.0 nicht berührt wird, weltweit erwarten das nur 23 Prozent. Immerhin 11 Prozent rechnen damit, dass sie Teile oder alle Verantwortlichkeiten ihrer Tätigkeit dereinst werden abgeben müssen; weltweit glauben das  17 Prozent. In Unternehmen, die solche Technologien bereits stark nutzen, sind jedoch 32 Prozent dieser Ansicht.

Weniger als vier von zehn Millennials und nur drei von zehn Angehörigen der Generation Z glauben, dass sie auf den kommenden Wandel vorbereitet sind und die nötigen Fähigkeiten und das nötige Wissen bereits haben. Hier herrscht grosse Unsicherheit. Verbreitet herrscht die Ansicht, dass die Unternehmen mehr für die Vorbereitung der Mitarbeitenden auf diese Entwicklungen tun sollten. Erst ein Drittel der Millennials und etwas mehr als 40 Prozent der Generation Z erhalten solche Unterstützung bereits.

Beim Jobwechsel stehen Geld und Flexibilität im Fokus
Ein hoher Prozentsatz der Befragten ist ausserdem beruflich an Neuorientierung interessiert: Weltweit wollen 43 Prozent der Millennials ihr Unternehmen in den kommenden zwei Jahren verlassen, in der Schweiz sind es 41 Prozent. Immerhin 28 Prozent wollen aber länger als fünf Jahre für den aktuellen Arbeitgeber tätig sein, in der Schweiz sind es sogar 31 Prozent. Tiefer ist die Loyalität bei den jüngeren Befragten der Generation Z: Hier wollen 61 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre kündigen, wenn sie die Wahl haben.

Mit Blick auf die Rekrutierung achten Millennials stark auf die finanzielle Vergütung ihrer Tätigkeit. Für 63 Prozent (64 Prozent in der Schweiz) ist die Entlöhnung bei der Wahl des Arbeitgebers sehr wichtig. Es stellt dabei keinen Gegensatz zur bei Unternehmen kritisierten Verfolgung ökonomischer Ziele dar, sondern wird als Umsetzung des Anspruchs gesehen, dass Arbeitgeber ihren Reichtum teilen sollten, um das Leben der Mitarbeitenden durch gute Jobs zu verbessern. Zudem sparen Millennials schon für die Bildung ihrer eigenen Kinder und erkennen, dass ihnen für grosse Anschaffungen – die Entwicklung der Immobilienpreise hat die Lohnentwicklung vielerorts weit hinter sich gelassen – die Mittel fehlen.

Firmen sollten auf Kultur und Vielfalt achten
Auf Platz zwei rangiert die gute Arbeitsplatzkultur, die weltweit und für Schweizer Befragte mit etwas über 50 Prozent gleich wichtig ist. Den Schweizer Befragten ist jedoch die zeitliche und örtliche Flexibilität der Leistungserbringung wesentlich wichtiger als anderen: Hierzulande achten 64 Prozent darauf, weltweit sind es 50 Prozent. «Um Talente dieser beiden Generationen anzuziehen und zu halten, braucht es neben finanziellen Anreizen auch die richtige Kultur am Arbeitsplatz; gelebte Vielfalt auf Unternehmens- und Führungsebene und eine hohe Flexibilität sind wichtig. Befragte, die mit ihrem Gehalt und der Flexibilität am Arbeitsplatz unzufrieden sind, wenden sich zunehmend freiberuflichen und flexiblen Engagements zu (sogenannte Gig-Economy), besonders in den Schwellenländern», konstatieren die Experten von Deloitte in ihrem Bericht.

Im Vergleich mit der Elterngeneration sind 40 Prozent der Schweizer Befragten der Auffassung, dass es ihnen finanziell nochmals besser gehen wird. Nur 21 Prozent glauben aber, dass sie glücklicher sein werden. Weltweit rechnen immerhin 51 Prozent der Befragten mit besseren finanziellen Verhältnissen und 43 Prozent sehen sich künftig glücklicher als ihre Elterngeneration.

Für die «Deloitte Millennial Survey 2018» wurden rund 10 500 Millennials aus 36 Ländern befragt. Die Millennials sind zwischen Januar 1983 und Dezember 1994 geboren. Die Befragten haben einen College- oder Universitätsabschluss und arbeiten zumeist Vollzeit in grossen Unternehmen der Privatwirtschaft. Ferner wurden 1800 überwiegend noch studierende Mitglieder der Generation Z aus sechs Ländern befragt, die zwischen Januar 1995 und Dezember 1999 geboren sind. Die Angaben für die Schweiz basieren auf den Antworten von insgesamt 193 Befragten beider Gruppen.

Alexander Saheb

Nach oben