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Standards entstehen im GSMP

Ein iterativer Prozess bündelt weitweite Interessen. Kleine Bildchen am Online-Einkaufswagen? Dafür gibt es eine neue Richtlinie von GS1. Sie wurde, wie alle Standards und Richtlinien, im GSMP entwickelt – dem Global Standards Management Process von GS1. Alle Initiative geht dabei von der Wirtschaft aus – zu den aktivsten Branchen gehören produzierende Industrie und Einzelhandel.

Die Standards und Richtlinien von GS1 werden im Rahmen eines kollaborativen Prozesses erarbeitet. Der GS1 Global Standards Management Process (GSMP) schafft ein weltweites Forum, in dessen Rahmen Nutzer auf Standards basierende Lösungen für die Herausforderungen ihres jeweiligen Tätigkeitsgebietes entwickeln. Im Verlauf des Jahres 2018 entstanden im Rahmen des GSMP 36 neue und modernisierte Standards zusammen mit den entsprechenden Richtlinien. Ausserdem wurden 376 Anträge zur Entwicklung neuer oder Anpassung bestehender Standards eingereicht.

Unter den neuen Richtlinien findet sich beispielsweise die Mobile Ready Hero Images Guideline, die den Einsatz von Produktbildern in Onlineshops, vorzugsweise bei der Funktion «Add to basket», behandelt. Ausserdem erhielt die Consumer Product Variant into GDSN Implementation Guideline ein Update, um Orientierung beim Datenaustausch für Konsumprodukt-Varianten im Global Data Synchronisation Network (GDSN) zu schaffen. Mit regelmässigen Umfragen wird die allgemeine Zufriedenheit mit den Ergebnissen des GSMP erhoben. Abgefragt werden Parameter wie Aktivität, Performance, Partizipation und Qualität. Im vergangenen Jahr stieg demnach die Zufriedenheit mit dem GSMP um 12 Prozentpunkte auf ein Allzeithoch von 81 Prozent an.

Teilnahme für alle Unternehmen offen
Am GSMP können alle Organisationen und Unternehmen teilnehmen und jeweils einen oder mehrere Repräsentanten entsenden. Es gibt drei unterschiedliche Aktivitätsstufen, nicht bei allen darf man an den Arbeitsgruppen teilnehmen. Ohne Mitgliedschaft bei GS1 entfallen zudem auch die Stimmrechte. Aktuelle Zahlen zeigen, dass von den 461 aktiven Mitgliedern des GSMP immerhin 76 nicht stimmberechtigt sind. Nach Branchen gehören 135 Unternehmen zur produzierenden Industrie, weitere 147 sind Lösungsanbieter. Der Einzelhandel stellt 43 Teilnehmer, Logistiker nochmals 14. Die Zusammenarbeit geschieht unter einer Reihe von Prämissen:
Offenheit und Transparenz: Der Prozess der Standard-Entwicklung erfolgt offen für alle interessierten Parteien, die Ergebnisse werden für Teilnehmer am GS1 System publiziert.
Nutzergetriebene Entwicklung: GS1 Standards entstehen entlang von klar definierten Anforderungen der Geschäftswelt, sofern die Bereitschaft zu ihrer Anwendung besteht.
Konsistenz: Die GS1 Standards fördern die Interoperabilität zwischen all ihren Anwendern. Ihre Kompatibilität mit der GS1 Systemarchitektur wird während des Entwicklungsprozesses validiert.
Stakeholder-Mitwirkung: Die Teilnahme am GSMP steht allen GS1 Systemnutzern offen – sie kommen heute aus Unternehmen jeder Grösse, zahlreicher Branchen und aller Weltregionen.
Standard-Schutz: Im Interesse der Stakeholder übernimmt GS1 den Schutz des intellektuellen Eigentums von im Rahmen des GSMP entwickelten Standards.

Klar definierte Abläufe
Der GSMP selbst erfolgt in vier Schritten, die jeweils auf den Ergebnissen des vorhergehenden aufbauen. Zunächst muss ein klares Statement of Business Need vorliegen. Wenn Nutzer die Anregung zur Schaffung oder Überarbeitung eines Standards einreichen, wird die Anfrage bewertet und anschliessend als Entwicklungs- oder als Wartungsarbeit eingestuft. Letztere werden einer Standards Maintenance Group (SMG) zugeteilt. Entwicklungsanfragen werden nach einer vertieften Prüfung durch das Industry Engagement Steering Committee (IESC) behandelt.

Die anschliessende Requirements Analysis stellt eine vertiefte Analyse der Anforderungen an den neuen oder zu revidierenden Standard dar. Ihre Ergebnisse fasst das Business Requirements Analysis Document (BRAD) zusammen. Am Ende des Prozessschritts unterzieht die Arbeitsgruppe das BRAD einer Review und stimmt darüber ab, bevor es weitergeleitet wird.

Nun erfolgt mit dem System Development der zentrale Arbeitsschritt: Die Arbeitsgruppe entwickelt den neuen Standard (oder die neue Richtlinie) und stellt ihre Ergebnisse der Community zur Review und Meinungsäusserung vor. Nach den notwendigen Überarbeitungen erfolgt an dieser Stelle die Sicherung des intellektuellen Eigentums. Nun kann das Arbeitsergebnis durch die zuständigen GS1 Gremien ratifiziert werden.

Im Rahmen des Collateral Development erstellt die Arbeitsgruppe geeignetes Begleitmaterial zum neuen Standard oder der neuen Richtlinie, welches die Durchsetzung und Anwendung im industriellen Umfeld fördert und erleichtert. Hier findet sich beispielsweise die Value Proposition, welche die Vorteile der neuen Regelungen aus Sicht von Unternehmen schildert. Auch Material für das Training von Mitarbeitenden und den Support gehören dazu.

Konsens als Basis für den Fortschritt
Der GSMP kennt zwei Typen von Arbeitsgruppen. Die derzeit sechs unbefristet bestehenden Standards Maintenance Groups (SMG) betreuen bestimmte Standards wie EDI oder die Global Product Classification (GPC). Dabei kümmern sie sich um Fehlerkorrektur, neue EDI-Codewerte oder neue Symbole. In der Regel sollen solche Arbeiten nach 180 Tagen, bei Bedarf spätestens nach 365 Tagen abgeschlossen sein.

Daneben bestehen die Mission-specific Work Groups (MSWG), die nach Bedarf geschaffen werden und insbesondere Entwicklungsarbeit für neue Standards leisten. Derzeit arbeiten solche Gruppen beispielsweise an der Bekämpfung des Schwarzhandels oder am GTINEinsatz im Gesundheits- oder im Eisenbahnwesen. Für umfangreiche neue Standards werden durchschnittlich 211 Tage Entwicklungszeit benötigt. Während die jeweiligen Gruppenmitglieder im Jahresverlauf persönlich, per Videokonferenz oder über andere technische Mittel kommunizieren, gibt es zweimal jährlich grosse Events, an denen sich die weltweite Community zusammenfindet. 2019 finden diese im Juni in Denver und im September in Lissabon statt.

Im Rahmen des GSMP müssen die jeweiligen Arbeitsgruppen und schliesslich die GSMP-Community immer wieder einen Konsens erzielen und den jeweiligen Arbeitsergebnissen zustimmen. Erst danach erfolgen die Ratifizierung durch das GS1 Management Board und die offizielle Publikation. Am Ende des GSMP stehen drei Arten von Arbeitsergebnissen:

GS1 Standards: Die GS1 Standards spezifizieren jeweils eine oder mehrere Systemkomponenten, um die Interoperabilität zu gewähr- leisten. Sie sind normativ und haben damit verpflichtenden Charakter.
 • GS1 Richtlinien (Guidelines): Dabei handelt es sich um Dokumente mit Informationen, welche für das bessere Verständnis und die Implementierung von einem oder mehreren GS1 Standards als nützlich erachtet werden. Die Richtlinien enthalten keine weiteren normativen Statements über diejenigen hinaus, die im jeweiligen Standard definiert sind.
Begleitmaterial (Collateral materials): Als solches werden weitere Dokumente definiert, die ein vertieftes Verständnis von GS1 Standards und den jeweiligen Richtlinien erlauben und den Einsatz in Unternehmen unterstützen.

Die im GSMP gemeinsam entwickelten Standards verbessern nicht nur die Rahmenbedingungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, sondern sie bilden auch die Grundlage für neue Ideen. Und nicht zuletzt werden Innovationen durch Standards am Markt schneller verbreitet.

Joachim Heldt  

GSMP in Zahlen
Anzahl Länder: 56 Anzahl
Mitgliedsfirmen: 461 davon GS1 Organisationen: 54
Anzahl Anträge (2018): 376
Entwicklungszeit: Ø 211 Tage
Zufriedenheit/Qualität: 81 Prozent

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