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GS1 Registry: Die Welt ein Datentopf

In den vergangenen Jahren haben sich die lokal oder regional eingesetzten GS1 Dienste zunehmend fragmentiert. Jetzt wird GS1 mit der neuen, globalen «Registry» für weltweite Datenkonsistenz sorgen und den Bedürfnissen der global vernetzten Wirtschaft entsprechen.

Die Welt des Detailhandels wird künftig durch Trends bestimmt, die jetzt schon klar sichtbar sind: Dazu zählen neue Online- und Instore-Technologien, hypervernetzte Plattformen und Geräte ebenso wie maschinelles Lernen und neue gesetzliche Anforderungen an die Produktsicherheit.

Alles mit allem verbinden
Vor allem aber sind es die Verbraucher, die erwarten, dass Markenerfahrungen und Shoppingvorteile überall auf der Welt ähnlich sind. Damit ist die eindeutige Identifizierung von Unternehmen, Produkten und Standorten eine entscheidende Voraussetzung, um eine Welt zu schaffen, in der alles, was verbunden werden kann, auch verbunden ist. Erst entsprechende industrieübergreifende Standards werden dies effizient ermöglichen und ein skalierbares Wachstum erlauben.

Die Ziele von GS1 als Standardisierungsorganisation entsprechen genau dieser Vision. Als globales Normungsgremium unterstützt GS1 die Zusammenarbeit der Industriepartner und hat in diesem Rahmen zahlreiche international anerkannte Standards und Tools entwickelt. Heute ist GS1 weltweit in 114 Staaten vertreten und arbeitet neutral sowie nicht gewinnorientiert. Die einzelnen GS1 Organisationen haben in den letzten Jahren je nach Bedarf aus der Industrie zahlreiche lokale, regionale oder nationale Dienste lanciert.

Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren eine gewisse Fragmentierung der national oder regional entwickelten GS1 Services ergeben. Dadurch sind beispielsweise Daten in einzelnen Diensten enthalten, die aber nicht miteinander verbunden sind. Das hemmt die Effizienz, weil Daten nicht von überall her zugänglich sind und teilweise parallel in mehrere Dienste integriert werden müssen. Die aufwendige Integration und geringe Interoperabilität lokaler und globaler Dienste ist zu einem Problem für Anwenderunternehmen in allen Sektoren geworden.

Zeit zum Handeln ist gekommen
GS1 reagiert darauf mit der «Singapore Resolution». Dieses Arbeitspapier legt eine neue Strategie fest, in deren Zentrum die Errichtung eines global zugänglichen Datendienstes steht. «GS1 muss jetzt ein System zentraler Services schaffen, um weltweit die Erstellung, Speicherung und Prüfung von Global Company Prefix (GCP), Global Location Number (GLN) und Global Trade Item Number (GTIN) zu ermöglichen », heisst es sinngemäss im Strategiepapier. Die einheitliche Erstellung und Anwendung dieser Identifikationsstandards ist nämlich eine unabdingbare Voraussetzung für alle fortgeschrittenen Anwendungen in Bereichen wie Produktrückverfolgung, dynamische Lieferprozesse sowie Verwaltung und Authentifizierung von Daten.

Die neue Datenstrategie von GS1 basiert auf mehreren handlungsleitenden Prinzipien. Dazu gehört vor allem die strikte Orientierung an den Bedürfnissen der Benutzer. Die Datendienstleistungen sollen die Geschäftsprozesse der Handelspartner unterstützen. Die Benutzer-Community umfasst Mitgliedsunternehmen von GS1, Nicht- Mitglieder, die bereits GS1 Datendienste nutzen, Lösungsanbieter und Anbieter von Inhaltsdiensten. Ein weiterer Baustein der Strategie ist die strikte Konformität aller Daten mit den GS1 Standards. Die Datendienste basieren somit auf den GS1 Identifikationsschlüsseln und den dazugehörigen Stammdaten und sichern insgesamt die Integrität des GS1 Systems.

Schliesslich werden die GS1 Datendienste mit der angemessenen physischen, logischen und kommerziellen Sicherheit ausgestattet. Dazu gehören beispielsweise die Zugangskontrolle und eine Authentifizierung, damit Handelspartner und Lösungsanbieter auf die Sicherheit ihrer Daten in allen GS1- basierten Prozessen vertrauen können. Ein weiteres Prinzip ist die Datenqualität und -integrität ebenso wie die freie Verfügbarkeit. Die GS1 Daten- dienste sollen künftig Upgrades auf neue Technologien ermöglichen und gleichzeitig abwärtskompatibel für bisherige Nutzer bleiben. Andernfalls sollten klare Migrationspfade aufgezeigt werden.

Datenbank als Herzstück des Ökosystems
Kern der künftigen GS1 Datendienste wird die neue Key Registry sein, die als Dreh- und Angelpunkt eines Ökosystems der Interoperabilität dient. Das Ziel sind benutzerzentrierte, leicht zugängliche Dienste, die auf globalen offenen Standards basieren und via APIs leicht integriert werden können. Die Key Registry speichert Daten für die mit GS1 Identifikationsschlüsseln gekennzeichneten Objekte und Dienstleistungen. Der Basisdatensatz ist dabei vergleichsweise begrenzt, erlaubt aber bereits bestimmte geschäftliche Vorgänge wie beispielsweise eine grundlegende Plausibilisierung. Zudem besteht die Verlinkung auf weitere Webressourcen mit zusätzlichen Informationen, die von GS1 oder anderen Parteien bereitgestellt werden. Später wird die GS1 Registrierungsplattform auch Daten weiterer Granularitätsstufen aufnehmen können, wie Global Model Number (GMN), Consumer Product Variant (CPV), Los- respektive Batchnummer und Seriennummer.

Standardisierte Prozesse regeln die Dateneingabe und den Datenbezug. Bei der Eingabe stellt ein Automatismus die Konformität mit den GS1 Standards sicher. Markeninhaber können einfach eindeutige und regelkonforme GTINs erstellen und zusammen mit grundlegenden Daten in der Registrierungsplattform speichern. Die Datenausgabe erlaubt das Überprüfen von Datenangaben auf Handelsprodukten oder die Analyse von Datenbeständen. Die GS1 Organisationen und die Lösungsanbieter werden zudem noch Mehrwertdienste entwickeln, um spezifische Anforderungen bestimmter Branchen oder Regionen zu erfüllen. Dazu gehört beispielsweise das Angebot «Verified by GS1», mit welchem Organisationsmitglieder die Identität eines Produkts überprüfen können. Die dazu möglichen Datenbankabfragen reichen von der Kontrolle des GS1 Company Prefix (GCP) bis zum Abruf der Global Trade Item Number (GTIN) und grundlegender Begleitdaten. Ferner dient die Datenbank auch der Bekämpfung von Produktfälschungen und illegalem Handel. Der GS1 Service «Fighting Illicit Trade» erlaubt die Abfrage entsprechender Datensätze aus der Registry.

Evolutionäre Implementation
Die neue Registrierungsplattform wird in einem evolutionären Prozess eingeführt. Zunächst werden die Grundlagen in den Bereichen Infrastruktur, Architektur und Governance für die Plattform definiert. Bereits existierende Systeme wie die GS1 Cloud werden in die Key Registry überführt. Die Programmschnittstellen werden breit an alle Stakeholder verteilt, damit diese von Anfang an von den Vorteilen der neuen Key Registry profitieren können.

Der Zugriff auf die Daten der Key Registry wird exklusiv über die nationalen GS1 Organisationen erfolgen. Die für das Projekt nötigen Finanzmittel werden von der globalen GS1 Organisation aufgebracht. Die nationalen Mitgliedsorganisationen werden keine zusätzlichen Gelder einbringen müssen, solange aus dem Betrieb der Plattform keine für das globale Office untragbaren Kosten entstehen. Anhand verschiedener Key Performance Indikatoren wird der Projektfortschritt regelmässig kontrolliert.

Joachim Heldt

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