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LT-OPEX-Tower – das innovative Supply Chain Cockpit der Migros

Mit dem LT-OPEX-Tower adressiert der Migros-Genossenschafts-Bund in der Logistik die brennenden Herausforderungen des Detailhandels. Das Programm stösst national und international auf grosses Interesse.

Die Zukunft konfrontiert den Detailhandel mit zahlreichen Herausforderungen, von denen die Digitalisierung und der Einkaufstourismus nur zwei sind. Die hinter dem Einkaufen stehende Logistik ist ebenfalls stark durch diese Veränderungen betroffen. Das spürt natürlich auch die Migros, für die in der Schweiz täglich Zehntausende von Paletten mit unterschiedlichsten Produkten bewegt werden; weltweit sind jährlich 10 000 Container für die Migros unterwegs. Dabei besitzt die Direktion Logistik Transport des Migros-Genossenschafts-Bunds (MGB) keine eigenen Fahrzeuge (die Genossenschaften und einige weitere Unternehmungen der Migros-Gruppe verfügen über Lastwagen), sondern lediglich Mitarbeitende, Dienstleistungspartner und eine eigene IT-Infrastruktur. Mit dem neu entwickelten Programm LT-OPEXTower hat das Unternehmen nun eine Lösung zur Steuerung der Supply Chain vorgestellt, die national und international auf reges Interesse stösst.

«Der LT-OPEX-Tower ist eine fundamental neue Middleware», sagt Rainer Deutschmann, Leiter der Direktion Logistik Transport im MGB. Sie baut auf den bestehenden transaktionalen Systemen entlang der Supply Chain auf und bietet eine in der Branche einmalige End-to-End-Integrationsleistung. Sie reicht von den Lieferanten irgendwo auf der Welt bis zum Warenempfänger und erlaubt die Kontrolle über alle Transportmodale hinweg. Die durchgängige Nutzung der GS1 Standards macht das möglich. An erster Stelle kommt die Global Trade Item Number (GTIN) zum Einsatz, doch auch der Serial Shipping Container Code (SSCC) ist fester Bestandteil der Auszeichnungspolitik für die transportierten Waren.

Eine Plattform vereint die Logistikakteure der Migros
Bei der Optimierung der weltweiten Supply Chain sind drei Prinzipien entscheidend. «So gut wie nötig lautet das erste, so schnell wie nötig das zweite», berichtet Deutschmann. Drittens schliesslich soll die Lösung für das Management der Wertschöpfungskette so günstig wie möglich realisiert werden. So wird die Supply Chain durch die Reduktion von Verschwendung optimiert. Damit steht der LT-OPEX Tower in der Tradition von Kaizen- und Lean-Konzepten. Das System basiert auf geografischen Daten, funktioniert in Realtime und erlaubt die frühzeitige Trenderkennung. Es beinhaltet Managementfunktionen für die Supply Chain ebenso wie für Resource and Capacity sowie Financial and Risk.

Für die Mitarbeitenden der Direktion Logistik Transport ist die Digitalisierung eine Transformationsreise: Sie sollen den Umgang mit Daten und daraus gewonnenen Erkenntnissen positiv wahrnehmen. «Die Befähigung der Belegschaft ist eine wichtige strategische Komponente des Projekts», stellt Deutschmann fest. So lernten die Mitarbeitenden beispielsweise, wie eine App programmiert wird, und erlangten dadurch ein fundiertes Prozessverständnis. Die Geschäftsleitung absolvierte Kurse zu Themen wie Datenbanken und agiles Projektmanagement.

Agile Entwicklungsphase
Wie Thomas Wunderli, IT-Leiter der Direktion Logistik Transport im MGB, festhält, belief sich die Entwicklungszeit auf rund zweieinhalb Jahre. Dabei wurde agil in bisher insgesamt 16 Sprints entwickelt. Sensible Daten wie Verladedokumente werden schon bald in einem eigenen Blockchain-System abgelegt, damit sie zuverlässig und unverfälscht gespeichert sind. Mittlerweile sind laut Wunderli bereits zahlreiche Logistik-Partnerunternehmen der Migros angeschlossen. Dazu gehören Eisenbahnunternehmen, Strassentransporteure, Spediteure, Häfen und Terminalbetreiber. Somit werden die interkontinentale Seefracht, der internationale und der nationale Schienenverkehr sowie der nationale Strassentransport vom LT-OPEX-Tower abgebildet. «Wir bringen alle Akteure auf einer Plattform zusammen und erhalten so eine Gesamtsicht der Vorgänge », sagt Wunderli.

Risikomanagement und Dekarbonisierung werden ausgebaut
Das Programm enthält neben dem Supply Chain Management auch Module für das Risikomanagement und ökologische Aspekte des Warentransports. Das Modul für das Risikomanagement befindet sich in der fortgeschrittenen Entwicklung und wird noch nicht für den Alltagsbetrieb genutzt. Es wird mit Daten zu Naturkatastrophen und politischen Risiken gefüttert und erlaubt dann den Abgleich, ob Teile der Unternehmensinfrastruktur bedroht werden. Bei einem Hurrikan über den Malediven könne man so gleich erkennen, ob eigene Lieferanten betroffen seien, meint Deutschmann. Er lässt sich derzeit jedesmal eine Mail senden, wenn ein Eisenbahnwagen mehr als 30 Minuten Verspätung hat. Die bei kritischen Events nötige Intervention erfolgt jedoch nicht automatisiert. «Die nötigen Lösungen werden wir nicht programmieren», so Deutschmann. Für schwierige Fälle bestehen weiterhin ein Eskalationsprozedere und der Krisenstab.

Die Flotte umweltfreundlich optimieren
Die Software soll auch einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduktion der für die Migros fahrenden Transportflotte leisten. Die bereits verfügbaren Daten für die rund 600 täglich gefahrenen Touren werden mit GPS-Daten verknüpft, sodass eine genaue geografische und topografische Aufzeichnung vorliegt. Damit kann der Schadstoffausstoss der für die jeweilige Tour eingesetzten Fahrzeuge sehr genau errechnet werden. Die Optimierung erfolgt dann über die Auswahl der geeigneten Antriebstechnologie. Manche Touren erfordern einen Diesel-Lkw, bei anderen genügt ein elektrisch betriebener Lkw, ein mit Schweizer Biogas fahrender Lastwagen oder ein Fahrzeug mit Brennstoffzellen-Technologie, beispielsweise im reinen Stadtverkehr. «Da können in Zukunft gegenüber dem Dieselmotor enorme Mengen von CO2 eingespart werden», freut sich Deutschmann. Der Mehrwert des Systems entsteht hier aus der Veredelung von Basisdaten, deren Auswertung eine umweltfreundlichere Flottenpolitik ermöglicht.

Für alle angeschlossenen Parteien bietet der LT-OPEX-Tower einen «Single Point of Information». Alle können ihre spezifischen Informationen nun aus einem einzigen System heraus erhalten. Ab dem Zeitpunkt der Auftragsbestätigung durch den Lieferanten wird im LT-OPEX-Tower ein Vorgang angelegt. Dieser wird durch nachfolgende Events entsprechend erweitert. So sammeln sich nach und nach Daten zu Lieferung, Packliste, Rechnung und Zolldokumenten im System an. Da die Informationen digital zur Verfügung stehen, verstärkt sich der Trend zum papierlosen Logistikablauf.

Insgesamt ziehen Deutschmann und Wunderli ein sehr positives Fazit. Das System helfe, neue Potenziale zu entdecken und bestehende Prozesse zu verbessern. Die Servicequalität sei besser, die Kosten geringer. «Wir haben uns vom Warenlogistiker zum Datenlogistiker transformiert», fasst Deutschmann zusammen. Die im Rahmen von LT-OPEX aufgebaute Datenbank erlaubt zudem ganz neue Serviceangebote. Künftig will man die Kollaboration unter den Netzwerkpartnern noch weiter intensivieren und vertiefen.

Alexander Saheb

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