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Gute Ideen allein sind nicht viel wert

Innovationen spielen für Unternehmen eine wichtige Rolle. Bei der Entwicklung setzen aber viele Firmen die falschen Prioritäten. So werden in erster Linie Produkte und Dienstleistungen weiterentwickelt, anstatt neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Sehr oft fehlt auch die notwendige Innovationskultur. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Accenture und teknowlogy PAC.

Suchen Sie im Web nach dem Begriff «Innovation», werden über zwei Milliarden Treffer angezeigt. Ein inflationärer Begriff, denn jeder und alles will innovativ sein. Innovation heisst Neuerung oder Erneuerung und hat seinen Ursprung im lateinischen Verb innovare. Umgangssprachlich wird der Begriff für Ideen oder Erfindungen und deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet. Genauer betrachtet, entstehen Innovationen aber erst dann aus Ideen, wenn diese auch in der Realität in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden und sich am Markt erfolgreich durchsetzen. Exnotation ist übrigens das Gegenteil von Innovation und bedeutet die Abschaffung von nicht mehr wirksamen Prozessen, Produkten oder Technologien.

Bewährtes sichern, anstatt Neues zu entwickeln
Für die Studie «Aus Innovationen Werte schaffen» wurden von Ende November 2018 bis Anfang Februar 2019 knapp 260 Führungskräfte aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Das Ergebnis: Innovation ist für viele Unternehmen das Mittel, um schnelleres Wachstum, höhere Umsätze oder entscheidende Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

82 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sich bei der Weiterentwicklung von bestehenden Produkten und Dienstleistungen stark mit Innovationen auseinanderzusetzen. Bei 72 Prozent der Unternehmen steht die Sicherung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit im Fokus und nicht die Entwicklung neuer, visionärer Produkte oder Dienstleistungen. Immerhin 54 Prozent legen den Fokus auf Innovationsprojekte, mit dem Ziel, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Bei lediglich einem Drittel der Unternehmen liegt das Augenmerk auf Innovationsprojekten, die auf Veränderungen der Organisations- und Führungsstrukturen abzielen.

«Innovationen sind erst dann erfolgreich, wenn Unternehmen daraus für ihre Kunden – und für sich selbst – einen echten Mehrwert generieren können. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden, wie Innovation angestossen werden kann und was sie konkret bedeutet. Das kann ein verbessertes Kundenerlebnis sein, ein neuer Service für ein Produkt, ein neues Geschäftsmodell oder auch neue Strukturen und Prozesse. Was Innovation in jedem Fall bedeutet, ist Veränderung », resümiert Sigrid Stinnes, Innovation Lead bei Accenture für Deutschland, die Schweiz und Österreich.

Ohne Innovation keine Zukunft
Der Grossteil der Firmen hat die Bedeutung und Wichtigkeit von Innovationen wahrgenommen. So verfolgen 70 Prozent der Unternehmen zwei bis drei konkrete Innovationsprojekte in den vordefinierten Bereichen. 14 Prozent geben an, in allen vier Bereichen mit Innovationsprojekten aktiv geworden zu sein. Nur 3 Prozent geben an, noch keine Innovationsprojekte in den definierten Bereichen fokussiert zu haben. Aus den Angaben zu den geplanten Innovationsprojekten in einzelnen Unternehmensbereichen geht deutlich hervor, dass die Mehrheit der Unternehmen sich der Bedeutung von Innovationen bewusst sind. So ist die Umsetzung in den Bereichen, die nahe am operativen Geschäft liegen, mit 89 Prozent weit fortgeschritten. 79 Prozent der befragten Unternehmen haben in agile IT-Systeme und neue Technologien investiert. In den Bereichen Vertrieb, Marketing und Personalwesen haben 60 Prozent der Firmen Innovationsprojekte durchgeführt. Dabei stand die Kunden- und Mitarbeitergewinnung im Mittelpunkt.

Bei Veränderungen, die auf die Organisationskultur abzielen, sind viele Unternehmen noch sehr unsicher. Laut der Studie ist dies auf den Umstand zurückzuführen, dass sie hier nicht, wie in den anderen Unternehmensbereichen, auf langjährige Methoden und bewährte Werkzeuge zurückgreifen können. So haben nur knapp die Hälfte der Unternehmen in den Auf- und Ausbau einer agilen Organisation investiert. 17 Prozent sehen zwar Handlungsbedarf, haben aber noch keine Innovationsprojekte geplant.

Ideen umsetzen
Laut der Studie scheint der Innovationsdruck vorhanden zu sein, aber nur wenige Unternehmen wollen Impulsgeber sein. So bezeichnen sich nur gerade 12 Prozent der Unternehmen als Innovationsführer, 55 Prozent sehen sich als Innovationsfolger und ein Drittel als Innovationsnachzügler. «Unternehmen schauen zu sehr darauf, was andere machen», erklärt Sigrid Stinnes. «In Zeiten der Digitalisierung sind die Unternehmen erfolgreicher, die als erste am Markt sind und ihre Innovationen schnell in die Breite tragen – und das weltweit. Allein durch eine Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit den Status quo zu wahren, kann nicht der Anspruch sein.» Die Vorteile von Innovationen sind bekannt. Wer mit einer Produktinnovation als Erster auf den Markt kommt, kann langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit sichern. So nennen denn auch 72 Prozent der Unternehmen, unabhängig von der jeweiligen Grösse, die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit als den Haupttreiber für Innovationsvorhaben. An zweiter Stelle rangiert mit knapp 18 Prozent die Erhöhung der eigenen Produktivität. Lediglich für 6 Prozent der Unternehmen spielt das Image bei Innovationsvorhaben eine Rolle.

Ohne Kultur keine Innovation
Innovationen entstehen nicht einfach von heute auf morgen. Sie brauchen Zeit, entstehen durch Begeisterung und benötigen geeignete Rahmenbedingungen. Die Studie ist auch der Frage nachgegangen, welche Hürde Unternehmen überwinden müssen, um Innovationen zu entwickeln und umzusetzen. 61 Prozent der befragten Manager bezeichnen die Etablierung einer Innovationskultur als eine der grössten Herausforderungen für die Umsetzung von Innovationsprojekten. Eng damit verbunden ist auch das Unvermögen, aus Ideen Werte zu schaffen (59 Prozent).
Auch lebt Innovation von Begeisterung und braucht Leidenschaft. Innovationen kommen von Mitarbeitenden, die Spass an Neuem haben und ihr kreatives Potenzial entfalten können. Motivierte Mitarbeitende sind der Motor für das Ideenmanagement. 50 Prozent der befragten Unternehmen betrachten denn auch die Begeisterung der Mitarbeitenden als eine grosse Herausforderung. Mitunter fehlt es aber gar nicht an Ideen, sondern ganz einfach an der Fähigkeit, die unterschiedlichen Initiativen innerhalb des Unternehmens zu koordinieren und abzustimmen. So sehen 52 Prozent der Unternehmen in der Koordination verschiedener Innovationsinitiativen eine grosse Herausforderung.

«Um Innovationen erfolgreich umzusetzen, braucht es Veränderung von innen», erklärt Sigrid Stinnes. «Eine Innovationskultur zu etablieren, entsprechende Initiativen zu koordinieren und die Belegschaft für neue Ideen zu begeistern, sind klassische Managementaufgaben. Eine solche Art der Veränderung muss der Vorstand oder die Geschäftsführung vorantreiben und die Innovationsinitiativen mit dem Kerngeschäft zusammenbringen.»

Obwohl viele Unternehmen die Bedeutung von Innovationen für das eigene Unternehmen längst erkannt haben, bleibt eine grosse Anzahl von Innovationen auf der Strecke und verpufft einfach. Laut der Studie fehlt es an entscheidenden Voraussetzungen, etwa an einer Geschäftsleitung, die das Thema trägt und die dafür notwendigen personellen Ressourcen bereitstellt. 63 Prozent der Unternehmen bemängeln, dass sich die Geschäftsleitung nicht klar als Vorreiter bei Innovationen positioniert.

Knapp die Hälfte der Befragten geben an, über nicht genügend personelle Ressourcen für die Innovationsarbeit zu verfügen. Innovationsprojekte werden von den Mitarbeitenden nebenbei und zusätzlich zu den bestehenden Haupttätigkeiten realisiert. Diese Vorgehensweise ist nicht förderlich und erstickt jegliche Innovationsbestrebungen im Keim. Daher suchen Firmen auch Kooperationen mit Universitäten oder mit Start-ups oder bilden Innovationsgemeinschaften mit Kunden und Lieferanten. In Sachen IT-Systeme fühlt sich knapp ein Viertel schlecht gerüstet und gibt an, dass die eigenen IT-Systeme nicht flexibel genug seien, um innovative Produkte und Services zu realisieren.

Innovationen aus Daten
Auch ein effizientes Datenmanagement bietet aus Sicht der Studienverfasser zahlreiche Ansätze für Innovationen. So geben 81 Prozent der Unternehmen an, dass sie Datenanalysen für Absatz- und Bedarfsprognosen nutzen. 74 Prozent halten sich in Bezug auf die Nutzung von Daten für strategische Entscheidungen und Planungen für gut aufgestellt. Ein anderes Bild zeigt sich beim Thema Customer Experience. Knapp die Hälfte der Befragten fühlen sich gut aufgestellt, wenn es darum geht, das Verhalten der Kunden anhand von Analysen vorherzusagen. Viele Aspekte der Innovation basieren auf der Fähigkeit, aus Daten Erkenntnisse und Vorhersagen zu gewinnen. Aus den Antworten auf die Frage, auf welche Technologie man künftig setze, um Innovationen zu unterstützen, geht hervor: Die Hyperthemen künstliche Intelligenz, Internet-of-Things-Technologien und cloudbasierte Plattformen für die Softwareentwicklung sind allgegenwärtig. So rücken für 52 Prozent der befragten Unternehmen immer mehr Machine Learning und künstliche Intelligenz (KI) in den Vordergrund, dicht gefolgt von IoT-Technologien mit 45 Prozent.
Aufgeschlüsselt nach Branchen messen Unternehmen aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche der KI mit 61 Prozent die grösste Bedeutung bei. Bei IoT ist es das verarbeitende Gewerbe mit knapp 50 Prozent. Schon heute werden Sensordaten von Maschinen genutzt, um neue Services wie vorausschauende Wartung zu realisieren. Cloudbasierte Plattformen für die Softwareentwicklung sind nur für einen Drittel der Unternehmen von zentraler Bedeutung. Das hängt damit zusammen, dass nicht jedes Unternehmen selbst eigene Software entwickelt. An Innovationen kommt kein Unternehmen vorbei. Zahlreiche Ideen und Neuerungen stehen bei den Unternehmen in der DACH-Region an. Ob alle zum Erfolg führen, hängt auch voneiner Innovationskultur ab, die das Unternehmen befähigt, Innovationen kompetent und schnell zu realisieren.

Joachim Heldt

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