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Kunde, allein im Laden

Dank der Digitalisierung kann Valora neue Shopkonzepte testen, die Kunden mehr Flexibilität geben sollen. Bisher klingt das Fazit positiv.

Die Convenience-Shops der Valora-Gruppe suchen die Zukunft: Dazu wurden neue Formate lanciert, die ohne eine traditionelle Kasse auskommen. Der Zugang und der Einkauf werden über eine App geregelt. In der avec box können Kunden selbstständig und jeden Tag rund um die Uhr ein ausgewähltes Produktsortiment einkaufen. Der avec X-Store wiederum versteht sich als Innovationslabor, um neue Angebote in der Einkaufspraxis zu testen. Hinter den in total nur fünf Monaten entwickelten und realisierten neuen Shop-Konzepten stehen gleich mehrere strategische Überlegungen. Laut Mediensprecher Lukas Mettler möchte man im stationären Handel die neuen Konsumentenanforderungen erfüllen, die durch das Online-Einkaufen gewachsen sind: grösste Flexibilität und Autonomie. «Neue Technologien und Konzepte wie die avec box helfen uns, das Angebot weiter auszubauen und noch mehr Convenience zu bringen», betont Mettler.

Schwerpunkte auf Frischprodukten und individueller Auswahl
In den neuen Stores bezieht sich Convenience nicht nur auf das Sortiment, sondern auf das gesamte Einkaufserlebnis: Es ist ausserhalb der normalen Geschäftszeiten möglich und das Shopping erfolgt im eigenen Tempo. Dank der avec box sind demnach die «Foodvenience» und das Frischesortiment von avec wo immer zulässig täglich rund um die Uhr erhältlich. Mettler streicht heraus, dass dies erst dank den Anstrengungen der Muttergesellschaft Valora bei der Digitalisierung möglich geworden ist.

Die Sortimentsauswahl der avec box orientiert sich daran, dass ein Convenience-Angebot mit hohem Food- und Frischeanteil verfügbar ist. Dazu gehören Lebensmittel für den täglichen Bedarf, das Wichtigste für den Haushalt sowie Esswaren für unterwegs. Damit entspricht das Sortiment der avec box in etwa einem avec, meint Mettler. Im avec X dagegen werden die neusten Convenience-Trends getestet. Deshalb gibt es hier laufend neue Produkte und Angebote, so beispielsweise frisch produzierte Lebensmittel des avec-Labels «Handmade with Love» wie Sandwiches oder Wraps oder nachhaltige Produkte des Labels «Von Hier». Ferner gibt es Module, die dem Kunden das gewünschte Produkt genau nach seinem Geschmack zubereiten (Sally Salat, Sally Müesli, Teabot) oder seine zuletzt getätigten Einkäufe wieder anzeigen (Kaffeemaschine, Tabakautomat). Letztere sind auch in der avec box vorhanden.

Standards und Prozesse von GS1
Der Warennachschub in die Verkaufsformate wird über ein Bestellsystem ausgelöst und fliesst direkt in das ERP-System des Unternehmens hinein. Je nach Lieferantenbeziehung und Prozess werden diverse Kanäle genutzt. In allen elektronischen Standardschnittstellen kommt EDI EANCOM nach GS1 Standard zur Anwendung, um mit den entsprechenden Lieferanten zu kommunizieren. Die gesamte Supply Chain von Valora ist komplett auf den GS1 Standards aufgebaut. Die EDI EANCOM Standards dienen der Kommunikation mit Lieferanten wie auch für die Frischeplattform in der Logistik, über die alle Frischwaren und Sandwiches logistisch abgewickelt werden. Dies beinhaltet die Kommunikation per GLN, GTIN und SSCC. Ferner richtet man sich bei den Prozessen nach den Empfehlungen von GS1 und weicht nur selten von diesen ab.
Dank dem bisher erhaltenen Kundenfeedback konnten schon in der Testphase im Zürcher Hauptbahnhof einige Schwachstellen beseitigt und Prozesse optimiert werden. Dabei ging es insbesondere um die einfachere Nutzung der App sowie die Optimierung der Systeme im Hintergrund. Ansonsten jedoch kamen vor allem die innovativen Produkte, der einfache und schnelle Einkauf sowie die 24-Stunden-Einkaufsmöglichkeit bei der Kundschaft sehr gut an. Auch Warenschwund ist ein Thema, es wird aber laut Mettler nicht mehr gestohlen als in einem gewöhnlichen Store. Die Überwachung erfolgt über Kameras und andere Systeme, zudem können Stichproben gemacht werden.

Datensicherheit und Expansionspläne
Der Zutritt, der Einkauf und die Bezahlung erfolgen in beiden Formaten stets über eine eigens entwickelte App. Die Daten, die durch die Einkäufe gewonnen werden, machen das Einkaufsverhalten der Kundschaft insgesamt transparenter und erlauben eine Reaktion auf Trends. Mettler streicht heraus, dass für Valora der Datenschutz im Zusammenhang mit der avec box und dem avec X sehr wichtig ist: «Valora garantiert, dass die Daten ihrer Kunden sicher sind und im Einklang mit den datenschutzrechtlichen Vorgaben verarbeitet werden.»
Die Zukunft für die avec box auf dem Hönggerberg ist noch nicht gesichert, sie ist derzeit in einer Testphase. Im Winter soll jedoch eine avec box in Wetzikon eröffnet werden. Weitere Standorte sind in der Evaluierung. Der avec X-Store am Zürcher Hauptbahnhof ist hingegen ein Innovationslabor, in dem neu entwickelte digitale Aspekte des Einkaufserlebnisses, wie personalisiertes Einkaufen oder digitale Bezahlmöglichkeiten, laufend getestet werden. Anhand der Ergebnisse und Rückmeldungen werden die Angebote weiterentwickelt. Ferner wird entschieden, was schweizweit in andere Formate integriert wird. Deshalb ist ein Roll-out des avec X in andere Regionen nicht vorgesehen.

Alexander Saheb
 

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