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Weiterbildung im Homeoffice

Die Welt befindet sich im Shutdown. Millionen von Menschen sind arbeitslos, in Kurzarbeit oder im Homeoffice. Schulen und Universitäten sind geschlossen oder im Betrieb stark eingeschränkt. Fast alle Branchen leiden. Anbieter von digitalen Lernplattformen hingegen erleben im Zeitalter des Social Distancing einen regelrechten Boom.


Klassisches Lernen mit Präsenzunterricht ist derzeit nur eingeschränkt möglich. Videotools, Digital Classrooms, Webinare und Lernmanagement-Systeme sind gefragt wie nie. Schon vor Covid-19 ging es der E-Learning-Branche gut. 2018 wurde ein Umsatzplus von 13,8 Prozent (China: 52 Prozent) bei einem Umsatzvolumen in Deutschland von einer Million Euro erwirtschaftet. Das Jahr 2020 wird dieses Ergebnis in den Schatten stellen.

Wissensvermittlung in Zeiten von Corona
E-Learning steht für Electronic Learning und umfasst alle Arten des Lernens, die durch elektronische, technische und digitale Medien unterstützt werden. Es geht um Präsentation und Aufbereitung von Inhalten und die Verbreitung zur Zielgruppe. Angesprochen werden private Haushalte, Schulen, Hochschulen, die öffentliche Verwaltung und Unternehmen. Ein vielfältiges Angebot zu Weiterbildung und berufsbegleitendem Lernen steht zur Verfügung. Schulen geschlossen, Kinder zu Hause: eine didaktische Herausforderung für Eltern, die versuchen, wenigstens einen Teil des Schulunterrichts selbst zu organisieren. Viele Lehrpersonen bieten Unterstützung per «Fernunterricht» an. Mithilfe von Telefon, E-Mail oder Konferenzprogrammen wollen sie zumindest einen rudimentären Unterricht ermöglichen. Ein flächendeckendes Konzept für Kinder im «Homeschooling» gibt es (noch) nicht.

Die Krise zeigt deutlich, wie antiquiert vor allem das deutsche Schulsystem ist. WLAN an Schulen, Tablets für Schülerinnen und Schüler, Nutzung von Lernplattformen, digitale Kompetenz von Lehrkräften? Vielfach Fehlanzeige. Gemäss Umfragen des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie (IBB) in Zug werden an 82 Prozent der Schweizer Schulen Online-Plattformen genutzt, in Österreich sind es 57 Prozent, in Deutschland nur 43 Prozent.

Hochschulen nutzen digitale Hilfsmittel schon lange. Ein vollständiger Ausfall des Präsenz-Lehrbetriebs stellt Studierende wie Dozierende dennoch vor grosse Herausforderungen. Wer schon einmal ein Videotool wie Zoom mit mehreren Teilnehmern genutzt hat, weiss, wie schwierig es ist, sich nicht ins Wort zu fallen. Komplexe Themen, Zwischenfragen, Erläuterungen: online sind Seminare deutlich anstrengender als vor Ort. Und nicht alle Studierenden sind mit einem leistungsfähigen Notebook und einer stabilen Internetverbindung ausgestattet.

Die Corona-Einschränkungen zwingen Firmen vielfach, auf Homeoffice umzustellen. Und Präsenz-Weiterbildung wird zur Onlineschulung. Verfügbar ist eine Vielzahl von branchenbezogenen E-Learning-Plattformen.

Digitaler Werkzeugkasten
Podcasts oder YouTube-Clips zur Wissensaneignung sind im Internet leicht zu finden. Gerade die interaktiven Alternativen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Nutzung der Videokonferenz- Tools Skype, Zoom oder Microsoft Teams hat zugenommen. Privat ein guter Weg, die soziale Isolierung erträglicher zu gestalten – und unverzichtbar für Unternehmen, Verwaltung, Politik, um den laufenden Betrieb aufrechterhalten zu können. Virtual Classrooms und Webinare sind mehr auf direkten Lehrbetrieb zugeschnitten. Sie ähneln klassischen Web- Konferenzen. Im Aufwind sehen viele E-Learning-Anbieter derzeit Video-Tutorials und «Microlearning», Wissensvermittlung in kleinen Lerneinheiten und kurzen Schritten. Dazu zählt die beliebte Sprach-App Babbel. Knowledge Fox aus Wien soll spielerisches Lernen ermöglichen. Beide sind kostenpflichtig.

Ganz auf den Bedarf von Schulklassen zugeschnitten sind kostenlose Angebote, die von Bundesländern schon vor der Corona-Krise aufgebaut wurden. Dazu gehören Mebis in Bayern, das School Communication System Schleswig-Holstein (schulcommsy) und in der Schweiz die Schulplattform Oberaargau. Die Serverkapazitäten dieser Plattformen sind allerdings noch recht begrenzt und Systemabstürze an der Tagesordnung. Eine der beliebtesten Lernplattformen ist Moodle. Das E-Learning-Tool hat einen hohen Verbreitungsgrad, was die über 107 000 registrierten Installationen mit 174 Millionen Nutzern in 20 Millionen Kursen in 230 Ländern zeigen. Verwendet wird es von Unternehmen, Verwaltungen, Bildungsträgern, Hochschulen und Schulen. Aktuell, kostenfrei und von Schülern für Schüler entwickelt ist die Lernplattform Corona- School. Die Schweizer Bildungscloud educanet2.ch ist schon seit acht Jahren online – mit wachsender Akzeptanz bei Lehrkräften und Lernenden.

Für betriebliche Weiterbildung setzen Unternehmen gerne Lernmanagement- Systeme (LMS) ein. Cleveranto, Easylearn, XCell sind etablierte Marken im expandierenden E-Learning-Markt. Beliebt ist auch die «Online-Universität» Udacity. Sie wurde unter Beteiligung von Google und Facebook entwickelt und ist seit 2016 auch im deutschsprachigen Raum verfügbar.

Datensicherheit
Wie bei allen Aktivitäten im Worldwide Web ist es auch beim E-Learning notwendig, sich mit dem Thema Datensi-cherheit auseinanderzusetzen. Digitale Lernplattformen speichern zwangsläufig sensible Daten – neben persönlichen Angaben auch Lernstand und Lernerfolg. Dadurch wird ein Persönlichkeitsscreening möglich, das missbraucht werden kann.

Um Kinder und Jugendliche für die daraus resultierenden Gefahren zu sensibilisieren, ist es Aufgabe von Lehrpersonen und Eltern, die digitalen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Ein interessanter Ansatz wird derzeit in Deutschland diskutiert: der digitale Schülerausweis. Er soll ermöglichen, auf digitale Lernplattformen zurückgreifen zu können, ohne dabei persönliche Daten zu hinterlassen. Bildungseinrichtungen und Unternehmen müssen bei der Auswahl eines E-Learning-Anbieters sicherstellen, dass dieser die datenschutzrechtlichen Bestimmungen in Europa kennt und beachtet.

Digital? Ja, aber …
Die Vorteile digitalen Lernens liegen im riesigen Angebot unterschiedlicher Lernmethoden. Dank zeitlicher und örtlicher Flexibilität kann E-Learning hervorragend in Alltag und Arbeitssituation integriert werden. So sorgen Lernmanagement-Systeme für eine schnelle Angleichung des Wissensstandes von Mitarbeitenden und der Content von E-Learning-Plattformen wird bei gleichbleibender Qualität regelmässig aktualisiert. Um die Motivation von Lernenden zu steigern, ist der interaktive Lehrstoff anschaulich, vielseitig und didaktisch aufbereitet. Grundsätzlich ist das digitale Lernen im Vergleich zu Präsenzlehrgängen kostengünstiger, denn Aufwendungen für Räume, Dozierende und Hotels entfallen.

Ein Nachteil des digitalen Lernens ist das Fehlen der direkten sozialen Kontakte zu Kolleginnen oder Mitschülern. In der Präsenzschule lernen die Kinder auch Sozialverhalten, digital ist das unmöglich. Studium oder Weiterbildung mit digitalen Tools setzen ein hohes Mass an Selbstständigkeit, Selbstorganisation und Disziplin voraus – selbst für Erwachsene eine Herausforderung. Und wer nur zu Hause lernt und arbeitet, dem fällt es schwer, abzuschalten. Grundvoraussetzung für digitales Lernen ist eine flächendeckende IT-Infrastruktur für alle Schulen mit den benötigten Endgeräten wie Tablet-PCs, Laptops und interaktive Tafeln. Die technischen Voraussetzungen sind aber längst nicht überall gegeben. Um jedem Schüler und jeder Schülerin gleiche Bildungs-Chancen einräumen zu können, muss in Zukunft massiv investiert werden.

Die Zukunft des digitalen Lernens
Nach der Eindämmung von Covid-19 wird die Welt anders aussehen. Könnte die Krise bei allem Leid nicht auch «Katalysator von Fortschritt» sein? Der Lockdown hat die Chancen und Möglichkeiten des E-Learning deutlich gemacht. Im Bildungswesen findet ein Umdenken statt. Digitale Geräte und Applikationen dienen nicht nur Unterhaltung und Konsum, sondern können auch hervorragend als Lernwerkzeuge genutzt werden.

Schulen, Universitäten und Unternehmen werden in den nächsten Jahren ihre digitalen Kapazitäten ausbauen müssen. Denn Medienkompetenz, passende Soft- und Hardware und stabiles Internet sind Voraussetzungen für Zukunftsfähigkeit. Dennoch ist Onlinelernen kein Ersatz für klassischen Präsenzunterricht. Ein didaktisch sinnvolles Konzept besteht aus der Kombination beider Welten. Dem «Blended Learning» gehört die Zukunft. || Peter J. Kahler   Kasten

Peter Kahler


Kriterien für die Wahl des richtigen E-Learning-Programms
Benutzerfreundlichkeit: Leichte Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit führen zum Erfolg. Die Lerninhalte sollten professionell produziert sein.
Zielgruppe: Erfolgreiches E-Learning sollte an die Zielgruppe angepasst sein.
Design: Der erste Eindruck hängt vom Design ab und bestimmt die Lernatmosphäre.
Interaktivität: Das interaktive Potenzial von E-Learning soll genutzt werden. Spielerische, multimediale Elemente steigern den Spass am Lernen.
Kontakt: E-Learning findet selbstständig statt. Kontaktmöglichkeiten zu Ansprechpartnern und anderen Teilnehmenden wirken unterstützend.

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