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Logistiklöhne: Potenzial für Digital-Spezialisten

Das Lohnwachstum für Mitarbeitende in Logistik und Supply Chain ist gering. Seit Corona rücken jedoch digitalisierungsnahe Tätigkeiten und Supply Chain Manager ins Zentrum der Aufmerksamkeit.


Tätigkeiten in der Logistik und Supply Chain finden sich in nahezu allen Branchen. Logistiker arbeiten in der Lagerei, dem Einkauf oder Warentransport oder sie übernehmen strategische Aufgabenbei der Konzeption und Steuerung von Supply Chains. Logistiker sind zudem auf allen Führungsstufen vertreten: Es gibt sie in Stabsfunktion mit fachlicher Teil- oder Gesamtverantwortung ebenso wie in Linienfunktionen mit disziplinarischer und Budgetverantwortung.

So unterschiedlich wie die Einsatzorte, so vielfältig sind die Löhne. Sie variieren abseits der Funktionsstufen auch je nach Branche recht deutlich, weiss Mathias Siegenthaler von der Personalberatung Logjob AG, die an fünf Schweizer Standorten präsent ist. Am unteren Ende stehen Tätigkeiten in der Gastronomie sowie bei Lebensmitteloder Papier- und Textilproduzenten. Wesentlich besser ist die Entlöhnung für Logistiker bei grossen und internationalen Handelsketten oder Discountern in der Schweiz. Am meisten verdient man laut Siegenthaler in den Branchen Bau, Pharma oder Chemie und Luxusgüter. Allerdings sei die Lohnentwicklung der vergangenen fünf Jahre tendenziell eher stagnierend. Es habe jährlich bestenfalls Lohnsteigerungen im tiefen einstelligen Prozentbereich gegeben.

Corona macht Supply Chain systemrelevant
Aktuell verändert das Coronavirus die Situation deutlich. Arbeiten im Homeoffice und der massive Anstieg des E-Commerce schlagen sich auch in der Logistik nieder. Die Kunden entscheiden sich immer öfter dafür, nicht mehr ihr eigener Logistiker zu sein, sondern sich Waren liefern zu lassen. Unternehmen wie Amazon, Digitec oder Brack erlebten einen Riesenboom, Roland Brack rief wegen der immensen Nachfrage sogar zum Nichtkaufen auf.

Laut Siegenthaler prägt das bereits die Nachfrage nach Fachkräften, die mit Digitalisierung und E-Commerce vertraut sind. Insbesondere Supply Chain Manager haben eine ganz neue Bedeutung erlangt. «Das sind mittlerweile systemrelevante Tätigkeiten», stellt Siegenthaler fest. Denn die bisher nur wenig beachteten Supply Chain Manager sind es jetzt, die globale Lieferketten neu komponieren müssen, um die Versorgung mit den notwendigen Gütern zu gewährleisten.

Dass in diesem Berufsfeld nun Handlungsbedarf besteht, bestätigt auch eine aktuelle Umfrage der internationalen Personalberatung Egon Zehnder unter 234 Chief Supply Chain Officern in verschiedenen Ländern und auch in der Schweiz. Deren grösste unternehmensinterne Herausforderung – nach der Komplexität der eigenen Versorgungskette – ist es mittlerweile, geeignete Nachwuchstalente zu finden. Für rund 40 Prozent der Befragten haben die Kandidaten nicht genug Leadership- Kompetenzen, genauso viele bemängeln das Fehlen geeigneter Kandidaten an sich.

Spitzenkräfte mit Teilzeitjobs anlocken
Die Logistik der Zukunft wird an Komplexität nochmals zunehmen, ist Siegenthaler überzeugt. Verteilsysteme wie Cargo sous terrain und nachgelagerte Hubs für die Feinverteilung in Ballungszentren verlangen im Betrieb nach qualifizierten Managern, Ingenieuren und operativen Betriebsleitern. Laut Siegenthaler stehen dabei strategische, organisatorische und technische Anforderungen im Raum, welche zumeist nur Kandidaten mit einer Hochschul- oder Universitätsbildung erfüllen können.

Neben finanziellen Aspekten rücken andere Kompensationselemente in den Vordergrund. Stark im Kommen sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, die Arbeitspensen von 70 bis 80 Prozent auch auf Kaderebene ermöglichen. Laut Siegenthaler sind es insbesondere internationale Grossfirmen, aber auch die SBB und die Post, welche mit solchen Angeboten talentierte Mitarbeitende gewinnen und langfristig im Unternehmen halten möchten. Ein weiterer Trend ist die gezielte Förderung von Frauen für logistische Tätigkeiten. Siegenthaler betont, dass es viele Einsatzgebiete ohne anstrengende körperliche Tätigkeit gebe, in denen Frauen zudem gute Entwicklungschancen hätten.

Differenzierte Lohnstruktur
Bei Logjob kann man betreffend der in der Logistik gängigen Saläre auf die eigene langjährige Erfahrung aus der Fachkräftevermittlung zurückgreifen – wobei dies natürlich keine repräsentativen Angaben sind (siehe Tabelle). Als Beispiel aus dem unteren Kader dient der Teamleiter Lager, der im Median rund 6800 Franken monatlich erhält. Beim Medianlohn hat die eine Hälfte der Befragten mehr, die andere Hälfte weniger in der Tüte; er ist realitätsnäher als ein Lohndurchschnitt, der stärkeren Verzerrungen durch Spitzenverdiener unterliegt. Ein Logistikleiter in einem KMU wiederum erhält im Median 9300 Franken pro Monat, ebenso viel wie Abteilungsleiter für verschiedene Disziplinen wie Einkauf, Lager oder Transport. Im oberen Kader oder der Geschäftsleitung schliesslich sind Jahreseinkommen bis zu 300 000 Franken möglich, der monatliche Medianlohn liegt aber bei 14 700 Franken. Noch höhere Saläre werden laut Siegenthaler zumeist nur für gesamtverantwortliche Logistik- oder Supply-Chain-Führungspositionen in international tätigen Konzernen bezahlt, vor allem wenn sie auch noch in einer der «Hochlohnbranchen » angesiedelt sind.

Deutlich detailliertere Daten liefern manche Onlineportale wie beispielsweise lohnrechner.ch, das vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund unterhalten wird. Das Portal arbeitet mit Basisdaten der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung, die fast zwei Millionen Lohndaten aus rund 40 000 Unternehmen enthält. Hier zeigen sich vor allem die eher bescheiden anmutenden Lohnniveaus bei Tätigkeiten, die manuell ausgeführt werden müssen. Lageristen bekommen teilweise weniger als 5000 Franken monatlich, ebenso wenig wie Chauffeure oder Einstiegs-Sachbearbeiter für Import und Export.

Siegenthaler fände es angebracht, dass für diese Tätigkeiten an der Basis der Infrastruktur eine höhere Vergütung bezahlt wird. Es sei ähnlich wie bei Pflegeberufen: Gemessen an ihrer Bedeutung für das System seien diese Tätigkeiten zu schlecht bezahlt. In den kommenden Lohnrunden dürfte sich dieses neue Bewusstsein vermutlich manifestieren.

Logistik bezahlt Frauen fairer als andere Branchen
Die vom Bundesamt für Statistik publizierte Lohnstrukturerhebung selbst nennt für den Wirtschaftsabschnitt «Verkehr und Lagerei» als Medianlohn für eine Vollzeitbeschäftigung 6090 Franken monatlich. Das am wenigsten verdienende Viertel der Mitarbeitenden in diesem Segment erhält aber weniger als 5132 Franken. Das am besten verdienende Viertel darf sich über 7659 Franken freuen. Allerdings fällt auf, dass hier die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen nicht so hoch ist wie in anderen Branchen. Männliche Mitarbeitende werden mit rund 6200, weibliche mit 5900 Franken monatlich entschädigt.

Ferner bestehen in den verschiedenen Regionen der Schweiz recht deutliche Unterschiede in der Lohnhöhe. Im Espace Mittelland liegt der Medianlohn bei 6500 Franken und ist damit höher als im Grossraum Zürich mit 6300 Franken. In der Region um den Genfersee erhalten die Beschäftigten lediglich 5600 Franken und im Tessin sogar nur 5000 Franken bezahlt. Diese Unterschiede sind für Siegenthaler dadurch bedingt, dass an den wichtigen Verkehrsknotenpunkten eben auch viele wichtige logistische Funktionen mit den entsprechend hoch qualifizierten Fachkräften angesiedelt sind.

Alexander Saheb
 

Logistiklöhne    
Berufe / Positionen (Beispiele) Bildung / Diplome (eidg. Diplome) Gehälter in CHF (pro Monat, inkl. 13. + Boni)
Unteres Kader
Teamleiter Lager: Export, Spedition, Innendienst Teamleiter operativer Einkauf
Einkaufs-, Logistik-, Export-Fachperson / Zolldeklarant / Logistiker Prod. / DL / Lager Median: 6800
Ab ca. 5650 bis 7700
Mittleres Kader
Abteilungsleiter Einkauf, Lager, Transport, Export, Filialleiter, Logistikleiter KMU
Logistik-, SCM-, Einkaufs-, Speditions-Leiter / TS, HF, FH Logistik / Betriebsleiter Transport Median: 9300
Ab ca. 7400 bis 12 600
Oberes Kader / Geschäftsleitung
Gesamtleitung Logistik SCM /COO / CPO (Chief Operating /Procurement Officer)
MAS / MBA Supply Chain (ETH, FHNW, ZFH), Betriebsökonom, Ing. ETH / HTL / FH Median: 14 700
Ab ca. 11 700 bis 26 500
Einkauf
Strategischer Einkäufer, Technischer Einkauf, Projekteinkauf, Category Manager
Einkaufsfachperson / Einkaufsleiter / Category Manager Median: 10 500
Ab ca. 7700 bis 14 700
Planning
Waren- oder Transport-Disponent, AVOR / PPS, Demand & Supply Planner, operativer Einkauf
Logistiker Produktion / Logistik-, Prozess-Fachperson / Transportdisponent Median: 7700
Ab ca. 6300 bis 8800
Projekte / Stab
Projektleiter, Q-Manager, Logismatiker, EDI-Spezialist, Logistik-Controller
Logistik-IT-Leiter (Logismatik), Controller, Organisator, Techniker Unternehmensprozesse Median: 8400
Ab ca. 7200 bis 12 600
Consulting Logistik / SCM
Verkaufsberater Logistik (Systeme, Transport, Spedition, Logistik), Unternehmensberater
Verkaufsfachperson, Verkaufsleiter, Marketingplaner, Marketingleiter, Betriebsökonom, Ing. ETH / HTL / FH Median: 10 500
Ab ca. 8300 bis 15 800

 

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