gs1-neton-header-02.jpg

Datenökosystem für das Gesundheitswesen

firstbase healthcare: Datenökosystem für das GesundheitswesenDie Herausforderungen im Gesundheitswesen sind gross. Rückverfolgbarkeit, Fälschungssicherheit und Patientensicherheit haben in der gesundheitlichen Versorgungskette oberste Priorität. Stammdaten übernehmen dabei eine Schlüsselfunktion. Die Datenaustauschplattform für das Gesundheitswesen soll in Zukunft den Austausch von Produktstammdaten sicherstellen.

Eine hohe Qualität von Produktstammdaten ist eine zwingende Basis für effiziente und digitale Prozesse. Sie liefert Transparenz, Rückverfolgbarkeit und leistet im Gesundheitswesen einen zentralen Beitrag zur Versorgungs- und nicht zuletzt zur Patientensicherheit. Daher ist es äusserst wichtig, dass die Stammdaten jederzeit und systemübergreifend aktuell gehalten werden. Darüber sind sich die Stakeholder im Gesundheitswesen einig.

Gesunde Stammdaten
Damit in Prozessen keine Fehler entstehen, müssen die Stammdaten aktuell, vollständig und fehlerfrei sein. Ähnlich einem Steckbrief wird von jedem Produkt eine ganze Reihe von Eigenschaften abgebildet. Alle Informationen bilden den Stammdatensatz. Struktur und Umfang der Datensammlung unterscheiden sich aber je nach Unternehmen oder Zielmärkten.

So sind Hersteller von Medizinprodukten, Diagnostika und Arzneimitteln mit steigenden Ansprüchen an Qualität und Verfügbarkeit ihrer Produktstammdaten konfrontiert. Gründe dafür sind die Produktevielfalt, der Wildwuchs bei den Datenaustauschformaten bis hin zu den regulatorischen Vorgaben.

Aber auch in Gesundheitseinrichtungen und Einkaufsgemeinschaften gewinnt das Stammdatenmanagement in strategischer wie auch in operativer Hinsicht an Bedeutung. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Projekte rund um das Thema Stammdatenaustausch. Der Erfolg und die Akzeptanz blieben jedoch aus wegen fehlender Bereitschaft, auf Basis globaler Standards eine einheitliche Grundlage zu schaffen.


Nicolas Florin, Geschäftsführer Refdata«Die eindeutige Identifizierung von Produkten und gemeinsame Stammdaten sind Garanten für effiziente Prozesse und eine hohe Patientensicherheit. Mit ‹firstbase healthcare› eröffnen sich neue Perspektiven in der Zusammenarbeit mit den Stakeholdern im In- und Ausland.»

Nicolas Florin, Geschäftsführer Refdata

 



«firstbase healthcare»
GS1 Switzerland hat zusammen mit Vertretern aus der Gesundheitsbranche beschlossen, die Datenaustauschplattform «firstbase healthcare» zu schaffen, um den zukünftigen Austausch von Produktstammdaten sicherzustellen. Dies ist ein wegweisendes Signal für die gesamte Branche. Die Plattform soll in Zukunft dafür sorgen, dass zwingende Informationen ohne grossen Aufwand zwischen allen Beteiligten im Schweizer Gesundheitswesen ausgetauscht und synchron gehalten werden.

«Die neue Datenaustauschplattform wird allen Teilnehmenden im Gesundheitswesen die Möglichkeit bieten, vertrauenswürdige Produktstammdaten auszutauschen », erklärt Marc Schneider, Director Development & Operations bei GS1 Switzerland. Über verschiedene Kanäle stellen die Datensender den Datenempfängern aktuelle, vollständige und korrekte Stammdaten «from the source» zur Verfügung. Mit dem Technologiepartner Bayard aus Köln hat GS1 Switzerland die Implementierung gestartet und wird in den kommenden Monaten auf Basis der Plattform «Byrd» die Datenaustauschplattform realisieren.

Die Basis für den gegenseitigen Datenaustausch nach dem Prinzip «once only» bildet die Plattform «firstbase healthcare». Hersteller (Datensender) stellen ihre Produktstammdaten direkt aus ihren Systemen der Plattform zur Verfügung; dort können diese von allen angeschlossenen Unternehmen (Datenempfänger) bezogen werden. Die Daten werden auf der Plattform verifiziert, vorgehalten und für die definierten Marktteilnehmer zur Verfügung gestellt.

Abnehmer der Daten werden nicht nur die Kunden von Medizintechnik-Herstellern sein, sondern auch behördliche Register wie die Datenbank EUDAMED der Europäischen Kommission, GUDID der US-amerikanischen FDA oder die geplante Swiss Database on Medical Devices (Swissdamed). In einem zweiten Schritt können auch verschiedene Implantat-Register wie das LIR in den Niederlanden oder das schweizerische Implantat-Register SIRIS über die Plattform bedient werden.


Peter Biedermann, Direktor Swiss Medtech – Schweizer Medizintechnikverband«Swiss Medtech unterstützt das Vorhaben einer zentralen, nationalen Datenaustauschplattform sehr. Der Nutzen liegt darin, dass sich die Prozesse zwischen den Anbietern und Abnehmern von Medizinprodukten vereinfachen lassen.»

Peter Biedermann, Direktor Swiss Medtech – Schweizer Medizintechnikverband

 



Planmässiger Start
Die Anwendung trägt dazu bei, dass das Schweizer Gesundheitswesen mit aktuellen, vollständigen und korrekten Produktdaten versorgt wird. Dazu wurde ein Lenkungsausschuss bestehend aus dem Verband H+ als nationaler Interessenvertreter der Spitäler, der Stiftung Refdata, welche Artikel, Organisationen und Personen eindeutig identifiziert und in öffentlich zugänglichen Datenbanken referenziert, Swiss Medtech als Branchenverband der Schweizer Medizintechnik und GS1 Switzerland initiiert, der zusammen mit weiteren Vertretern aus dem Gesundheitswesen sicherstellt, dass die Plattform den Bedürfnissen aller Beteiligten entspricht und im Markt akzeptiert wird.

In zahlreichen Sitzungen haben sich die Datenempfänger und Datensender auf das «Zielmarktprofil Gesundheitswesen Schweiz» geeinigt. Die definierte Datenstruktur wird als Basis für die geplante Datenaustauschplattform verwendet. Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, werden die ersten Datensender ihre Daten via Datenaustauschplattform den Datenempfängern zur Verfügung stellen können. Dabei werden die teilnehmenden Organisationen von GS1 Switzerland und Bayard eng begleitet und unterstützt.

Im Rahmen von Use Cases arbeiten die ersten Spitäler und Unternehmen der Medizinbranche bereits an der Umsetzung und Integration in ihren Häusern. Vonseiten der Industrie unterstützen B. Braun Medical AG, Cosanum AG, Johnson & Johnson, Mathys AG, Medartis AG, Medtronic und Roche Diagnostics (Schweiz) AG die Datenaustauschplattform. Auf Seite der Datenempfänger sind Hirslanden, das Inselspital, das Kantonsspital Winterthur und das Luzerner Kantonsspital mit dabei. In der ersten Phase werden Daten über die Plattform ausgetauscht und dabei wichtige Erkenntnisse für weitere Optimierungen gesammelt. GS1 Switzerland verfolgt das ambitionierte Ziel, den Markteintritt mit der geplanten Plattform bereits Ende Januar 2023 vorzunehmen.

Joachim Heldt

Nach oben