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Pionierarbeit à la BLS Cargo

Der 19. Swiss Logistics Award wurde an die Schweizer Güterbahn BLS Cargo AG verliehen. Damit würdigten im November der Fachverband GS1 Schweiz und die hochrangig besetzte SLA-Jury das Projekt «One locomotive, four countries».

Dieses vor mehr als einem Jahr auf dem «Rhine-Alpine»-Korridor eingeführte Angebot beinhaltet keinen Lokwechsel mehr an der Landesgrenze für die Züge von BLS Cargo und ERS Railways. «Dank Mehrsystemlokomotiven und einer cleveren Organisation fahren die Züge in nur 21 Stunden durchgängig von Rotterdam nach Melzo», lobte die Jury diese Pionierleistung. Doch was bedeutet «clevere Organisation»? GS1 network hakte nach.

Ohne Lokomotivwechsel durch vier Länder
«Es bedeutet, dass wir auch das Fahrplankonzept optimiert haben», erklärt Dirk Stahl, CEO von BLS Cargo. Dafür musste das Unternehmen internationale Trassen suchen und reservieren, die eine durchgängige Fahrt durch den Korridor erlaubten. Dies erforderte eine enge Abstimmung mit den Bahnpartnern sowie auch eine schriftliche Regelung der operativen Prozesse. «Den Zug von Holland bis Italien nur mit einer Lok zu fahren, war der entscheidende Hebel», sagt Stahl. Denn je weniger Lokwechsel, desto weniger Risiken (Folgeverspätungen, hohe Stillstandzeiten), weniger zusätzlicher Arbeitsaufwand (Lokführer und Disposition), ergo weniger Kosten.
Die Planung des Verkehrs im herkömmlichen konventionellen System ergibt einen Bedarf von sechs bis acht Lokomotiven. «Mit ‹One locomotive, four countries› sind für die wöchentlich 24 Züge gesamthaft nur noch vier Loks notwendig», sagt Stahl. Dieses Konzept überzeugte den Kunden ERS Railways. BLS Cargo gewann den ERS-Verkehr Rotterdam–Melzo mit einem jährlichen Verkehrsvolumen von mehr als 1000 Zügen. «Es handelt sich um Züge im unbegleiteten kombinierten Verkehr, vor allem um Ladung, die im Hafen Rotterdam aus Übersee ankommt und von dort auf der Schiene bis zum italienischen Terminal Melzo transportiert wird oder umgekehrt», sagt Dirk Stahl.
BLS Cargo und ERS Railways haben damit als erste Unternehmen die politische Vision des durchgängigen europäischen Güterkorridors in die Praxis umgesetzt. Stahl spricht von einer «bisher einmaligen logistischen Lösung », die nicht nur die ehrgeizigen verlagerungspolitischen Ziele der Schweiz im Transitverkehr durch die Alpen unterstütze. Auch die im EU-Weissbuch 2020 formulierten Ziele fördern BLS Cargo und ERS mit ihrem Konzept: 30 Prozent des langläufigen Güterverkehrs auf der Strasse über 300 Kilometer sollen bis 2030 auf die Schiene oder das Wasser verlagert werden. Bis 2050 soll der Anteil bereits bei mehr als 50 Prozent liegen.

Konkurrenzsituation
Aktuell produzieren alle Konkurrenten von BLS Cargo und ERS Railways die Transportleistungen von Holland nach Italien unter Einsatz von mehreren länderspezifischen Lokomotiven pro Transport. Dazu sind bis zu drei Lokwechsel nötig, wobei pro Wechsel eine Übergabezeit von mindestens 30 bis 60 Minuten eingeplant werden muss.
Puffer für Unvorhergesehenes wie Verspätungen oder Störungen sind darin noch nicht enthalten.

Tim-Oliver Frische

BLS Cargo
BLS Cargo wusste von den Möglichkeiten der Bombardier-Lokomotive BR 186 DACHINL, die mit den Strom- und Zugsicherungssystemen für Deutschland (D), Österreich (A), die Schweiz (CH), Italien (I) und Holland (NL) auf den «Rhine- Alpine»-Korridor und das Verkehrskonzept für ERS Railways zugeschnitten sind. Damit war das zentrale Element für die Umsetzung des Pionierkonzepts auf dem grenzüberschreitenden Güterkorridor gesichert.

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