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«Ich benötige mehr Argumentationsspielraum»

Markus Gublers Arbeit in der Hotelleriebranche ist international, und die Aufträge müssen Just-in-Time erfolgen. Im Lehrgang zum Supply Chain Manager vertiefte der gelernte Kaufmann sein logistisches Wissen und holte sich damit die Werkzeuge, um seine Projekte gegenüber Dritten überzeugend zu vertreten. 

Wer irgendwo auf der Welt in einem Hotel übernachtet, hat grösste Chancen, dass er am Frühstücksbuffet seine Müesli-Schale mit einem Löffel füllt, der über den Tisch von Markus Gubler ging. Zwar nicht physisch, aber als Teil einer Bestellung, für die Gubler verantwortlich war. Denn der 33-Jährige arbeitet als Head of Customer Service & Logistics bei der Andy Mannhart AG, die weltweit Hotels im sogenannten OS&E-Bereich (Operating Supplies & Equipment) ausstattet. «Dabei handelt es sich um alles, was nicht fest installiert ist», erklärt Gubler am Hauptsitz des Unternehmens in Küssnacht am Rigi. Plant eine Hotelkette ein neues Haus, liefert sein Unternehmen innerhalb von acht bis zehn Wochen die bestellte Ware, um das neue Hotel funktionstüchtig zu machen.

Das Artikelsortiment umfasst knapp 80 000 Produkte, und für die Bestellungen arbeitet das Schweizer KMU mit 300 verschiedenen Lieferanten zusammen. Es sind Just-in-Time-Aufträge, die Gubler zu koordinieren hat. «Kommt ein Auftrag bei uns herein, müssen wir ihn sofort an die Lieferanten weitergeben. »

Väterliche Tipps
Um diese weitverzweigte Supply Chain zu überblicken, sei logisches und pragmatisches Denken gefragt, sagt Gubler. «Häufig muss man speditiv entscheiden. » Das Flair für logistische Abläufe ist dem gebürtigen Zuger ein Stück weit in die Wiege gelegt worden: Gublers Vater führte ein Speditionsunternehmen. Der Filius absolvierte zunächst jedoch eine kaufmännische Lehre auf der Verwaltung der Gemeinde Cham und sammelte anschliessend ein Jahr lang im väterlichen Unternehmen erste Erfahrungen im Warentransport. Nach der RS arbeitete Gubler während vier Jahren als Sachbearbeiter Import/Export bei MB Barter & Trading SA (heute Meraxis) im Rohstoffhandel, wo er vertieft Einblick in die Abläufe der Supply Chain hatte.

2015 stieg Gubler als Sachbearbeiter bei der Andy Mannhart AG ein und wurde bald darauf Teamleiter der Customer Services. «Als mein Vorgesetzter nach einem Jahr wegging, rückte ich an seine Stelle als Head of Customer Service & Logistics nach.» In dieser Position musste er auch die logistischen Abläufe verantworten. Das sei ihm aufgrund seines familiären Hintergrunds nicht gänzlich fremd gewesen: «Ich bekam Tipps von meinem Vater.» An der neuen Aufgabe habe ihn vor allem auch die Personalführung gereizt. Dass er fachlich seinen Mitarbeitenden teilweise das Wasser nicht reichen konnte, hinderte ihn nicht daran, die Herausforderung anzunehmen. Dabei kam ihm sein Führungsverständnis entgegen: «Ich möchte meinem Team in den jeweiligen Fachbereichen Verantwortung übergeben, zuhören und Hand zur Unterstützung bieten.»

IT als Schwerpunkt
Nach zwei Jahren in der neuen Funktion, in der er auch der erweiterten Geschäftsleitung angehört, wuchs in Gubler jedoch der Wunsch nach mehr Fachwissen: «Um Projekte auf Führungsebene durchzubringen, benötigte ich mehr Argumentationsspielraum.» Auf der Suche nach einer passenden Weiterbildung kam ihm die Erfahrung seines Schwagers zugute, der bei GS1 Switzerland zwei Jahre zuvor den Lehrgang zum Supply Chain Manager absolviert hatte. «Ich entschied mich vor allem auch für diesen Lehrgang, weil die IT als Schwerpunkt angelegt ist», sagt Gubler, der sich sehr für digitale Lösungen interessiert.

Gesagt, getan – Gubler startete im Herbst 2018 mit dem Lehrgang und hielt Ende 2020 sein eidgenössisches Diplom als Supply Chain Manager in den Händen. Dazwischen lag viel logistisches Neuland. «Ich konnte mir eine Menge neues Wissen aneignen, sowohl bezüglich der Logistik als auch im Bereich der Leadership, wo ich mir meine Kompetenzen bis dahin durch Learning by Doing erworben hatte. Heute kann ich in Gesprächen mit Mitarbeitenden und Vorgesetzten besser argumentieren. » Dass er zwei Projekte – die Digitalisierung des Betriebs und die Verlagerung der Logistik aus der Schweiz in die Niederlande – erfolgreich realisieren konnte, führt Gubler auch auf die Weiterbildung zurück.

Starker Praxisbezug
Im Unterricht überzeugten den Supply Chain Manager die Dozenten, die ihr Wissen «sehr praxisbezogen weitergaben ». Ausserdem habe man einen sehr guten Klassenzusammenhalt gepflegt: «Durch die Diskussionen in den Lerngruppen konnten wir Unklarheiten ausmerzen.» Gubler, der sein 100-Prozent- Pensum während der Weiterbildung nicht reduzierte, ging beim Lernen systematisch vor. «Es ist wichtig, dass man sich bereits zu Beginn des Lehrgangs an die Lernziele hält. Mir hat es zudem geholfen, den Unterrichtsstoff schriftlich zusammenzufassen.»

Zwar musste er immer mal wieder seinen inneren Schweinehund überwinden, um sich in der Freizeit zum Lernen hinzusetzen. «Ich bin eher der Macher, weniger der Student», sagt Gubler. Trotzdem vermisse er es seit dem Ende des Lehrgangs, Neues zu lernen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. «Ich möchte mich deshalb gerne bald wieder weiterbilden.» Da der Lehrgang zum Supply Chain Manager seinen Wissensdurst im Schwerpunktbereich IT nicht zu löschen vermochte, strebt er auf diesem Gebiet eine Vertiefung an: «Mit dem Fernziel, einen Master im IT-Bereich zu erwerben, möchte ich bald einen CAS-Lehrgang im Bereich der Digitalisierung in Angriff nehmen.»

Julia Konstantinidis

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