gs1-neton-header-09.jpg

Ein Panorama der Aktivitäten

Bundesrat, Unternehmen, Beratungsfirmen, Fördervereine: Das Konzept der Kreislaufwirtschaft sorgt vielerorts für Bewegung.

Es regt sich was in Sachen Kreislaufwirtschaft: Ein Postulat von Ständerat Beat Vonlanthen hat den Ball ins Rollen gebracht. Es verlangte vom Bundesrat eine vertiefte Analyse von steuerlichen und weiteren Massnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Der in Beantwortung des Postulats vorgelegte Bericht des Bundesrates vom Sommer 2020 zeigt den weiteren Weg der Schweiz auf. Dieser wird vielfältig. Der Bericht kommt zum Schluss, dass eine effektive Förderung der Kreislaufwirtschaft am besten durch ein gut abgestimmtes Bündel von angebots- und nachfrageseitigen Massnahmen erreicht wird.

Im Postulat wurde die Prüfung von fünf Massnahmen verlangt. Davon werden einige nun vertieft hinsichtlich ihrer volkswirtschaftlichen Auswirkungen untersucht, ebenso im Hinblick auf ihre Vereinbarkeit mit internationalen Verpflichtungen der Schweiz. Dazu gehören beispielsweise Deklarationspflichten. Deklarationen sind die notwendige Basis dafür, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Verantwortung übernehmen können und vor irreführenden Erklärungen über die ökologischen Eigenschaften eines Produkts geschützt werden. Dabei geht es um Aspekte wie Lebensdauer, Reparierfähigkeit, Recyclingfähigkeit und andere.

Bundesrat berät Förderung
Ferner wird auch eine Verlängerung der Gewährleistungsfrist inklusive Reparaturoption genau geprüft, ebenso wie Registerlösungen zur Eigentumssicherung, damit sich nutzenbasierte Geschäftsmodelle mit ökologischem Mehrwert gezielt fördern lassen. Das Ziel ist, dass die Anbieter diese Geschäftsmodelle günstiger finanzieren und ihre Angebote verbilligen können. Zudem dürfte dem Bundesrat spätestens bis Ende 2022 ein Massnahmenpaket zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft vorgeschlagen werden, welches sich aus der Berichterstattung «Grüne Wirtschaft» ergibt.

Der Handlungsbedarf für die Schweiz resultiert nicht zuletzt aus den inländischen Müllmengen. Immerhin, einige Kreisläufe sind bereits heute fast geschlossen, besonders bei Rückbaumaterialien wie Beton, Kies oder Sand. Trotzdem gelangen mehr als fünf Millionen Tonnen Mischabbruch noch nicht in einen Kreislauf. Bei Siedlungsabfällen wird mittlerweile etwas mehr als die Hälfte separat gesammelt und stofflich wiederverwertet. Dennoch: Aufgrund des hohen Lebensstandards hat die Schweiz mit 709 Kilogramm pro Person eines der höchsten Siedlungsabfallaufkommen der Welt.

Umfrage von GS1 bestätigt Interesse
Dabei steigt nicht nur die gesamte Menge, auch die Komplexität der Produkte nimmt zu (etwa Verbundverpackungen). Die Verwendung seltener Erden in beliebten Elektronikgeräten erzeugt bei der Förderung eine hohe spezifische Umweltbelastung. Noch konzentriert sich das Recycling aber auf etablierte Stoffe wie Glas, PET, Alu, Papier oder Stahl. Immerhin werden komplexere Produkte wie Elektronikschrott, Sonderabfälle, Schlacke oder Filterstäube zunehmend separat gesammelt.

Bei den Schweizer Unternehmen ist das Thema Kreislaufwirtschaft indessen präsent. Das zeigt das White Paper «Kreislaufwirtschaft» von GS1 Switzerland. Eine dafür durchgeführte Umfrage bei 59 Unternehmen aus verschiedenen Branchen hat ergeben, dass nahezu allen befragten Unternehmen das Konzept der Kreislaufwirtschaft bekannt ist und sie sich mit der Thematik befassen.

Das grösste Potenzial für die Kreislaufwirtschaft sehen die befragten Unternehmen im Recycling, in der Beschaffung von Rohstoffen, in der Produktion und in der Produktentwicklung. Um das Konzept der Kreislaufwirtschaft im Unternehmen weiterzuentwickeln, erachten sie die Anwendung von GS1 Standards als eines der zentralen Elemente. Um dies umzusetzen, benötigen sie jedoch weitere Grundlagen in Form von Anwendungsempfehlungen seitens GS1 Switzerland. Es besteht auch das Bedürfnis, durch Erfahrungsaustausch, Diskussionen und Veranstaltungen einen höheren Wissensstand im Unternehmen zu erreichen.

Kreislaufwirtschaft und Klimaziele
Welchen Weg Firmen in Richtung Kreislaufwirtschaft gehen könnten, haben die Unternehmensberatung PwC und der Umweltschutzorganisation WWF in der Studie «Circularity as the new normal» analysiert. Demnach wäre die Kreislaufwirtschaft ein Multi- Milliarden-Franken-Wirtschaftsmodell für die Schweiz. Sie könnte die Abhängigkeit der Firmen von Ressourcen verringern und ihnen Zugang zu neuen Märkten, Innovationen und Investitionen geben. Im Einzelnen behandelt die Studie den Stand und die besonderen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft für die Sektoren Finanz, Lebensmittel, Textil, Pharma sowie Uhren und Schmuck. Die Unternehmen könnten verschiedene Strategien anwenden, um Material- und Energiekreisläufe zu schliessen, zu verlangsamen, zu verkleinern oder herzustellen.

Somit empfehlen PwC und WWF unter anderem die Entwicklung einer nationalen Kreislaufstrategie mit messbaren Zielen, die nicht nur Recycling, sondern die nachhaltige Kreislaufwirtschaft von Beginn an einplant. Der Finanzsektor sollte zur Förderung von Kreislaufinvestitionen einbezogen werden. Dabei sollten die Gesamtauswirkungen der Schweizer Industrie im Fokus stehen und die Klimaziele der Schweiz berücksichtigt werden.

Alexander Saheb
 

Kräfte bündeln
In der Schweiz gibt es heute eine Reihe von Initiativen, die sich der Förderung des Gedankens der Kreislaufwirtschaft verschrieben haben. Die bekanntesten finden sich unter folgenden Links:

www.go-for-impact.ch
Go for Impact möchte der Schweizer Wirtschaft zu weniger negativem und mehr positivem Umwelteinfluss verhelfen.

www.circular-economy.swiss
Die Drehscheibe Kreislaufwirtschaft Schweiz ist ein Projekt von Swiss Recycling, dem Dachverband der Schweizer Recycling-Organisationen.

www.ressourcentrialog.ch
Die Vereinigung führt einen Dialogprozess zur Abfallund Ressourcenwirtschaft 2030.

www.oebu.ch
Unternehmensverband für nachhaltige Wirtschaft

www.genie.ch
Netzwerk für industrielle Ökologie im Kanton Genf

www.ce2.ch
CE2 möchte mit allen relevanten Schweizer Akteuren zusammenarbeiten, deren Angebote wirkungsvoll ergänzen und die Kräfte bündeln.

www.prisma-innovation.ch
Die Organisation widmet sich der Kreislaufwirtschaft für Verpackungen.

www.madaster.ch
Diese Plattform unterstützt die Transparenz über die materiellen Werte in der gebauten Umwelt.

 

Nach oben