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Trittbrettfahrer unerwünscht

Seit 200 Tagen ist die Empfehlung von GS1 Switzerland und ASTAG bekannt und die Rollen, Aufgaben und Pflichten der Tauschteilnehmer sind klar geregelt. Was hat sich in dieser Zeit verändert und in welche Richtung entwickelt sich der Tauschgerätepool mit der vielversprechenden Domain «europalettentausch.ch».

Am 2. März 2017 verkündete die EPAL das Ende der Tauschvereinbarung mit der UIC per 1. Mai 2017 mit der Begründung, dass Qualität, Sicherheit und Dienstleistungsinhalte nicht mit den Vorgaben der EPAL zu vereinbaren seien. Dieser Entscheid war für die Logistikbranche der Schweiz äusserst überraschend und man reagierte mit Unverständnis, obwohl man immer wieder Qualität forderte und vor unpopulären Massnahmen nicht zurückschreckte. Dazu gehörte das Zurücksenden von fehlerhaften Paletten samt Ladung auf Kosten des Absenders. Als Reaktion wurde eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von GS1 Switzerland und ASTAG gegründet, und innert kurzer Zeit entstand die Empfehlung zum Thema Tausch von Europaletten. Die mehrseitige Empfehlung regelt sämtliche Punkte im Umgang mit Tauschgeräten.

Erst am Anfang
Der Tauschgerätepool Schweiz steht nach 200 Tagen immer noch am Anfang. Die wichtigsten Keyplayer der Logistikbranche sind dabei und mit rund 50 Teilnehmern haben sich doch einige verpflichtet, die Regeln der Empfehlung umzusetzen und einzuhalten. Mit dem Label «Fair Pallet Player» von GS1 Switzerland und ASTAG wird das Projekt ebenfalls stark gefördert. Es stellt sich die Frage, inwiefern diese Empfehlung ausreicht. Erste Befragungen von verschiedenen Marktteilneh- mern ergeben noch keine schlüssigen Antworten. Allseits wird aber hervorgehoben, dass die Anstrengungen zur Verbesserung der Ladungsträger sehr geschätzt werden.

Trittbrettfahrer eliminieren
Verpackungen jeglicher Art bedeuten Kosten und diese müssen bekanntlich möglichst tief gehalten werden. Bei Europaletten haben in der Vergangenheit die Keyplayer und das Transportgewerbe diese Kosten getragen. In Zukunft kann es folglich kaum mehr vertretbar sein, sich nicht an den Kosten zu beteiligen und gleichzeitig vom System zu profitieren. Der einzigartige Ladungsträger aus einem nachwachsenden Rohstoff, mit dem offenen Tauschsystem der EPAL, muss in qualitativer Hinsicht weiterentwickelt werden. Dazu gehören die Vermarktung und die Bekanntmachung der Empfehlung. Die EPAL hat bereits mit einer Offensive begonnen und neue Informationsplakate und Handkarten für die Logistikbranche erstellt. Nach wie vor gehören diese verbindlichen Informationen in jedes Logistikunternehmen, in jede Versandabteilung – einfach überallhin, wo EPAL-Paletten verwendet werden. Bestellt werden können sie auf www.epal.ch.

Stimmen aus dem Markt
Die ersten Schritte sind vollzogen, nun müssen weitere folgen, will man diese Empfehlung zum Fliegen bringen und nicht einen Papiertiger produzieren. Die positiven Stimmen könnten aber nur zu schnell verschwinden, wenn nicht innerhalb kurzer Zeit eine sichtbare Verbesserung der Tauschgeräte eintritt.

Der Pool muss wirklich breiter abgestützt werden, die verpflichteten Firmen sollen konsequenter schwarze Schafe zur Rechenschaft ziehen und den Qualitätsgedanken weiter pflegen. Der Weg in die Zukunft ist aufgezeichnet, denn mit den neuen, angepassten Tauschkriterien der EPAL hat sich die Basis bereits verbessert. Die EPAL ist sich ihrer Verantwortung bewusst und wird weiterhin die qualitativen Merkmale der Ladungsträger einer strengen Kontrolle unterziehen, um die Kosten für die Logistik zu optimieren.

2019
Der Tausch von Europaletten wird die Logistikbranche weiterhin beschäftigen. Der Tauschgerätepool Schweiz bietet gemeinsam mit der EPAL einen möglichen Lösungsansatz, der in jedem Fall weiterverfolgt werden muss. Die Kosten für Verpackungen und die Akzeptanz gegenüber nicht nachwachsenden Verpackungsmaterialien werden sich in Zukunft verändern. Wiederverwendbare Systeme sind in der Logistikbranche Standard. Der Tauschgerätepool Schweiz bietet dies und wird sich durchsetzen. Freiwillig oder durch Zwang.

Walter J. Zürcher

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