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Standort Schweiz

Standort SchweizDie Kantone Zug, Zürich und Basel-Stadt sind im Vergleich der Credit Suisse die attraktivsten Schweizer Standorte. Schlusslichter sind Jura, Uri und Neuenburg. Gezielte Investitionen in die Standortqualität zahlen sich aus.

(as) Für die seit 2004 jährlich publizierte Studie zur Standortqualität werden fünf zentrale Faktoren von rund 2800 Schweizer Gemeinden erhoben. Die Steuerbelastung der natürlichen und juristischen Personen, der Ausbildungsstand der Bevölkerung, die Verfügbarkeit hoch qualifizierter Arbeitskräfte und die verkehrstechnische Erreichbarkeit sind die entscheidenden Elemente.

Qualitative Standortfaktoren wie die landschaftliche Schönheit werden jedoch bewusst nicht berücksichtigt, weil sie nur eingeschränkt messbar sind und einem Werturteil unterliegen. Das mache einen Vergleich dieser Faktoren unmöglich, argumentieren die Studienverfasser.

Kanton Zug mit bester Kombination aller Faktoren
Gemäss der Studie erreicht der Kanton Zug beim Standortqualitätsindikator einen Wert von 2,07 Punkten, Zürich kommt auf 1,68 Punkte. Für Zug sind demnach die besonders tiefe Steuerbelastung zusammen mit der hohen Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und die verkehrsgünstige Lage an der Nord-Süd-Achse eine «unschlagbare Kombination von Standortvorteilen».

Mit der 2004 eingeführten Stadtbahn und der Autobahn A4 durch das Knonaueramt konnte man zudem die verkehrstechnische Erreichbarkeit weiter verbessern. Unmittelbar an Zürich angrenzende Gebiete der Zentralschweiz profitieren von der neuen Westumfahrung und vom Uetlibergtunnel. Der Grossraum Zürich liegt nun in erreichbarer Nähe. Das erlaubt den Zuger Wirtschaftsregionen, ihre Spitzenpositionen zu verteidigen bzw. auszubauen. Allerdings erreichte Zug im Jahr 2004 insgesamt noch bessere Werte, der SQI lag damals bei 2,5 Punkten.

Der Kanton Zürich zeichnet sich besonders durch die zentrale Lage der Städte Zürich und Winterthur aus und gewinnt auch dank der guten verkehrstechnischen Erschliessung der Agglomerationen. Dank den Zürcher Hochschulen finden sich besonders viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Diese bleiben wegen «attraktiven Arbeitsplätzen und Wohnorten» auch nach der Ausbildungsphase im Kanton. Zürich konnte seine Bewertung im Vergleich zu vor fünf Jahren recht stabil halten. Damals lag der SQI bei 1,8 Punkten.

Basel gelingt der angestrebte Aufstieg
Ein Aufsteiger unter den Kantonen ist dagegen Basel-Stadt mit aktuell 0,88 Punkten. 2004 lag der Wert noch bei 0,5 Einheiten. Basel habe den Rückstand bei der Steuerbelastung der natürlichen Personen reduziert und ausserdem die verkehrstechnische Erreichbarkeit verbessern können. Den Rückstand von Basel-Stadt, aber auch von Genf auf Zug und Zürich erklären die Ökonomen der Credit Suisse im Wesentlichen mit der dort gefahrenen Hochsteuerstrategie. Denn beide Stadtkantone erzielten sehr gute Werte in Sachen «Verfügbarkeit von Hochqualifizierten» und «verkehrstechnische Erreichbarkeit».

Nidwalden folgt auf die städtische Spitzengruppe vor allem dank seiner Entscheidung für besonders tiefe Steuersätze. Danach folgt ein dicht gedrängtes Feld von Kantonen, die sich mit individuellen Stärken über dem Schweizer Durchschnitt positionieren können. Beispielsweise könne die verkehrsgünstige Lage des Kantons Aargau durchaus eine Transportunternehmung anlocken. Ein vermögender Privatier könnte sich wegen der niedrigen Steuern hingegen lieber für Obwalden entscheiden.

Variablen sind unterschiedlich rasch steuerbar
Die Kantone haben durchaus die Möglichkeit, ihr Ranking aktiv zu beeinflussen. Allerdings geht es hier um meist sehr langfristige und kostspielige Angelegenheiten. Investitionen im Bildungsbereich wirken sich erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auf den Ausbildungsstand der Bevölkerung aus. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist gleichermassen aufwendig und langsam möglich. Die Fahrzeiten können schliesslich auch wegen der Distanzen und topografischer Gegebenheiten nicht beliebig verkürzt werden. In Sachen Steuerpolitik können die Kantone jedoch vergleichsweise rasch und frei entscheiden. Steuersenkungen haben meist kurzfristig Einnahmenausfälle zur Folge, sie können aber rascher realisiert werden als Investitionen in die anderen Standortfaktoren. Vor allem die kleineren Kantone Zug, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und beide Appenzell nutzen dieses Instrument stark. Obwalden setzt seit 2008 sogar auf einen schweizweit einmaligen Einheitssteuersatz.

Insgesamt zahlen sich gezielte Investitionen in die Standortqualität aus, stellt die Grossbank fest. Seit der erstmaligen Berechnung des Standortqualitätsindikators in der aktuellen Form im Jahr 2004 haben viele Kantone umfangreich in ihre Verkehrsinfrastruktur investiert oder sich zu Steuersenkungen entschlossen. Der Wettbewerb zwischen Regionen und Gemeinden um Einwohner, Arbeitsplätze und Investoren hat sich jedoch zunehmend verschärft. Die attraktivsten Schweizer Regionen rücken in der Bewertung immer näher zusammen. Erweitert man das Blickfeld auf ganz Europa, steht die Schweiz gut da. Die Stadt Genf hat beispielsweise auf nationaler Ebene die höchste Unternehmensbesteuerung. Europaweit rangiert sie noch immer komfortabel im Mittelfeld.

Alexander Saheb

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