gs1-neton-header-10.jpg

Vorsprung durch Wissen

Logistik ohne IT? Kaum mehr vorstellbar! Gläserne, flexiblere Supply Chains? Kosteneffizientere Logistiklösungen? Bessere Transportvolumenprognosen? Ist Big Data hierfür die neue Zauberlösung?

Big Data. Alle sprechen darüber. Aber erst wenige Unternehmen setzen Big- Data-Technologien bisher produktiv um. Für viele Firmen ist Big Data jedoch ein Top-Thema. Sie investieren bereits in Big Data oder planen Investitionen in den nächsten 24 Monaten. Gemäss einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Gartner vom Juni 2014 fliessen die meisten Gelder jedoch noch in Strategieentwicklung und Projektplanung. Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sind Big Data und Analytik in der Schweiz allerdings noch kein Top- Thema bei CIOs.

Agilität als grosse Herausforderung
Vor dem Hintergrund volatiler Logistikmärkte ist es notwendig, dass Logistiker mit immer besseren Methoden Warenströme berechnen und optimieren. Die Anforderungen der Kunden und des Marktes ändern sich immer rascher. Entscheidungen werden kurzfristiger getroffen. Das sind Entwicklungen, die ein Dienstleister analysieren, planen und steuern muss. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette wollen die immer schnelleren Veränderungen so früh wie möglich in die eigenen Planungen (Produktion, Strategien, Ressourcen, Kapazitäten usw.) einfliessen lassen. Ziele sind, die Waren noch punktgenauer für Kunden bereitzustellen, Unterbrüche in den Lieferketten zu vermeiden, das Qualitätsmanagement weiter zu verbessern und die Kosten zu senken.
Big Data verspricht grosse Effizienzsteigerungen in der Wertschöpfungskette. Der Einsatz von Big Data steigert die Entscheidungsqualität und damit – so die Hoffnung – den Unternehmenserfolg aller Prozessbeteiligten. Eine klare Win-win-Situation. Die Kunst besteht darin, die erhobenen Daten zeitnah zu filtern, die relevanten zu analysieren, adäquat zu interpretieren, daraus Schlüsse zu ziehen und gegebenenfalls Prozessveränderungen anzustossen. Das ist sehr anspruchsvoll.
Big-Data-Konzepte in der Logistik dienen als Beschleuniger weitreichender, interdisziplinärer Innovationen. Sie ermöglichen einen schnelleren Wandel weg von Push- hin zu Pull-Systemen. Sie verändern damit nachhaltig die Supply Chains sowie die Position des Logistikers. Dies bestätigten auch Diskussionen am Deutschen Logistik- Kongress in Berlin im Oktober 2014.

Wachsende Warenmengen
Noch nie wurden so viele Waren von A nach B transportiert. Der Grund: Die Weltwirtschaft, und damit der Handel, wächst und wächst. Die Verfasser des Oxford Economics «Global Connections Report» bezifferten das globale Bruttoinlandprodukt 2013 mit 78 Billionen US-Dollar, das Handelsvolumen betrug fast 19 Billionen US-Dollar. Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung in Asien und dem dort so dringlichen Bedarf an einer verbesserten Infrastruktur erwarten sie, dass sich der weltweite Warenhandel bis 2030 vervierfachen wird. Allein in Deutschland rechnen sie ab 2016 mit einer Exportsteigerung von mindestens vier Prozent.
Zwar haben sich zum Jahresende die Wirtschaftsprognosen verschlechtert, doch mittel- und langfristig wird die Weltwirtschaft weiter wachsen und damit auch der Bedarf an kosteneffizienten Logistikdienstleistungen. Innerhalb enger Zeitfenster müssen immer mehr Waren auf dem Wasser-, Luft- und/ oder Landweg transportiert werden, zum Teil über Tausende von Kilometern. Just-in-time- oder Just-in- Sequence-Lieferungen sind dabei, je nach Kundenbedarf, die Taktgeber.

Ein System für viele Lösungen
Ohne eine intelligente IT ist die Logistik, wie sie heute praktiziert wird, nicht denkbar. Komplexität und Geschwindigkeit der Lieferketten bedingen leistungsfähige Systeme. Deshalb hat der Logistikdienstleister Dachser bereits früh in die Entwicklung einer umfassenden IT-Infrastruktur für alle Tätigkeitsbereiche des Unternehmens investiert. Er setzte respektive setzt dabei auf eigenprogrammierte IT-Systeme und auf Basis standardisierter Lösungen auch auf branchenspezifische Konzepte, weil ein Unternehmen aus der Elektronikbranche andere Anforderungen an die Logistik stellt als beispielsweise eines aus der chemischen Industrie. Diese Vorgehensweise sorgt für stets aktuelle und massgeschneiderte Lösungen zur Prozesssteuerung.
Bei Neuaufträgen werden die Anforderungen der Kunden in Bezug auf Informationsketten, Schnittstellen und Systeme bereits im Vorfeld erörtert und festgelegt, sodass die Dachser- Konzeptmodule problemlos in die IT-Infrastruktur des Kunden integriert werden können. Die IT-Spezialisten von Dachser organisieren den passgenauen Datenfluss und programmieren, wo nötig, auch neue Lösungen. Die Dachser-Programme sind über Jahre weiterentwickelt worden. Deshalb ist der Deckungsgrad zwischen den kundenspezifischen Anforderungen und dem, was die Systeme bieten, sehr hoch. Damit die eng miteinander verzahnten IT-Systeme jederzeit und an allen Einsatzorten auf dem neuesten Stand sind, werden sie wöchentlich aktualisiert. Selbst anspruchsvolle individuelle Kundenwünsche können so realisiert werden. Weil das Unternehmen weltweit immer die gleichen Systeme einsetzt, kennen die Mitarbeiter die Prozesse und sprechen die gleiche IT-Sprache.
Über 10 000 Geschäftspartner sind per EDI an Dachser-Systeme angebunden. Die Vorteile sind Prozesssicherheit, Zeitersparnis und Fehlervermeidung, da täglich wiederkehrende Arbeitsschritte wie Bestellungen, Rechnungen und Zahlungsvorgänge vereinheitlicht und automatisiert werden. Gleichzeitig besteht für Firmen die Möglichkeit, die IT-Infrastruktur von Dachser über webbasierte E-Logistics- Anwendungen zu nutzen. So können sie beispielsweise online die Frachtkosten ermitteln, Transportaufträge erteilen und Sendungen mittels Track & Trace durch ganz Europa und überall auf der Welt verfolgen.

Big Data bei Dachser
Versteht man Big Data als intelligente Analyse grosser Datenmengen, um heute und morgen einen höheren Wissensstand zu haben, besser und früher planen und entscheiden zu können, dann war dies bei Dachser bereits ein wichtiges Thema, lange bevor Big Data zum geflügelten Begriff wurde und Schlagzeilen machte. Dachser verarbeitet seit Jahren zentral vorhandene Massendaten für interne Analysen, Auswertungen und laufende strategische Ableitungen. Das Unternehmen verknüpft diese mit weiteren Kundeninformationen. So wissen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette mehr, Dachser kann seine Servicequalität weiter steigern und alle erhalten einen grösseren Mehrwert.
Der Logistiker hat über die Jahre bereits verschiedene Big-Data-Konzepte umgesetzt und in leistungsfähige Hardware und Software investiert, um die Datenmengen zu erfassen, zu speichern, zu durchsuchen, zu analysieren und zu visualisieren. Konzepte, Hardund Software werden laufend verbessert und ausgebaut. Selbstverständlich geht das Unternehmen dabei, insbesondere mit Kundendaten, sehr verantwortungsvoll um.
Das A und O von Big-Data- und anderen IT-Konzepten sind bestens ausgebildete Mitarbeiter. Nur so können die IT-Systeme ständig weiterentwickelt und ihr Potenzial voll ausgeschöpft werden. Dachser investiert daher kontinuierlich in die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

Herausforderungen für Big Data
Neben dem richtigen Personal sind Datenqualität, Datensicherheit und die Sicherheit der IT-Systeminfrastruktur weitere Herausforderungen. Die Verbesserung und Sicherstellung der Datenqualität erfordert umfangreiche Massnahmen wie zuvor definierte Regeln zur Prüfung der Daten. Der Datenschutz spielt bei der Verarbeitung respektive Auswertung von Big Data eine zentrale Rolle. Viele der Daten enthalten personenbezogene Informationen, sei es aus Verträgen, Dienstleistungen oder auch aus Social Media Content. Der Umgang mit diesen Daten ist komplex und muss entsprechend detailliert abgebildet werden, um spätere Rechtsfolgen proaktiv zu verhindern.
Fest steht jedoch, dass sich Logistikprozesse effektiver und nachhaltiger gestalten lassen, wenn genaue Vorhersagen auf Grundlage von bereits erzeugten Daten erstellt werden können. Eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit durch zutage geförderte Informationen, die dem Anwender einen Wissensvorsprung gegenüber den Wettbewerbern generieren können, ist das erhoffte Ziel, das mit Big Data erreicht werden soll. Die Maxime «Vorsprung durch Wissen» kann dabei durchaus greifen.

Hubert Reiser
Department Head IT-Organisation/ IT-Marketing, Corporate IT, Dachser GmbH & Co. KG

Nach oben